Einige Gäste sind empört
Restaurant schafft Bargeldzahlung aus gutem Grund ab – und löst heftige Online-Debatte aus
Ein Dortmunder Restaurant akzeptiert nur noch Kartenzahlungen. Die Entscheidung sorgt für hitzige Diskussionen. Kunden zeigen sich verärgert über die Bargeldabschaffung.
Dortmund – Während in Skandinavien Bargeld nahezu aus dem Alltag verschwunden ist und selbst in den Niederlanden oder Großbritannien kontaktloses Bezahlen längst zur Normalität gehört, halten die Deutschen eisern an Münzen und Scheinen fest. Mehr als die Hälfte aller Transaktionen im Einzelhandel werden hierzulande noch immer bar abgewickelt – ein europäischer Spitzenwert. Die Gründe für diese Bargeld-Treue sind vielschichtig und tief in der deutschen Mentalität verwurzelt. Wer gegen Bargeld ist, kann schnell einen Shitstorm kassieren. Ein Restaurant aus Dortmund erfährt das gerade am eigenen Leib.
„Liebe Gäste“, heißt es in einem Facebook-Beitrag des Burger-Restaurants Base.Kitchen im belebten Dortmunder Kreuzviertel, „ab sofort könnt ihr bei uns nur noch mit Karte zahlen – egal ob EC, Kreditkarte oder kontaktlos.“ Das Restaurant führt direkt ein paar Vorteile für die Kunden auf: „Für euch bedeutet das: schnell, unkompliziert und ohne nach Bargeld suchen zu müssen.“ Doch der Grund, der zu dieser Entscheidung führte, ist offensichtlich ein ganz anderer.
Dortmunder Restaurant verzichtet auf Bargeld – Kritik folgt
„Die Entscheidung dazu haben wir unabhängig von Einflüssen durch die Regierung oder die EU getroffen“, erklärt das Restaurant und ergänzt: „Es handelt sich ausschließlich um eine betriebliche Maßnahme, die wir nach reiflicher Überlegung umgesetzt haben.“ Ausschlaggebend für die Entscheidung waren offenbar vermehrte Einbrüche. „Ohne Bargeld vor Ort sinkt das Risiko erheblich – für unser Team und für euch als Gäste“, schreibt das Restaurant und nennt damit also einen guten Grund. Einige Kunden laufen dennoch Sturm.
„Ich entscheide, welches gültiges Zahlungsmittel ich nutze und somit habt ihr für mich entschieden, euch nicht zu besuchen“, schreibt ein User bei Facebook. Ein anderer kommentiert unter dem Beitrag: „Schade. Damit fällt ein weiteres Restaurant für uns weg.“ Und ein weiter schreibt: „Der Weg in die Hölle ist mit Ausreden gepflastert.“ Ein weiterer Kunde sieht darin zudem einen Nachteil für die Angestellten. Er schreibt: „Das ist eine schlechte Entscheidung, meiner Meinung nach. Die Gewinner sind immer die Banken und das Finanzamt. Verlierer sind die Kellner, die dann deutlich weniger Trinkgeld bekommen.“
Das Restaurant hat mit Kritik wohl schon gerechnet und vorab bereits Argumente wie Effizienz, Sicherheit und Transparenz aufgezählt. „Uns ist bewusst, dass viele Menschen Bargeld gewohnt sind. Mit der Umstellung möchten wir Abläufe einfacher und sicherer machen – für alle“, schreibt es zudem.
Und in der Tat: Einige Gäste geben dem Restaurant auch Rückendeckung in der Kommentarspalte. „Sehr gut. Wer bezahlt im Jahr 2025 noch mit versifften bunt bedruckten Papier aus der Steinzeit. Normale Menschen bezahlen mit Uhr oder Smartphone“, kommentiert beispielsweise ein User. Ein anderer schreibt: „Ich finde es gut, absolut in Ordnung. Es gibt so vieles Geschäft, die nur Bargeld annehmen. Wenn nur mit Karte gezahlt werden kann, weiß ich dann zumindest, dass alles korrekt versteuert wird, die Mitarbeiter alle angemeldet sind. Das ist ja ein häufiges Thema in der Gastronomie. Danke Base für die Transparenz.“
Aber warum scheinen trotzdem so viele am Bargeld zu hängen? Ein zentraler Faktor ist offenbar das Bedürfnis nach Kontrolle und Datenschutz. Viele Deutsche empfinden Unbehagen bei dem Gedanken, dass jede Kartenzahlung digital erfasst und nachvollziehbar wird. Bargeld garantiert Anonymität – niemand kann nachverfolgen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Hinzu kommt ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber Banken und digitalen Systemen, das historisch gewachsen ist. Die Erinnerung an Währungsreformen und Wirtschaftskrisen sitzt tief im kollektiven Gedächtnis. Bargeld in der Hand vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit, das keine App ersetzen kann.
Doch auch praktische Überlegungen spielen wohl eine Rolle. Mit Bargeld behalten Verbraucher den Überblick über ihre Ausgaben – das physische Herausgeben von Geld schmerzt mehr als das abstrakte Tippen einer PIN. Besonders ältere Menschen, aber auch viele jüngere Bürger schwören auf diese Budgetkontrolle. Zudem funktioniert Bargeld immer: ohne Internetverbindung, ohne Akku, ohne technische Störungen. In einer zunehmend digitalisierten Welt schätzen die Deutschen diese Verlässlichkeit des Analogen – und werden ihr Bargeld so schnell wohl nicht aufgeben. Das zeigen schließlich auch die Reaktionen auf die Entscheidung des Restaurants.