Gelsenkirchen
Kriminelle Kinder terrorisieren die Stadt – aber ein Vater wehrt sich
Die Täter sind oft noch Kinder. In Gelsenkirchen kommt es immer häufiger zu Jugendkriminalität. Jetzt stellten sich Vater und Sohn den jungen Tätern entgegen.
Gelsenkirchen – Kaum eine Woche vergeht, in der es in Gelsenkirchen nicht zu Jugendkriminalität kommt. Immer wieder und immer öfter terrorisieren Kinder und Jugendliche die Stadt. Das Phänomen der kriminellen Minderjährigen beschäftigte jüngst gar den Landtag von NRW. Mehrere Polizei-Meldungen allein vom Mittwoch (26. April) stehen exemplarisch für die Vorfälle. Gleich dreimal innerhalb weniger Stunden gerieten dort Kinder in den Fokus der Polizei, meist sind auch die Opfer noch Kinder. Ein Familienvater und sein Sohn wehrten sich.
Gelsenkirchen: 13-Jähriger von Jugendlichen überfallen
Der erste Vorfall: Gegen 10:30 Uhr wird ein 13 Jahre alter Junge auf dem Gelände der Gesamtschule in Buer von einem 15-Jährigen und zwei weiteren Jugendlichen festgehalten und nach Bargeld gefragt. „Nachdem der Schüler ihnen kein Geld geben konnte, soll der 15-Jährige den Gelsenkirchener mehrmals geschlagen haben“, so die Polizei Gelsenkirchen. Erst als weitere Schüler hinzukamen, ließ das Trio von dem Teenager ab. Die eigens zur Bekämpfung der Jugendkriminalität eingerichtete Ermittlungskommission König nahm den Täter fest. Er sitzt nun in U-Haft.
Jugendkriminalität: Jugendlicher will in Gelsenkirchen mit Polizisten kämpfen
Wenige Stunden später der nächste Fall – erneut wird ein 15-Jähriger straffällig. Gegen 13:25 Uhr störte der 15-Jährige eine polizeiliche Maßnahme an der Hohenzollernbrücke im Stadtteil Bulmke-Hüllen. Dabei beleidigte und bedrohte der Jugendliche zwei gerade mal zwölf Jahre alte Zeugen des ursprünglichen Vorfalls. Die Polizistinnen und Polizisten forderten den Teenager auf, die Örtlichkeit zu verlassen – ohne Erfolg.
„Als er sich schließlich nach wildem Gestikulieren und Schreierei kampfbereit vor den Einsatzkräften aufbaute und auch diese beleidigte, wollten die Beamten dem Jugendlichen Handschellen anlegen, um ihn zur Polizeiwache zu bringen“, sagte die Polizei. Doch der Widerstand des 15-Jährigen hörte nicht auf. Auch während der Fahrt zur Polizeiwache ließ sich der Junge nicht beruhigen und beleidigte die Beamten weiter: „Die Polizisten übergaben den Gelsenkirchener schließlich an seine Erziehungsberechtigten und leiteten ein Strafverfahren ein“, so die Polizei.
Gelsenkirchen: 14-Jährige wollen Jugendlichen berauben – dann greift sein Vater ein
Bei einem dritten Vorfall hatte ein Familienvater schließlich genug. Doch was war passiert? Ein 17-Jähriger aus Gelsenkirchen soll in Gelsenkirchen-Buer Opfer einer räuberischen Erpressung geworden sein – die mutmaßlichen Täter: zwei 14-Jährige. Die zwei sprachen den Jugendlichen an und drohten ihm Schläge an, sollte er ihnen nicht sein mitgeführtes Geld geben. Geistesgegenwärtig rief der 17-Jährige einen zufällig anwesenden Passanten zur Hilfe. Die Täter flüchteten. Doch der Vater wollte den Vorfall nicht einfach so stehen lassen. Er ging mit seinem Sohn auf die Suche nach den beiden Teenagern.
„In der Parkanlage Schloss Berge machten sie dann die beiden 14-Jährigen ausfindig und hielten sie bis zum Eintreffen von dazu gerufenen Polizeibeamten fest“, teilte die Polizei mit. Die Polizistinnen und Polizisten stellten die Personalien der Minderjährigen fest und übergab sie an ihre Erziehungsberechtigten. Nun erwartet die beiden eine Anzeige wegen räuberischer Erpressung.
Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen
Seit Monaten kommt es immer wieder zu Straftaten von Minderjährigen. Insgesamt gab es seit September 2022 in Gelsenkirchen ganze 165 Straftaten von Kindern und Jugendlichen.
Das Phänomen ist in mehreren Städten von NRW zu beobachten. So kam es in den vergangenen Wochen auch in Oberhausen mehrfach zu Straftaten von Minderjährigen. Auch im Centro Oberhausen randalierten Jugendlicher immer wieder. Und in Hamm sorgten zuletzt rund zwei Dutzend Krawall-Kinder für Unruhe.
Dass es in vielen Städten immer häufiger zu solch besorgniserregenden Straftaten kommt, zeigen auch die Zahlen, die die Landesregierung vor kurzem veröffentlichte. Demnach war jeder fünfte Tatverdächtige im vergangenen Jahr jünger als 21. Die Anzahl der Tatverdächtigen unter 14 Jahren ist seit 2015 um mehr als 50 Prozent angestiegen. (mg)
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