Umweltschutz
Was schluckt die Lippe? Verband will bei Grubenwasser-Einleitung genau hinschauen
Die Lippe soll auch im Bereich Bergkamen renaturiert werden. Gleichzeitig plant die RAG die Einleitung von abgepumptem Grubenwasser in den Fluss. Passt das zusammen? Wenn ja, wie? Wir haben nachgefragt.
Bergkamen – Wenn die RAG ihre Pläne zur zentralen Grubenwasserhaltung am Schacht Aden wie geplant umsetzen kann, werden die erwarteten elf Millionen Kubikmeter jährlich just auf einem Abschnitt in die Lippe eingeleitet, den der Lippeverband erklärtermaßen renaturieren will. Derzeit ist aber noch nicht absehbar, inwiefern die Vorhaben im Zuge der Genehmigungsverfahren aufeinander abgestimmt werden können. Der Lippeverband will die Einspeisung aber begrenzt sehen.
Bis 380 Meter Tiefe
Die RAG hat kürzlich im WA-Gespräch ihre Pläne für die Umsetzung dieser Ewigkeitsaufgabe genauer ausgeführt. Im zweiten Quartal nächsten Jahres will sie in das Wasserrechtliche Verfahren einsteigen und die Wiedereinleitung des Grubenwassers in den Fluss beantragen. Das soll mit dem Antrag einhergehen, den seit 2019 mit Einstellung der Wasserförderung ansteigenden Pegel nicht bei 650 Metern Tiefe mit Pumpen zu regulieren, sondern erst ab 380 Metern.
Die Schadstofffracht im Wasser – die der Stadt und Umweltschützern vor allem wegen des Anteils hochgiftigen PCBs Sorgen bereitet – werde so deutlich reduziert, argumentiert die RAG. Gleichwohl müsse das Grubenwasser aufbereitet werden. Die Änderung dieser Vorgaben im Abschlussbetriebsplan des Bergwerks Haus Aden hätte außerdem zur Folge, dass nicht 2025 mit dem Pumpen begonnen werden müsste, sondern erst vier oder fünf Jahre später.
Entwürfe in der Überarbeitung
Aber wie verträgt sich diese Belastung des Gewässers mit der Absicht des Lippeverbandes, nach dem gerade abgeschlossenen ökologischen Umbau in Hamm den Abschnitt von Werne/Rünthe bis Lünen-Beckinghausen zu renaturieren? Die Ansätze dafür, etwa den Bau von einem Kilometer neuer Flussschleifen von Rünthe flussabwärts, hatte der Verband schon 2018 einmal in der Öko-Station präsentiert. Nach den damaligen Szenarien müsste schon daran gebaut werden.
Aber die Entwürfe sind in der Überarbeitung, wie Meike Delang vom Lippeverband auf Anfrage berichtete. Über den Umsetzungszeitraum könne sie zum Ende des Jahres Genaueres sagen. Die Einleitung des Grubenwassers nördlich der künftigen Wasserstadt Aden „hat aber keine Anpassungen bei den baulichen Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur und zur Rückgewinnung von Auen zur Folge“, so die Sprecherin.
Mit der RAG in Kontakt
Die chemischen Auswirkungen seien der maßgebliche Punkt: „Der Lippeverband wird aber darauf einwirken, dass die neuerliche Einleitung von Grubenwasser im Fluss nicht zu einer Überschreitung des WRRL-Orientierungswertes von 200 mg/l führt. Dazu sind wir mit der RAG in Kontakt.“ Dabei geht es um die europäische Wasserrahmenrichtlinie.
Aufseiten der Ruhrkohle erwarten die Verantwortlichen davon, dass die in Rede stehenden Umbauten des Gewässers die Bedingungen für die Durchmischung begünstigen. Ihr Gutachter gehe davon aus, „dass sich die hydrologischen Bedingungen dadurch kaum verändern, sich jedoch die Abflussdynamik deutlich verbessert, da insbesondere die Rückstaustrecken durch die Wehre/Stauwasserhaltung entfallen“, teilte Stefan Römer von der Pressestelle mit.
„Bei Antragstellung berücksichtigt“
Sofern die Planungen des Verbandes ausreichend konkretisiert seien, würden sie bei der Antragsstellung und der Beurteilung der Umweltauswirkungen berücksichtigt. Sollte der Lippeverband noch nicht soweit sein, bedeutet dies nach Auffassung der RAG aber keinen Nachteil. Dann würden „die aktuell ungünstigeren Bedingungen“ dabei zugrunde gelegt.
