Beiträge steigen

Neues Renten-Gesetz: Arbeitnehmer ab 2028 mit weniger netto vom brutto

Die Bundesregierung plant ein neues Rentenpaket. Ziel ist ein stabiles Rentenniveau. Das Gesetz hat Auswirkungen auf Arbeitnehmer, denn die Beiträge steigen.

Hamm - „Die Beschäftigten von heute brauchen auch morgen eine stabile Rente“, schreibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zum neuen Rentenpaket, das jüngst von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) vorgestellt wurde. Im Kern geht es darum, das Rentenniveau zu stabilisieren. Für die Pläne benötigt die Rentenversicherung künftig aber mehr Geld. Und da kommen die Arbeitnehmer ins Spiel.

Rentenpaket hat Auswirkungen auf Arbeitnehmer: Ab 2028 weniger netto vom brutto

Seit 2018 liegen die Rentenbeiträge bei 18,6 Prozent. Dieser Satz soll laut Bundesministerium „nach den aktuellen Vorausberechnungen bis zum Jahr 2027 stabil bleiben“. Die Pläne zum neuen Rentenpaket sehen jedoch vor, dass die Beiträge danach steigen werden. Denn um das Rentenniveau langfristig zu stabilisieren, braucht die Rentenversicherung mehr Geld.

Das neue Rentenpaket sieht vor, dass die Rentenbeiträge ab 2028 steigen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales geht ab 2028 zunächst von einem Anstieg auf 20 Prozent aus. Ab dem Jahr 2035 soll der Satz dann auf 22,3 Prozent ansteigen und für die darauffolgenden zehn Jahre stabil bleiben.

Weniger netto vom brutto: Rentenbeiträge steigen ab 2028

Das bedeutet für Arbeitnehmer konkret: weniger netto vom brutto ab dem Jahr 2028. Die Frankfurter Rundschau hat beispielhaft ausgerechnet, wie sich die Erhöhung auf den Einzelnen auswirken kann:

BruttolohnRentenbeitrag bei 18,6 ProzentRentenbeitrag bei 20 ProzentRentenbeitrag bei 22,3 Prozent
2000 Euro186,00 Euro/Monat200 Euro/Monat223 Euro/Monat
3000 Euro279,00 Euro/Monat300 Euro/Monat334,50 Euro/Monat
3500 Euro325,50 Euro/Monat350 Euro/Monat390,25 Euro/Monat
4000 Euro372,00 Euro/Monat400 Euro/Monat446 Euro/Monat
4500 Euro418,50 Euro/Monat450 Euro/Monat501,75 Euro/Monat
5000 Euro465,00 Euro/Monat500 Euro/Monat557,50 Euro/Monat

*Hinweis: Die Hälfte des Rentenbeitrags übernimmt der Arbeitgeber. In der Tabelle wird nur der Anteil des Arbeitnehmers aufgezeigt.

Neues Rentenpaket soll Rentenniveau stabilisieren – was bedeutet das?

Kernziel des neuen Rentenpakets ist es, das Rentenniveau zu stabilisieren – was bedeutet das konkret? „Gerade diejenigen, die heute arbeiten, profitieren davon, dass wir den Generationenvertrag erneuern. Denn wenn wir jetzt nicht handeln, werden sie zukünftig geringere Renten bekommen“, erklärt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Es geht also darum, dass die Renten künftig stabil bleiben. Mit dem Rentenniveau wird ausgedrückt, wie sich die Renten im Verhältnis zu den Löhnen entwickeln. Sinkt das Rentenniveau, werden die Rentner von der Lohnentwicklung abgekoppelt. Sie werden im Verhältnis zur arbeitenden Bevölkerung ärmer. Bei der Rechnung, wie viel Rente im Alter benötigt wird, hilft eine Faustregel.

Ohne das neue Rentenpaket, erklärt das Bundesministerium, würde das Rentenniveau schon bald unter 48 Prozent und längerfristig sogar unter 45 Prozent sinken. Jüngere Arbeitnehmer würden also für ihre Beiträge später weniger Rente bekommen. Das findet die Bundesregierung unfair und möchte das Niveau stabilisieren. Es soll eine sogenannte „Niveauschutzklausel“ geben, die gesetzlich verankert wird.

„Niveauschutzklausel“ und „Generationenkapital“ – das steckt dahinter

„In den Jahren, in denen die Niveauschutzklausel greift, wird der aktuelle Rentenwert jeweils so festgelegt, dass das Rentenniveau den Wert von 48 Prozent erreicht“, heißt es weiter. Die Renten bleiben also an die Lohnentwicklung gekoppelt. Eine einfache Formel hilft dabei, zu berechnen, wie viel Rente man künftig erhält.

Damit bei dem Vorhaben zur Rentenstabilisierung der Beitragssatz nicht bis ins Unermessliche ansteigt, will die Ampel-Koalition durch eine zusätzliche Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2023 die Beitragszahler entlasten und den Satz zwischen 2035 und 2045 stabil bei 22,3 Prozent halten. Dazu wird ein sogenanntes Generationenkapital eingeführt.

Die Top 10 der besten Länder für die Rente im Ausland

Der Sandstrand in San Andres (Kolumbien).
Blick auf die Insel Kho Mak in Thailand
Der Hafen von Portofino, Genua in Italien
Étretat in der Normandie (Frankreich)
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Generationenkapital: 10 Milliarden Euro pro Jahr für die Rentenkasse

Dabei wird mit Darlehen aus dem Bundeshaushalt und der Übertragung von Eigenmitteln vom Bund ein dauerhaft bestehender Kapitalstock aufgebaut. „Es werden keine Beitragsmittel in diesen Kapitalstock fließen“, stellt das Bundesministerium klar. Die zusätzliche Finanzierung durch die Stiftung Generationenkapital soll eine Entlastung des Beitragssatzes durch Ausschüttungen von durchschnittlich 10 Milliarden Euro pro Jahr ermöglichen.

Die Deutsche Rentenversicherung begrüßt zwar „das klare Bekenntnis der Bundesregierung zur ersten Säule der Alterssicherung“, stellt aber auch klar: „Ob mit dem Generationenkapital der Beitragssatz wie geplant stabilisiert werden kann, hängt davon ab, ob die Erwartungen im Hinblick auf die Kapitalerträge erfüllt werden.“ Sollten die geplanten Zahlungen an die Rentenversicherung aus den Kapitalerträgen ab 2036 nicht geleistet werden können, müssten die Beitragszahlenden dies zusätzlich ausgleichen.

Schon bald haben die gut 22 Millionen Betroffenen in Deutschland Gewissheit: Im Frühjahr wird bekannt gegeben, wie hoch die Rentenerhöhung 2024 ausfallen wird. „Hausherr“ und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kann zwar noch keine Zahlen nennen. Er rechnet jedoch damit, dass die Rentenerhöhung zum 1. Juli oberhalb der Inflationsrate liegen wird.

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa

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