Zahlungsverhalten im Wandel
Bargeld abschaffen und nur noch mit Karte zahlen? Alle machen diesen Ekel-Fehler
Kontaktloses Bezahlen bietet Vorteile. Sollte man daher Bargeld abschaffen? Ein Hygiene-Experte verrät seine Meinung dazu und welchen Fehler wohl jeder macht.
Dortmund – Die besondere Beziehung der Deutschen zum Bargeld hat tiefe kulturelle und psychologische Wurzeln. Diese Vorliebe speist sich aus verschiedenen Quellen: Zum einen fürchten viele Deutsche, das zeigt die Erfahrung zahlreicher Einzelhändler, einen Kontrollverlust bei bargeldlosen Bezahlmethoden. Viele, gerade ältere Menschen, halten Bargeld grundsätzlich für sicherer als Kartenzahlung – zumindest mit Blick auf den Datenschutz. Hinzu kommt die Sorge um die finanzielle Übersicht – viele Verbraucher nutzen Bargeld als psychologisches Limit und befürchten, bei digitalen Zahlungen den Überblick über ihre Ausgaben zu verlieren. Doch wie verhält es sich mit Krankheitserregern – macht Bargeld krank?
Es liegt ja wortwörtlich auf der Hand: Die Kartenzahlung bietet klare hygienische Vorteile, insbesondere bei kontaktlosen Verfahren. Hygiene-Experte Dr. med. Frank Hünger, Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Klinische Mikrobiologie am Klinikum Dortmund, macht im Gespräch mit wa.de allerdings auch direkt eine Einschränkung. Es gibt nämlich einen Fehler, den alle schon mal gemacht haben: „Also die Karte wäre ja, wenn Sie sie dem Gegenüber in die Hand geben, genauso kontaminiert wie das Bargeld, wenn er Sie anfasst.“ Er sagt aber auch: „Wenn Sie alles selber machen und die Karte nur auf das Display legen, ist der Vorgang hygienischer.“
Bargeld und Keime: Hygiene-Fachmann gibt Entwarnung
Während bei der Bargeldnutzung direkter Kontakt mit potenziell kontaminierten Oberflächen unvermeidbar ist, reduziert kontaktloses Bezahlen per NFC-Technologie den physischen Kontakt auf ein Minimum. Dies gilt allerdings nur, solange keine PIN-Eingabe am Terminal erforderlich ist – sobald das Tastenfeld berührt wird, ist die hygienische Überlegenheit der Kartenzahlung hinfällig, da diese Oberflächen ebenfalls von vielen Personen genutzt werden. Mobile Payment-Lösungen wie Apple Pay oder Google Pay bieten hier den größten hygienischen Vorteil, da ausschließlich das eigene Smartphone oder die eigene Smartwatch verwendet werden.
Aus gesundheitlicher Sicht ist eine pauschale Empfehlung für die Kartenzahlung nicht zwingend erforderlich. „Grundsätzlich ist es so: Wir leben halt nicht in einer sterilen Welt – und wir sollten es da auch nicht übertreiben“, sagt Dr. Hünger. Entscheidend sind vielmehr die grundlegenden Hygienemaßnahmen: regelmäßiges und gründliches Händewaschen, besonders nach dem Umgang mit Bargeld und vor dem Essen, minimiert das Infektionsrisiko erheblich.
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Die Corona-Pandemie hat jedoch das Bewusstsein für Hygiene beim Bezahlen geschärft – laut einer damaligen Bundesbank-Umfrage gaben 25 Prozent der Befragten an, ihr Zahlungsverhalten aus Hygienegründen geändert zu haben. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte kontaktlose Zahlungsmethoden bevorzugen, da diese sowohl hygienische als auch praktische Vorteile bieten, ohne dass ein erhebliches Gesundheitsrisiko durch Bargeld wissenschaftlich belegt wäre.
„Und wenn man da wirklich die Befürchtung hat, dann würde ich immer vorschlagen – so wie es sich ja in der Covid-Pandemie etabliert hat – sich ein Desinfektionsmittelfläschchen einzupacken“, empfiehlt Hygiene-Experte Dr. Hünger und rät dazu, sich vor dem Essen oder anderen Tätigkeiten die Hände zu desinfizieren. Dann macht auch das Bargeld nicht krank.
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