Ruhestand

Rente mit 63 in Gefahr? Kritiker fordern ihre Abschaffung

Die Rente mit 63 könnte in Gefahr sein. Zumindest, wenn man auf die Stimmen einiger Experten und Politiker hört. Sie stellen den abschlagsfreien, vorzeitigen Ruhestand auf den Prüfstand.

Hamm – Mit „nur“ 63 Jahren in Rente gehen – das klingt für viele Arbeitnehmer in Deutschland wie ein guter Traum. Für manche war bzw. ist es aber möglich. Zwar konnten alle vor 1953 Geborenen noch ohne Abschläge mit 63 Jahren in Rente gehen. Für Menschen, die zwischen 1953 und 1963 geboren sind, gilt das aber schon nicht mehr. Das Eintrittsalter verschiebt sich mit dem Geburtsjahr stufenweise nach oben, da das Rentenalter schrittweise erhöht wird. Wer 1964 oder später geboren ist, hat richtig Pech – der kann nämlich erst ab 65 Jahren nach 45 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Doch jetzt fordern Kritiker sogar für alle Menschen die Abschaffung der sogenannten „Rente mit 63“.

„Einsparungen bei den Renten möglich“: Rente mit 63 in Gefahr?

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sah nach der Haushaltsblockade Rentenkürzungen als probates Mittel an, um Geld an anderer Stelle zu sparen. „Prinzipiell sind Einsparungen bei den Renten möglich“, äußerte Grimm kürzlich gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Zum Beispiel die Rente ab 63 oder die Mütterrente könnte man zur Disposition stellen. Und bei der Anpassung von Bestandsrenten könnte man weniger Aufwüchse vorsehen.“ Gleichzeitig warnte sie aber auch vor Schnellschüssen – und wollte ihre Vorschläge lediglich als eine Art Gedankenexperiment verstanden wissen.

Doch auch Danyal Bayaz (Grüne) stellte die Rente mit 63 in Zuge der Haushaltsblockade auf den Prüfstand. In den vergangenen Jahren sei vereinfacht gesagt „viel Geld auf alle Probleme geschüttet“ worden, erklärte Bayaz der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dadurch sei der Eindruck erweckt worden, wenn eine Krise komme, „muss der Staat alles kompensieren“. Dieses Versprechen könne die Politik jedoch nicht einhalten. Soziale Projekte wie die Rente mit 63 oder die Mütterrente „sollten nicht in Stein gemeißelt sein“, so der Finanzminister von Baden-Württemberg. Es müsse die Frage gestellt werden, ob dies noch in die Zeit passe, sagte er demnach.

Politiker und Lobbyisten sprechen sich gegen Rente mit 63 aus

Bereits im Frühjahr hatte zudem Jens Spahn (CDU), stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Union, ein sofortiges Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Arbeitsjahren gefordert. „Die ‚Rente mit 63‘ kostet Wohlstand, belastet künftige Generationen und setzt die falschen Anreize“, erklärte Spahn damals der Bild am Sonntag. Auch der Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger setzt sich schon seit langem für eine Abkehr von der „Rente mit 63“ ein, wie Merkur.de berichtet.

Abzüge bei der Rente

„Sie können die Altersrente auch ab 63 Jahren vorzeitig in Anspruch nehmen, allerdings mit einem Abzug von bis zu 14,4 Prozent. Für jeden Monat, den Sie vorzeitig in Rente gehen, werden Ihnen 0,3 Prozent von Ihrer Rente abgezogen“, erklärt die Deutsche Rentenversicherung. Ein solcher Abschlag bleibt dauerhaft bestehen.

Bundeskanzler Scholz will Renteneintrittsalter nicht anheben

Um den Folgen des demografischen Wandels entgegenzuwirken, werden immer wieder Stimmen aus Politik und Wirtschaft lauter, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Die sogenannte Rente mit 63 wäre aus Sicht vieler Experten kontraproduktiv – da wichtige Fachkräfte zu früh den Arbeitsmarkt verlassen würden. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP ist davon aber eigentlich nicht die Rede. Darin heißt es unter anderem: „Es wird keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben.“ Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters schloss Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zudem unlängst aus.

Die Rente mit 63 scheint also nicht wirklich in Gefahr zu sein, auch dürfte das Renteneintrittsalter nicht noch über die aktuellen 67 Jahre hinausgehen. Wer vorher schon abschlagsfrei in Rente gehen möchte, sollte aber trotzdem ein paar Tipps und Tricks für den vorzeitigen Renteneintritt beherzigen – auch der Kauf von Rentenpunkten kann eine Option ein.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Wolfgang Maria Weber

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