Nachbergbau in Bergkamen
RAG stellt Bauantrag: Grubenwasserhebewerk soll Ende 2025 stehen
Den Kritikern gefällt das nicht, aber ab dem Jahr 2026 soll wieder Grubenwasser in die Lippe eingeleitet werden. Der Genehmigungsantrag dafür steht noch aus, doch die Uhr läuft. Im September will die RAG mit dem Bau der Maschinenhalle beginnen und plant schon weiteres.
Bergkamen – Die Arbeiten fürs Fundament haben schon begonnen, der Bauantrag liegt der Stadt Bergkamen zur Prüfung vor: Die RAG geht parallel zum anstehenden Antrag auf die Wiedereinleitung von Grubenwasser in die Lippe Planung und Bau der erforderlichen Technik an. Ende kommenden Jahres soll das Hebewerk über dem Schacht Aden 2 stehen.
Für Wasseraufbereitung Ackerverpachtung gekündigt
Tempo macht das Unternehmen auch in der öffentlich besonders kritisch beäugten Frage der Aufbereitung. Für den im Umweltausschuss vergangenen Herbst schon vorgestellten Standort an der Königslandwehr hat die RAG gerade kurzfristig die Pachtverträge mit drei Landwirten gekündigt.
„Wir müssen auf die Fläche. Es stehen eine Baugrunduntersuchung und vorbereitende Arbeiten an“, begründete RAG-Sprecher Christof Beike, warum die Bauern nicht erst noch die Ernte auf den bestellten Äckern einfahren können. Sie sollen für den Verlust entschädigt werden. Es gehe um insgesamt 13 Hektar Fläche auf der Ecke zur Straße Am Rothenbach.
Standort Am Rothebach Ecke Königslandwehr
An deren Südzipfel vorm Kanal münden die beiden Betonröhren, die vom Schacht aus unter dem Kanal hindurch verlegt wurden. Darin werden als nächstes die verschiedenen Leitungen installiert, durch die Grubenwasser und Regenwasser aus der Hochwassersicherung des SEB geschickt werden sollen.
Die veränderte Strategie, das Grubenwasser nicht erst ab dem geplanten Niveau von minus 380 Metern abzupumpen, sondern ab der aktuell geltenden -600-Meter-Marke in Teilmengen zu heben, hat den Zeitplan wieder verkürzt. Zum Jahr 2030 hätte die Anlage danach betriebsbereit sein müssen. Nun muss alles in 2026 funktionstüchtig sein, die Aufbereitungsanlage eingeschlossen. Dafür ist zudem eine Scheibenfilteranlage beauftragt.
Neuer Plan: Flexibel pumpen, weniger Schadstoffe
Durch das stufenweise Heben von Teilmengen von -600 bis -380 Meter will die RAG die Vermengung unterschiedlich belasteter Grundwasserströme verhindern und nach einem Schichtenmodell die besonders salzigen und schädlichen Anteile auf Dauer in den Grubenbauen halten. So soll nur Wasser zutage kommen, dass mit geringerem Aufwand so gereinigt werden kann, dass es den gesetzlichen Bestimmungen für die Einleitung in die Lippe genügt. Worum es da im Einzelnen geht, ist Bestandteil eines wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens, dass die RAG demnächst beim Land Nordrhein-Westfalen beantragen will.
Die Bergbehörde prüft derweil schon die Anhebung des maximalen Förderhorizonts auf -380 Meter. Dafür hat die RAG die Änderung des Abschlussbetriebsplans beantragt. Auch die Hebetechnik selbst ist später vom Bergamt zu prüfen und genehmigen. Geplant ist eine gut 30 Meter hohe Maschinenhalle in Stahlbauweise. Um sie am Rande der entstehenden Wasserstadt Aden zu einem Blickfang zu machen, wird die Halle mit einem Metallnetz bespannt. Dafür hat die Stadt 1,4 Millionen Euro Förderung des Bundes erhalten.
Das Bauwerk wird benötigt, um große Tauchpumpen in den beiden Röhren des verfüllten Schachtes samt angeschlossener Leitung in die benötigte Tiefe abzusenken.
Grubenwasserhebewerk Haus Aden soll 2025 stehen
„Die Anlage soll bereits im vierten Quartal 2025 fertiggestellt sein“, sagte Beike. Da der Betrieb noch in Teilmengen anlaufe – im Vollbetrieb geht es um 14,6 Millionen Kubikmeter jährlich –, genüge zuerst noch die vorhandene Leitung. Es muss aber eine neue Röhre her. Die Planung sei beauftragt, so der Sprecher. Der Bau solle ab Juli 2027 nach europaweiter Ausschreibung erfolgen. Die alte Leitung wird danach für den Hochwasserabschlag genutzt.
Konzept für Versorgung mit grünem Strom in Arbeit
Da die Pumpen ewig laufen müssen, arbeitet die RAG auch an einer nachhaltigen Energieversorgung. Beike: „An allen Standorten, an denen das möglich ist, planen wir im direkten Umfeld unseren eigenen Strom zu erzeugen. Wir haben auch schon entsprechende Flächen identifiziert und gehen nun die konkrete Ausgestaltung an.“


