Umweltausschuss Bergkamen

Zuhörer verfolgen Grubenwasserpläne skeptisch: RAG beantragt Pegelanstieg noch 2023

Mit Spannung und Skepsis verfolgten die Zuhörer die Ausführungen der RAG.
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Mit Spannung und Skepsis verfolgten die Zuhörer die Ausführungen der RAG.

Antrag auf Grubenwasseranstieg noch dieses Jahr. So sagte es die RAG im Umweltausschuss. 30 Bürger hörten zu, stellten Fragen und blieben skeptisch.

Bergkamen – Noch in diesem Jahr, früher als angekündigt, wird die RAG beim Bergamt beantragen, das Grubenwasser in der Provinz Ost um den Schacht Aden 2 erst bei -380 Metern heben zu müssen statt der genehmigten -600 Meter. Das hat Werner Grigo, Verantwortlicher der Gesellschaft für diese Verfahren, am Donnerstag im Umweltausschuss mitgeteilt.

Im II. Quartal ´24 geht‘s um die Lippe

Im zweiten Quartal 2024, da sollte diese Betriebsplanänderung starten, werde nun der Antrag auf die wasserrechtliche Genehmigung für die Wiedereinleitung in die Lippe folgen. Die dafür erforderlichen Umweltgutachten seien schon länger in Arbeit, so Grigo. In ‘24 erwarte die RAG klare Hinweise darauf, ob eine Aufbereitungsanlage gebaut werden muss. Sie würde umgehend in Heil östlich der Straße Am Rothenbach/nördlich der Königslandwehr errichtet werden.

Die RAG-Vertreter als Gast im Umweltausschuss. Werner Grigo (links) mit seinem Kollegen Markus Roth.

Unabhängig vom Ausgang des Bergrechtsverfahrens für den Anstieg und folglich „Aufschub“ des Grubenwasserabschlags bis 2030 will die RAG alles bauen, was die Hebung auf -600 wohl ab Ende 2025 erfordert. Das würde das Zeitproblem bei der Gestaltung als Landmarke der Wasserstadt Aden lösen (Infobox).

Gut fürs Kettenhemd: Hebewerk wird gebaut

Die RAG wird das Grubenwasserhebewerk am Schacht Aden 2 bauen wie ursprünglich geplant, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens für den höheren Anstieg des Pegels auf -380 Meter. Das war die erste Überraschung, die Werner Grigo für die Stadt Bergkamen im Gepäck hatte. Die Anforderung für die noch geltende Annahme des Wassers bei -600 Metern werde erfüllt, sagte der RAG-Manager. Bis Ende 2025 werde die Anlage stehen, obwohl sie nach den neuen Plänen erst zu 2030 gebraucht werde.

Die Fassadengestaltung mit dem Stahlnetz, Kosename: „Kettenhemd“, über den Bundeszuschuss von 1,45 Millionen Euro an die Stadt wäre damit wieder in den Fristen. Sonst drohte es verloren zu gehen.

Bewegung bei Geothermie für Wasserstadt

Überraschung Nr. 2: Die Fernwärmenutzung des bis zu 28 Grad warmen Wassers könne auch schon erfolgen, bevor es womöglich erst 2030 an die Oberfläche gelange. Mit der Verschiebung bringt die RAG die Stadt in arge Bedrängnis: Die Versorgung der Wasserstadt ist in Absprache mit dem Bergbau auf Fernwärme aus dieser Quelle abgestimmt, mit den GSW gibt es Pläne für die Verbindung der Netze. Zuletzt war aber fraglich, wie beim Bau der ersten Wohnhäuser in 2026 die Wärmeversorgung gesichert ist. Bisher hat die RAG darauf verwiesen, dass für solch ein System sowieso eine Reserve für Störungen vorgehalten werden müsse.

Das stellt die Projektpartner nicht zufrieden, zumal die RAG die Bedingungen in dem abgestimmten Konzept ändern will. Da der Bebauungsplan ohnehin angepasst werden muss, wäre das der Moment, diese Festlegungen für die Infrastruktur anzupassen. Da sieht die Stadt die RAG gefordert, Wege aufzuzeigen. Grigo kündigte an, der Sache nachzugehen und verwies darauf, dass der Wärmeaustausch in der Tiefe erfolgen könne. Nur werde die RAG das nicht tun: „Wir stellen das Wasser zur Verfügung“. 

