Ewigkeitslast des Bergbaus

RAG will Grubenwasser in Bergkamen doch ab 2026 in die Lippe pumpen

Der Kubus im Kettenhemd in der Animation. Das Netz verdeckt das 30 Meter hohe Pumpwerk. Quelle: Stadt Bergkamen
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Der Kubus im Kettenhemd. Das Grubenwasserhebewerk in der Animation für den Architekten-Wettbewerb. Das Netz aus verwobenen Stahlringen verdeckt das 30 Meter hohe Pumpwerk.

Die RAG hat ihr Konzept für das Grubenwassermanagement am ehemaligen Schacht Aden 2 geändert. Das Hebewerk soll nun doch 2026 in Betrieb gehen, wie ursprünglich geplant. Mit dem flexiblen Abschöpfen von Teilmengen soll stärker belastetes Wasser in der Tiefe gehalten und der Schadstoffaustrag verringert werden. In der strittigen PCB-Frage gibt es Bewegung.

Bergkamen – Noch in diesem Jahr wird die Ruhrkohle AG (RAG) mit dem Bau des Grubenwasserhebewerkes beginnen, das zugleich Landmarke und architektonisches Glanzstück der Wasserstadt Aden werden soll.

Späterer Bau kollidierte mit Wasserstadt-Planung

Die Anlage wird, trotz des beantragten Anstiegs des Wasserspiegels auf 380 statt 600 Meter unter Tage, doch schon im übernächsten Jahr benötigt. Zuvor hatte die RAG mit der Ansage überrascht, das Pumpwerk über Schacht Aden 2 werde wegen des Anstiegs erst zum Ende des Jahrzehnts gebraucht. Ein späterer Bau stünde aber nicht im Einklang mit den Plänen für die Wasserstadt und drohte die zugesagte Bundesförderung von 1,4, Millionen Euro für die Fassadengestaltung mit einem Netz aus Stahlringen – im Volksmund Kettenhemd getauft – zu gefährden.

Stadtrat hat Vertrag über das Bauwerk genehmigt

Diese Probleme sind aber vom Tisch. Schon im September hatte die RAG der Stadt mitgeteilt, zum ursprünglichen Zeitplan zurückzukehren. Das ist auch für die geplante Fernwärmenutzung des bis zu 30 Grad warmen Wassers in der Wasserstadt von Gewicht. Dort sollen 2026 die ersten Häuser entstehen. Der Stadtrat hat kürzlich dem Vertrag über den Bau der Anlage mit dem geförderten Anteil der Stadt für die besondere Architektur mehrheitlich zugestimmt.

Die Wasserprovinz Haus Aden mit den an Aden 2 entwässerten Bauen. An den Schächten wird gelotet, Ende 2023 stand der Pegel auf Aden bei -764,9 Metern. Karte: Bez.Reg. Armsberg

Geändertes Verfahren soll Schadstoffgehalt reduzieren

Der Grund für die Änderungen: Durch eine flexiblere Pumpensteuerung in den Horizonten von minus 600 bis minus 380 Meter will die RAG die Schadstofffracht im Wasser und damit den Reinigungsaufwand vor der Einleitung in die Lippe reduzieren. Dabei geht es vorrangig um Eisen als Schwebstoff, damit zugleich aber um das anhaftende und besonders gefürchtete PCB sowie den Chloridgehalt (Salz).

Wasserspiegel soll weiterhin bis minus 380 Meter steigen

Das haben Werner Grigo als Verantwortlicher für das Genehmigungsmanagement der RAG und Pressesprecher Chistof Beike am Donnerstag im Gespräch mit der WA-Redaktion erläutert. „Es bleibt Ziel, das Grubenwasser bis minus 380 Meter ansteigen zu lassen, wir wollen aber ab minus 600 Meter erste Teilmengen heben“, sagte Grigo. Das mache den Betrieb der Anlage ab dem Jahr 2026 erforderlich.

Auf der Zeche Walsum steht schon, was an Schacht Aden geplant ist. Hier wird eine Tauchpumpe – 20 Meter lang, 24 Tonnen schwer – in die Tiefe gelassen.

Die Idee: Durch Schichten sehr salziges Wasser unten halten

Im laufenden Prozess auf Basis von Berechnungen in Box-Modellen – praktische Erfahrungen gibt es hier noch nicht – sei die Erkenntnis gereift, dass sich die unterschiedlich belasteten Zuflüsse von Wässern aus verschiedenen Grubenbauen auf diese Weise übereinanderschichten ließen. Damit sei es möglich, die besonders salzhaltigen Wässer aus den tieferen Bauen im Osten der Wasserprovinz Haus Aden unten zu halten und weniger salzhaltige Wässer aus westlichen Einzugsgebieten quasi darüber zu legen.

