Digitaler Euro in Planung

Senioren in NRW haben Angst: „Bargeld darf nicht zur Ausnahme werden“

Die Landesseniorenvertretung NRW fordert den Erhalt von Bargeld. Der digitale Euro soll nur eine freiwillige Ergänzung sein. Ältere Menschen sehen Risiken.

Hamm – Während Politik und Handel über den digitalen Euro diskutieren, beschäftigen viele ältere Menschen in NRW ganz andere Fragen: Wird Bargeld irgendwann zur Ausnahme? Bleibt das Bezahlen im Supermarkt, beim Bäcker oder im Bus weiterhin ohne Smartphone möglich? Die Landesseniorenvertretung NRW nimmt die Sorgen sehr ernst – und warnt davor, ältere oder nicht digital affine Menschen beim Wandel des Zahlungsverkehrs aus dem Blick zu verlieren.

Viele Senioren zahlen gerne mit Bargeld. (Symbolbild)

Der digitale Euro wäre – wenn er kommt – eine ergänzende Form des analogen Euro, ausgegeben direkt von der Europäischen Zentralbank (EZB). Er soll Bargeld ausdrücklich nicht ersetzen, sondern eine zusätzliche Möglichkeit bieten, sicher und kostenlos zu bezahlen. Technisch wäre der digitale Euro eine Art elektronisches Bargeld, das sowohl online als auch offline genutzt werden könnte – etwa per Smartphone oder möglicherweise auch über spezielle Karten. Die EU arbeitet derzeit an den gesetzlichen Grundlagen, die frühestens Ende 2026 beschlossen werden könnten. Eine erste Ausgabe des digitalen Euro wäre dann frühestens 2029 denkbar.

„Bargeld muss bleiben“: Senioren warnen vor digitalem Wandel

Die Landesseniorenvertretung NRW betont, dass der digitale Euro aus ihrer Sicht nur dann unproblematisch ist, wenn er wirklich als „weitere Zahlungsmöglichkeit auf freiwilliger Basis“ eingeführt wird. Solange das gewährleistet ist, habe man im Verband eine neutrale Haltung. Gleichzeitig macht die Interessenvertretung klar: Bargeld muss bleiben. „Wir setzen uns für den Erhalt des Bargelds, und der Möglichkeiten, damit zu bezahlen, ein“, heißt es. Niemand dürfe ausgegrenzt werden, „der nicht über digitale Zahlungsmöglichkeiten und -mittel verfügt“. Die Gefahr betreffe nicht nur ältere Menschen, sondern auch Menschen mit geringem Einkommen, ohne modernes Smartphone oder ohne Zugang zu Bankdienstleistungen.

Besonders kritisch sehen die Seniorenvertreter den schleichenden Rückgang von Bargeldangeboten im Alltag. Zwar gebe es keine flächendeckende Erhebung, ob es in NRW noch ausreichend Möglichkeiten gebe, bar zu bezahlen. Doch die Rückmeldungen aus der Praxis sind eindeutig: „Wir kritisieren den Abbau, den wir erleben und über den uns berichtet wird, vor allem wegen der genannten Ausgrenzungsgefahr“, sagt der Verband. Immer mehr Geschäfte akzeptierten bevorzugt oder ausschließlich Kartenzahlungen – ein Trend, der aus Sicht älterer Menschen besorgniserregend ist.

Die Landesseniorenvertretung NRW hat sich bereits im Vorfeld unserer Berichterstattung öffentlich positioniert und warnte davor, dass der Rückgang von Bargeldakzeptanz zu einem gesellschaftlichen Problem werden könnte. Gerade ältere Menschen seien auf einfache, barrierefreie Bezahlwege angewiesen – nicht nur aus Gewohnheit, sondern weil für viele digitale PIN‑, TAN‑ und Wallet‑Verfahren eine echte Hürde darstellten.

Digitaler Euro in der Diskussion – Senioren fordern Wahlfreiheit

Für die Landesseniorenvertretung NRW ist deshalb entscheidend, dass der digitale Euro am Ende eine echte Wahlmöglichkeit bietet – und nicht zu einer schleichenden Verdrängung des Bargelds führt. Ob und wann der digitale Euro tatsächlich kommt, ist zwar noch offen. Für viele ältere Menschen in NRW steht jedoch längst fest: Nur mit Bargeld bleibt der Alltag inklusiv.

Rubriklistenbild: © IMAGO/HalfPoint Images

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