Das und mehr haben gut 30 interessierte Bürger, darunter Mitglieder der Bürgerinitiative gegen die Einleitung, samt der politischen Erörterung im Ratssaal verfolgt und selbst nachfragen können. Zweieinhalb Stunden dauerte die Beschäftigung mit dem konfliktträchtigen Thema. Die Befürchtungen zu Umweltschäden, speziell durch das unter Tage lagernde hochgiftige PCB, bestimmten die Beiträge. Ebenso die Skepsis, dass der Bergbau sauber arbeitet und die vorliegenden Gutachten unparteiisch sind.

RAG verweist auf Landesvorgaben

„Wir kommen hier einer Forderung des Landes nach“, betonte Grigo daher. Das NRW-Umweltministerium habe das Wassermanagement auf höherem Pegel in allen Gruben 2017 angestoßen und die Gutachter ausgesucht, zu Zeiten des Grünen-Ministers Johannes Remmel (der als harter Hund gilt). „Das sind bestimmt keine Gefälligkeitsgutachten.“ Eine Studie zur PCB-Last kommt vom NRW-Umweltamt.

Die Aufbereitungsanlage, sofern erforderlich, würde am Rothenbach nördlich der Königslandwehr gebaut. Skizze: RAG

Alle Analsyen kommen zu dem Schluss, dass der Anstieg des Pegels die Schadstoffbelastung reduzieren werde. Selbst von den Unter-Tage-Deponien für Kraftwerksaschen und Stäube in Bruchhohlraumverfüllungen gehe in 800 000 Jahren keine Gefahr aus, zitierte Grigo.

Bei der PCB-Frage nicht auf der Höhe?

Die Sorgen entkräftet hat all das nicht. Andreas Worch (Grüne) warf der RAG vor, bei der PCB-Analytik und der daraus abgeleiteten Aussage, ein Filtrationseffekt sei in Pilotversuchen wegen der geringen Menge nicht nachweisbar, „Quatsch“ zu erzählen. Diese Einschätzung habe eine führende Koryphäe auf dem Gebiet geäußert, mit der er in Kontakt stehe.

Hinweise zur Klärung aufgenommen

Das will Grigo nun genauer wissen. Er bat um den Kontakt, um den fachlichen Austausch anzubahnen. Ernst nahm er auch den Hinweis eines Ex-Bergmanns: Anders als ausgeführt, seien in der 1990ern gifthaltige Stoffe auch trocken und ungebunden in den „Alten Mann“ geblasen worden, er habe selbst dabei mitgewirkt. Dem geht die RAG nun nach.

BergAuf beklagt „Schutzbehauptungen“

Werner Engelhardt (BergAuf) hielt Grigo vor, dass der Bergbau das Gift unter Tage beließ. Überhaupt: Gutachten, da zeige die Asse (defekte Atommüllgrube; Anm. d. Red.), was davon zu halten sei. Die RAG liefere Schutzbehauptungen, andere Gutachten zeigten das Gegenteil. Thomas Heinzel (CDU) forderte die RAG-Vertreter auf, bei dem Werben um Vertrauen auch praktisch etwas zu tun. Etwa in der Frage der erwarteten Aufbereitung. „Zur Wahrung des Friedens, als gutes Zeichen. Sagen Sie doch: Lass’ uns das machen.“

Kommentar: Jetzt noch die Taten

Wenn Werner Grigo über den Nachbergbau spricht, hat man bald das Gefühl, die RAG könne kein Wässerchen trüben. Die Erfahrung lehrt etwas anderes. Und doch muss man anerkennen: Beim Bergbau ist angekommen, dass die Zeiten nicht mehr die alten sind, als die Kohle noch gewollt war. Wer den Sound früherer RAG-Auftritte noch im Ohr hat, mag zuerst kaum glauben, dass der smarte Vortrag aus dem selben Hause kommt. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bergbau sich in der Sache treu geblieben ist: Er teilt mit, was er tut, weil er es halt so tun muss. Steht ja im Gesetz. Klingt jetzt nur besser. Und hat einen Vorteil in der neuen Begleitmusik: „Wir machen das so verträglich wie möglich. Es ist unser extremes Interesse, in friedlicher Koexistenz mit Ihnen zu harmonieren.“ Wenn dem so ist, dann nehmt den Mann halt beim Wort. Und damit am Ende keiner dumm dasteht, ist die RAG gut beraten, als nächstes mit passenden Taten zu überzeugen. Bernd Kröger

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