Arbeitskreis will mobilisieren

Protest gegen Grubenwasser-Pläne erwacht: Mahnmarsch für Schutz der Lippe

Idyllisch schlängelt sich die Lippe in Heil von der Ökostation (links) am Dorf vorbei. Aber die Sorge um Schäden durch Grubenwasser wächst.
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Idyllisch schlängelt sich die Lippe in Heil von der Ökostation (links) am Dorf vorbei. Aber die Sorge um Schäden durch Grubenwasser wächst.

Der Protest gegen die Grubenwasser-Einleitung erwacht: „Keine Bergbaugifte in die Lippe“ hat sich eine Initiative auf die Fahnen geschrieben und sucht Mitstreiter.

Bergkamen – Flugblätter, Aktionsstände, Unterschriftensammlung, Mahnmarsch, Info-Veranstaltung – mit dem klassischen Mobilisierungsrepertoire will der Arbeitskreis Grubenwasser den Widerstand gegen die Einleitung der Bergbauwässer in die Lippe unter die Leute bringen. Knapp 30 Mitstreiter schmiedeten am Donnerstagabend in der Ökostation erste Pläne. Da zeigte sich aber auch, dass trotz gemeinsamen Ziels noch recht unterschiedliche Vorstellungen auf einen Nenner zu bringen sind.

RAG will Vorgehen ändern

Aber es gibt erste Termine und einen Fahrplan, um schnell in den Tritt zu kommen. Die RAG hat angekündigt, im zweiten Quartal 2024 eine wesentliche Veränderung des schon genehmigten Vorgehens zur zentralen Hebung des Grubenwasser in der Provinz Ost (Hamm bis Dortmund-Ost) zu beantragen. Nicht bei 650 Metern soll das mit Salzen und Schadstoffen befrachtete Wasser am Schacht Aden ab 2025 für alle Ewigkeit abgepumpt werden, sondern bei 380 Metern - und damit Jahre nach dem noch geltenden Zeitpunkt. Der Arbeitskreis drückt mit Blick auf den Verfahrensstart nächstes Jahr aufs Tempo und will ab September Flagge zeigen und protestieren, damit aus dem kleinen Kreis eine breite Initiative wird.

In der Ökostation wurden erste Protestpläne geschmiedet.

Den Anstoß hatte Karlheinz Röcher vom „Arbeitskreis Wohnen + Leben Bergkamen“ als jahrelanger Streiter gegen die Bergbaufolgen gegeben. Nach dem noch nicht verwundenen Tod des Vorsitzenden im Mai musste nun auch hier ein neuer Sprecher bestimmt werden. Werner Engelhardt, Sprecher der Wählergruppierung BergAuf und scharfer Kritiker der Ruhrkohle, wird diese Aufgabe nun mit Clemens Overmann (Werne) übernehmen.

Diskussion über Strukturen

Darin waren sich die Runde in bunter Zusammensetzung aus engagierten Bürgern, alten BI-Kempen aus dem L821n-Protest und Lokalpolitikern verschiedener Couleur noch rasch einig. Schwieriger wurde es beim Punkt Finanzierung und der damit verbundenen Frage der Organisationsform samt juristischer Absicherung.

Keine festen Strukturen

Nach zwei Stunden Diskussion kam die von Engelhardt moderierte Runde an den Punkt, dass aus all den Aktionen nichts wird, wenn die Initiative nicht bei Kasse ist und über ein Konto für Spenden verfügt. Die Option, über den AK Wohnen + Leben zu agieren, zerschlug sich. Der eingetragene Verein sieht darin seine Gemeinnützigkeit gefährdet. Die Mahnung von Thomas Matthée, in Lünen Kopf des Widerstands gegen den Bau des Trainel-Kraftwerks, sich erst eine klare Struktur zu geben (nicht zwingend als e.V., aber mittels Satzung) verfing nicht.

Die nächsten Termine

Den ersten Termin setzt die Stadt Bergkamen. In der Sitzung des Umweltausschusses soll Dr. Werner Grigo von der RAG die Pläne für das veränderte Grubenwassermanagement vorstellen. Die Sitzung beginnt am Donnerstag, 31. August, um 17 Uhr im Ratssaal. Das nächste AK-Treffen ist am Mittwoch, 6. September, ab 18 Uhr in der Ökostation. Am Freitag, 29. September, soll um 17 Uhr der Mahnmarsch am Rathaus starten. Eine Info-Veranstaltung ist für den 18. Oktober geplant. Details gibt es dazu noch nicht.

So blieb nur der Vorschlag, auf Vertrauensbasis und im Vier-Augen-Prinzip als Privatperson ein Konto für all das zu eröffnen. Aber das bereitete allgemeines Unbehagen. Nach einer Weile betretener Ernüchterung und mehrfachen Appellen nahmen Hannelore Engelhardt und Bernd Salfer das in die Hand. Einzahlen können sie auch schon: Die spontane Hutsammlung ergab 163 Euro.

Erste Flugblätter und Transparente

Mit ersten Spenden sollen nun Flugblätter gedruckt und Transparente bestellt werden. Dass die Grubenwasserförderung nicht abzuwenden ist, weil die Region sonst absaufen würde, das ist den Akteuren klar. „Das Wasser muss so sauber wie möglich sein. Wenn es schon eine Einleitung geben muss, dann nur mit bester Technik“, betonte Bernd Salfer, Ratsmitglied der Grünen.

So haben es der Stadtrat und der Kreistag schon einstimmig in Resolutionen gefordert. Die RAG sagt selbst, dass die Einleitung Behandlungsanlagen erfordern werde, wie es etwa in Ibbenbüren projektiert ist.

Sorge um Gift unter Tage

Der Arbeitskreis spricht dagegen von weiterer ungefilterter Einleitung in die Lippe, wie sie bis zum Stopp für den Anstieg des Pegels in 2019 erfolgte. Im Fokus der Befürchtungen steht vor allem, dass sich unter Tage hochgiftiges PCB befindet, über die Pumpen in die Umwelt gelangt oder mit dem höheren Pegel die Grundwasserschichten vergiftet. Dazu kommt, dass ausgekohlte Strebe zu Deponien wurden für giftige Reststoffe aus Filteranlagen etwa, und dies vom Grubenwasser umspült wird. Die RAG stehe dafür in der Verantwortung.

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