Wässer aus verschiedenen Bauen sollen sich nicht vermischen

Wenn dann mit schrittweisem Anstieg und Höhersetzen der Tauchpumpen in dem zum Brunnen umgebauten Schacht auf Dauer an der 380-Meter-Marke Wasser abgeführt werde, handele es sich um das weniger belastete Grubenwasser. Es werde keine vollständige Durchmischung geben, die aber einträte, wenn die Wässer aus dem Bauen zwischen Zeche Hansa (Dortmund) und Heinrich Robert (Hamm) zunächst weiter zusammenliefen und erst mit Erreichen des beantragten neuen Zielniveaus abgepumpt würden.

Antrag eingereicht: Bergrechtliches Verfahren läuft an

Den bergrechtlichen Antrag zur Anpassung des Abschlussbetriebsplan Haus Aden hat die RAG inzwischen beim Bergamt eingereicht, wie die Behörde bestätigt. Dort werden die Unterlagen gerade auf Vollständigkeit geprüft, danach soll die Beteiligung aller Kommunen in der Wasserprovinz starten. Werner Grigo rechnet mit einem Ergebnis in diesem Jahr.

Antrag auf erneute Einleitung in die Lippe nächster Schritt

Für die erneute Einleitung von Grubenwasser in die Lippe benötigt das Unternehmen aber zudem eine wasserrechtliche Erlaubnis. Der Antrag soll bis Mitte des Jahres gestellt werden. „Wir sind mit der Umweltverträglichkeitsprüfung für die gesamte Strecke bis zur Mündung in den Rhein und den weiteren Vorbereitungen wirt fortgeschritten“, sagte Grigo. Die Untere Wasserbehörde beim Kreis Unna werde Benehmensbehörde sein, das Verfahren aber nicht führen. Im Gespräch sei, eine der Bezirksregierungen am Lippelauf (Arnsberg, Münster, Düsseldorf) damit zu betrauen oder sich gleich im NRW-Umweltministerium damit zu befassen. Die Bergbehörde ist bei der Bezirksregierung Arnsberg ansässig und untersteht dem NRW-Wirtschaftsministerium.

Erster Protest vor dem Bergkamener Rathaus. Der Arbeitskreis Grubenwasser hat im September vergangenes Jahres zum Widerstand gegen die RAG-Pläne aufgerufen.

Widerstand gegen die Einleitung hat sich schon formiert

Die frühere Genehmigung für das Einleiten in den Jahrzehnten des Bergbaubetriebs ist nach dem Abstellen der Pumpen im Jahr 2019 erloschen. An diesem Punkt setzt die Kritik der Bürgerinitiativen an. Der „Arbeitskreis Grubenwasser“ und der kürzlich davon abgegrenzte Verein „Saubere Lippe“ protestieren gegen die Pläne der RAG. Sie befürchten Umweltschäden durch die Schadstoffe. Die Stadt Bergkamen und der Kreis Unna haben sich in Resolutionen dagegen ausgesprochen, Grubenwasser ohne PCB-Filter einzuleiten.

Filteranlage für Eisen soll auch PCB-Anteile beseitigen

In diesem Punkt zeichnet sich etwas Bewegung ab. Bei der Frage der Aufbereitung hatte sich Werner Grigo bisher sehr bedeckt gehalten, nur darauf verwiesen, dass für den Bedarfsfall an der Königslandwehr eine Fläche dafür vorgesehen sei. „Wir müssen damit rechnen, dass wir in dem wasserrechtlichen Verfahren Auflagen erhalten. Wir wissen schon ziemlich genau, dass der Eisengehalt die Grenzwerte überschreiten wird“, sagte Grigo nun. „Wir haben daher die Planung einer Scheibenfilteranlage in Auftrag gegeben.“

RAG erwartet, dass die Salzlast ohne Behandlung den Vorgaben entspricht

So werde zwar vorrangig das Eisen aus dem Wasser geholt. „Das hat aber den Effekt, dass wir mit den Schwebestoffen auch das anhaftende PCB herausholen, dazu noch Schwermetalle.“ Bezüglich des Salzgehalts sprächen das Schichtenmodell dafür, „dass wir den Grenzwert einhalten können.“ All das muss sich im Verfahren erweisen.

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