EVG und Bahn AG
EVG macht Urabstimmung: Unbefristeter Bahn-Streik in den Sommerferien?
Die Zeichen stehen auf Eskalation, es könnte schon bald losgehen. Die Gewerkschaft EVG will ihre Mitglieder über einen unbefristeten Bahn-Streik abstimmen lassen.
Update vom 22. Juni, 14 Uhr: Das Horror-Szenario für viele Bahnreisende und Pendler rückt näher. Die Gewerkschaft EVG will ihre Mitglieder per Urabstimmung über unbefristete Streiks bei der Bahn abstimmen zu lassen. Mindestens 75 Prozent der 110.000 EVG-Mitglieder müssen ihre Stimme abgeben und davon 75 Prozent den Streik votieren. Die Urabstimmung werde vier bis fünf Wochen in Anspruch nehmen, sagte EVG-Chef Martin Burkert. „Bis dahin sind auch Warnstreiks weiterhin nicht ausgeschlossen.“
| Gewerkschaft | Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft |
| Abkürzung | EVG |
| Gründung | 2010, Fulda |
Die Deutsche Bahn hat die Gewerkschaftspläne als „absolut unnötig“ kritisiert. „Die EVG will jetzt Millionen Menschen die Sommerferien vermiesen. Das braucht und will niemand“, teilte der Konzern mit. Es sei ein Unding, „die Reisenden ständig mit Streikdrohungen zu verunsichern“.
Unbefristeter Bahn-Streik: EVG geht in die Urabstimmung und droht Warnstreiks an
[Erstmeldung] Hamm - Sie haben die Weiche nicht umgestellt bekommen: Die Bahn rast mit Millionen Reisenden und Pendlern auf den nächsten Streik zu. Die Bahngewerkschaft EVG hat am Mittwochabend (21. Juni) die Tarifverhandlungen mit der Bahn AG für gescheitert erklärt. Die Gründe: Lohnerhöhung zu gering, Laufzeit zu lang. Jetzt droht die nächste Eskalation im Arbeitskampf. Und die könnte es in sich haben.
Unbefristeter Bahn-Streik in den Sommerferien? Tarifverhandlungen gescheitert
In Nordrhein-Westfalen haben die Sommerferien gerade begonnen, andere Bundesländer folgen - ein massiver, womöglich unbefristeter Streik könnte die Urlaubspläne vieler Menschen in Deutschland durchkreuzen. Ob und wann es dazu kommt, ist Gegenstand der Beratungen des EVG-Bundesvorstands am Donnerstagvormittag. Er muss nun entscheiden: mit einem Schlichter einen Kompromiss finden - oder den Verkehr tagelang lahmlegen. Für 14 Uhr ist eine Pressekonferenz angekündigt.
Es dürfte bei der EVG nicht nur um eine mögliche Urabstimmung über unbefristete Streiks oder ein Schlichtungsverfahren gehen. Möglich ist auch, dass EVG-Chef Martin Burkert die Verhandlungen an sich zieht, um dann mit den Vertretern der DB eine Lösung zu finden.
Die Deutsche Bahn zeigte sich vom Vorgehen der Gewerkschaft entsetzt, auch das ist Teil des Spiels. „Die EVG wirft einen fast fertigen Abschluss weg und setzt kurz vor dem Ziel alles auf Null“, wird Bahn-Personalvorstand Martin Seiler in einer Mitteilung zitiert. „Eine Einigung war zum Greifen nah, 140 Seiten Tariftext sind bereits fertig. Was jetzt passiert, ist unglaublich.“
Optionen der Gewerkschaft EVG: Streik, Schlichtung, weitere Verhandlungen
Die EVG ist in den seit Februar 2023 laufenden Tarifverhandlungen nicht zimperlich, wie sie Mitte Mai bewiesen hat. Sie hatte für den 14. bis 16. Mai zu einem bundesweiten, 50 Stunden dauernden Warnstreik aufgerufen, der erst im letzten Moment durch einen Vergleich Bahn und Gewerkschaft abgewendet wurde. „Wir könnten die Bahn wochenlang lahmlegen“, hatte EVG-Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay schon Ende April gedroht. Als Mitte Juni die jüngste Verhandlungsrunde begann, gab es Signale der Hoffnung die Bahnkunden. Jetzt stehen sie offenbar auf rot.
Durch die Entscheidung von Mittwochabend befindet sich die EVG in einer für sie ungewohnten Situation. Eine Urabstimmung über unbefristete Streiks gab es bei Gewerkschaft seit vielen Jahren nicht mehr, zudem müssen viele Interessen unterschiedlichster Berufsgruppen bei der Bahn berücksichtigt werden.
Streik bei der Bahn könnte in die Sommerferien fallen
Sollte sich die EVG für eine Urabstimmung und unbefristete Streiks bei der Deutschen Bahn entscheiden, drohen Arbeitsniederlegungen mit unzähligen Zugausfällen mitten in den Sommerferien. Eine Urabstimmung würde zwar einige Zeit in Anspruch nehmen, die Ferienzeit wäre nach Ansicht von Experten aber nicht gesichert. Auch Warnstreiks parallel zur Urabstimmung, sozusagen ein Vorgeschmack für den Arbeitgeber auf das, was drohen könnte, sind nicht ausgeschlossen.
Die EVG ging mit dem Ziel einer Festbetragserhöhung von mindestens 650 Euro im Monat oder zwölf Prozent bei den oberen Lohngruppen in die Gespräche. Die Laufzeit sollte nach ihren Vorstellungen ein Jahr betragen. Die Bahn hat nach eigenen Angaben zuletzt einen hohen Festbetrag, 2850 Euro Inflationsausgleichsprämie und weitreichende strukturelle Verbesserungen bei 27 Monaten Laufzeit des Tarifvertrags in Aussicht gestellt.
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