Tarifstreit

EVG geht in die Schlichtung - unbefristeter Bahnstreik nicht ausgeschlossen

Ein neuer Warnstreik ist bei der Bahn erst einmal vom Tisch, EVG und Deutsche Bahn gehen in die Schlichtung. Die Gewerkschaft hält aber an der Urabstimmung fest.

Update vom 29. Juni, 15.20 Uhr: Es wird vorerst keine neuen Warnstreiks geben - vorerst. Die Bahngewerkschaft EVG will im Tarifstreit Schlichtungsgespräche mit der Deutschen Bahn aufnehmen. Bis dahin wird sie auf Warnstreiks verzichten. An der Urabstimmung hält die Gewerkschaft aber fest. Die Mitglieder würden dann über das Ergebnis der Schlichtung und damit auch über die Möglichkeit unbefristeter Arbeitskämpfe abstimmen. „Überzeugt das Ergebnis nicht, werden unbefristete Streiks die Folge sein“, sagte EVG-Verhandlungsführer Kristian Loroch.

GewerkschaftEisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft
AbkürzungEVG
Gründung2010, Fulda

Warnstreik abgewendet: EVG und Deutsche Bahn gehen in die Schlichtung

[Erstmeldung vom 29. Juni, 11.55 Uhr] Hamm - Deutschland droht neues Bahn-Chaos - und das mitten zur Hauptreisezeit: Die Gewerkschaft EVG lässt aktuell ihre Mitglieder in einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik abstimmen, doch bis Ende Juli das Ergebnis vorliegt, drohen im Tarifstreit mit der Bahn AG neue Warnstreiks in den Sommerferien. Medienberichten zufolge will die EVG schon am Dienstag, 4. Juli, bundesweit den Schienenverkehr für 24 Stunden lahmlegen. Dann würde kein ICE, kein IC, keine Regionalbahn und kein Güterzug fahren.

Die seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen spitzen sich immer weiter zu. Ausgerechnet im Sommer, wenn viele Menschen mit dem Zug in den Urlaub reisen wollen, könnte die Lage eskalieren. Am Donnerstag, 29. Juni, setzt sich die EVG-Spitze zusammen und will „neue Streikziele“ beschließen, wie es heißt. Pendler und Bahnreisende erwarten das Schlimmste.

Reise-Chaos im Sommer: EVG entscheidet über Warnstreik bei der Bahn

Ein Warnstreik am 4. Juli würde Pendler in ganz Deutschland treffen und Urlauber besonders in Nordrhein-Westfalen, denn nur dort haben die Sommerferien bereits begonnen. Am 6. Juli starten Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in die großen Schulferien.

Möglicherweise müssen die Reisepläne vieler Deutscher aber doch nicht umgekrempelt werden. Kurz vor der entscheidenden EVG-Sitzung schlug die Deutsche Bahn eine Schlichtung im Tarifkonflikt vor. EVG-Chef Martin Burkert hatte sich zuletzt offen dafür gezeigt. Willigt die Gewerkschaft ein, externe Vermittler einzuschalten, wären Warnstreiks vom Tisch, denn während einer Schlichtung gilt die Friedenspflicht. Die Bahn würde so Zeit gewinnen. Schlichter müssten erst benannt werden und sich dann in die komplexe Materie einarbeiten.

Tarifstreit: Unbefristeter Streik schlecht für Bahn und ihre Kunden

Die EVG ist in den seit Februar 2023 laufenden Tarifverhandlungen nicht zimperlich, wie sie Mitte Mai bewiesen hat. Sie hatte für den 14. bis 16. Mai zu einem bundesweiten, 50 Stunden dauernden Warnstreik aufgerufen, der erst im letzten Moment durch einen Vergleich Bahn und Gewerkschaft abgewendet wurde. „Wir könnten die Bahn wochenlang lahmlegen“, hatte EVG-Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay schon Ende April gedroht. Als Mitte Juni die jüngste Verhandlungsrunde begann, gab es Signale der Hoffnung für die Bahnkunden. Doch dann erklärte die EVG die Verhandlungen für gescheitert.

Die Deutsche Bahn steckt in der Zwickmühle: Einerseits will sie nicht die aus ihrer Sicht überzogenen Forderungen der EVG erfüllen, andererseits hat sie Angst vor kurz- und mittelfristigen Folgen des Arbeitskampfes. Die Aussicht auf einen unbefristeten Streik hat nach einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur schon jetzt Auswirkungen auf die Reisepläne vieler Deutscher. Von denen, die damit rechnen, von einem längeren Streik im August betroffen zu sein, will demnach jeder Zehnte auf seine Reise verzichten, etwa jeder Achte die Fahrt verschieben. Knapp jeder Dritte will auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Ebenfalls jeder Dritte ändert seine Reisepläne jetzt noch nicht.

Fahrgastvertreter befürchten, dass ein längerer Streik dauerhafte Folgen für die Bahn haben könnte. „Wenn es zum unbefristeten Streik kommt, wird es zu massiven Kündigungen beim Deutschlandticket kommen“, warnte der Bundesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Detlef Neuß. Für die Mobilitätswende weg vom Auto zur Bahn sei das kontraproduktiv. Wer im Auto sitze, werde sich bestätigt fühlen, sagte Neuß. (sst/dpa)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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