Gelsenkirchen
Kriminelle Kinder terrorisieren die Stadt: Was macht die Polizei?
Seit Monaten häufen sich Meldungen von gewalttätigen Übergriffen durch Kinder und Jugendliche in Gelsenkirchen. Was unternimmt die Polizei dagegen?
Gelsenkirchen – Der Trend hält schon länger hält der Trend in Gelsenkirchen an: Immer wieder und immer öfter begehen Kinder und Jugendliche Straftaten. Es kommt zu Erpressungen, Raub und Körperverletzung. Besonders erschreckend ist dabei das Alter der Täter: Nicht selten sind sie unter 14 Jahre alt. Auch bei den Raubzügen an der Evangelischen Gesamtschule in Gelsenkirchen-Bismarck waren die Täter noch Kinder. Das Phänomen ist derart besorgniserregend, dass zuletzt auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen Thema wurde. Was macht die Polizei dagegen?
Jugendkriminalität in Gelsenkirchen: 92 Tatverdächtige ermittelt
Um des Problems Herr zu werden, haben die Polizistinnen und Polizisten aus Gelsenkirchen bereits im September 2022 die Ermittlungskommission König ins Leben gerufen. Und die Ermittlungen brachten einiges ans Licht: Ganze 165 Straftaten wurden seitdem erfasst. „Davon konnten 107 Taten geklärt und 92 Tatverdächtige ermittelt werden“, wie Polizeisprecherin Merle Mokwa im Gespräch mit wa.de sagte. Die meisten Vorfälle gab es dabei im Zeitraum von September bis November vergangenen Jahres sowie im Januar 2023.
Der überwiegende Teil der Tatverdächtigen ist zwischen 14 und 18 Jahren alt. In 17 Fällen stehen auch Kinder unter 14 Jahren mindestens im Verdacht, an den Raubzügen und Gewalttaten beteiligt gewesen zu sein. Zum Vergleich: Junge Erwachsene im Alter von 18 bis 21 Jahren haben nur drei der 165 Taten begangen, wie die Sprecherin schildert. Die Täterschaft stelle sich dabei als eine heterogene Gruppe dar, wie Mokwa sagte: „Die Gruppe hat keine Bandenstruktur mit einem oder mehreren Rädelsführern“.
Nach Raubzügen in Gelsenkirchen: Teenager zwischen 14 und 17 Jahren in U-Haft
Acht männliche Teenager im Alter zwischen 14 und 17 Jahren mussten nach ihren Verfehlungen bereits in Untersuchungshaft. Das könnte eine abschreckende Wirkung gehabt haben, wie aus den Schilderungen von Mowka hervorgeht: Nach der Vollstreckung der Haftbefehle im Februar sei „ein deutlicher Rückgang an Taten erkennbar“.
Wichtig sei der pädagogische Aspekt: „Wenn Kinder und Jugendliche Straftaten begehen, sollen der erzieherische Effekt in den Vordergrund gestellt und die Gründe für ein solches Verhalten herausgearbeitet werden“, so Mokwa.
Landesregierung zahlt über eine Million Euro für Sozialarbeit an Gelsenkirchener Schulen
Die Problematik strahlt dabei über die Grenzen von Gelsenkirchen hinaus. Auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen beschäftigt man sich mit den Raubzügen in Gelsenkirchen. So geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der SPD hervor, dass das Land seit vergangenem Jahr unter anderem durch das Programm „Förderung von Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen“ Schulen unterstützen will. Über 50 Millionen stehen landesweit insgesamt dafür zur Verfügung – 2022 gingen davon 1,3 Millionen Euro allein an die Stadt Gelsenkirchen.
Jugendkriminalität in NRW stark gestiegen: Besonders bei Mädchen
Das Problem von gewalttätigen Kindern und Jugendlichen ist ein landesweites. Das geht auch aus den Zahlen hervor, die die Landesregierung vor wenigen Wochen veröffentlichte. Jeder fünfte Tatverdächtige war im vergangenen Jahr jünger als 21. Seit 2015 ist die Anzahl der Tatverdächtigen unter 14 Jahren zudem um mehr als 50 Prozent angestiegen. Auffällig: Besonders Mädchen wurden demnach immer häufiger kriminell. Auch in Hamm sorgten zwischen 20 und 30 Krawall-Kinder zuletzt für Aufsehen.
Erklärungen für den Trend gibt es bislang nur in Ansätzen. NRW-Innenminister Herbert Reul mutmaßte jüngst, dass die Erfahrungen aus der Corona-Zeit mit der hohen Jugendkriminalität zu tun haben könnten. Im Gespräch mit wa.de stützte ein Kinderpsychotherapeut diese These: Corona habe viele Kinder aggressiver gemacht. (mg)
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