Reformpläne

Neues Rentenpaket II: Was auf Rentner und Beitragszahler zukommt

Das Rentenpaket II wird für Änderungen bei der Altersvorsorge in Deutschland sorgen. Was das für Beitragszahler und Rentner bedeutet.

Hamm - „Die Rente ist sicher“. Mit diesem Satz aus dem Jahr 1986 hat es der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) in die Geschichtsbücher geschafft. Doch seit langem schon knirscht es gewaltig im System. Damit das Rentenniveau gehalten werden kann, muss der Staat immer mehr Geld zuschießen. Jetzt will die Regierung mit einem neuem Rentenpaket II gegensteuern. Was es damit auf sich hat und was es für Beitragszahler und Rentner, die im März 2024 so früh Geld erhalten wie seit vielen Jahren nicht, bedeutet.

Neues Rentenpaket II: Was jetzt auf Rentner und Beitragszahler zukommt

Das gesetzliche Rentensystem in Deutschland funktioniert ganz vereinfacht so: Der Staat nimmt über die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung Geld ein, das er direkt an die aktuellen Rentner auszahlt. Arbeitnehmer, die heute einzahlen, dürfen sich darauf verlassen, dass nachrückende Generationen dafür ihnen später die Rente finanzieren – daher der Begriff Generationenvertrag.

Allerdings läuft das System aus dem Ruder. Auf einen Altersrentner kommen statistisch gesehen nur noch zwei Beitragszahler. Damit das System nicht kollabiert, schießt der Staat viel Steuergeld zu, das dann an anderen Stellen fehlt. Im Jahr 2022 waren es gut 100 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Bald werden geburtenstarke Jahrgänge in Ruhestand gehen. Sie fehlen dann als Einzahler und kommen als Empfänger oben drauf.

Neues Rentenpaket II: Staat investiert Steuergeld auf dem Kapitalmarkt

Das Rentenpaket II soll es möglich machen, die Renten trotz Überalterung der Gesellschaft stabil zu halten, gleichzeitig den Bundeshaushalt zu entlasten und den Anstieg der Rentenbeiträge zu bremsen. Dieses Wunder geschieht, indem der Staat Jahr für Jahr Geld auf dem Wertpapiermarkt investiert – bis Mitte der 2030er Jahre sollen es gut 200 Milliarden Euro sein – und die Gewinne ab dann in die Renten steckt.

Die Einführung dieses Aktienkapitals als neue Finanzquelle für die gesetzliche Rentenversicherung ist die große Neuerung des Rentenpakets. Norwegen und Schweden haben bereits vor Jahren begonnen, in den Aktienmarkt zu investieren.

Ende März soll Gewissheit darüber herrschen, wie stark die Rente ab dem 1. Juli steigt. Nach aktuellen Prognosen wird die Rentenerhöhung voraussichtlich 3,5 Prozent betragen. Wenn es nach einem Experten geht, gibt es gar keine. Er fordert eine Nullrunde 2024 bei den Renten.

Neues Rentenpaket II: Was das für die Beitragszahler bedeutet

Beim großen Rentenpaket II sind Rentnerinnen und Rentner nur auf der Rückbank. Sie können und müssen nichts tun. Es fährt der Staat, auf dem Beifahrersitz neben sich die Beitragszahler. Für sie wird es in Zukunft wohl teurer. Die Bundesregierung rechnet damit, dass der Rentenbeitrag – trotz des neuen Generationenkapitals – von aktuell 18,6 Prozent in den kommenden Jahren auf 22,3 Prozent ansteigt. 

Kurzfristig wird das Rentenpaket II erst einmal keine Auswirkungen auf den Rentenbeitrag haben, da die neuen Regelungen erst die Zeit nach 2025 betreffen. Allerdings ist auch bei den aktuellen Vorgaben noch Luft nach oben: Gesetzlich möglich wäre bis zum nächsten Jahr ein Anstieg auf bis zu 20 Prozent des Bruttolohns.

Finanzminister Christian Lindner (l) und Arbeitsminister Hubertus Heil stellen ihr Renten-Reformpaket in Berlin vor.

Neues Rentenpaket II: Was es für das Rentenniveau bedeutet

Das Rentenpaket soll das Rentenniveau – aktuell rund 48,2 Prozent – stabil halten. Das Rentenniveau sagt aus, wie viel Prozent des aktuellen Durchschnittslohns jemand als Rente erhält, der exakt 45 Jahre lang immer zum Durchschnittslohn gearbeitet und Beiträge gezahlt hat. Ohne die Reform würde sich dieses Niveau bald von der Lohnentwicklung abkoppeln. Heißt: Rentnerinnen und Rentner würden im Vergleich zur arbeitenden Bevölkerung ärmer. „Das werden wir mit der Sicherung des Rentenniveaus verhindern“, sagte Arbeitsminister Hubert Heil (SPD), der eine deutliche Rentenerhöhung 2024 prognostiziert.

Heil versprach bei der Vorstellung des Rentenpakets II: „Es wird keine Rentenkürzung geben und auch keine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters.“ Vielleicht schafft es auch dieser Spruch in die Geschichtsbücher.

Eine bestimmte Personengruppe kann sich 2024 freuen: Sie bekommt einen satten Zuschlag auf ihre Renten in Höhe von 7,5 Prozent. Rund um das Thema Rente ranken sich viele Missverständnisse und Irrtümer - die Mythen im Check.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Maria Weber/Imago

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