Bergkamen Schacht Aden 2
RAG-Pläne mit Grubenwasser: Nun sind Behörden am Zug
Die RAG plant, Grubenwasser im Bergkamen in die Lippe zu leiten. Im März stellt sie nun den Bergrechtsantrag - das Wasserrechtsverfahren folgt bald.
Bergkamen – Die Ruhrkohle AG kommt mit ihren Plänen für die Wiedereinleitung von Grubenwasser über den Schacht Aden 2 in die Lippe voran, wie im vergangenen Jahr angekündigt.
Vor Ablauf des März will das von Werner Grigo geleitete Genehmigungsmanagement beim Bergamt unter dem Dach der Bezirksregierung Arnsberg vorstellig werden. Dann soll das Szenario für den Anstieg des Wasserniveaus unter Tage bald auch die Anrainer-Städte beschäftigen.
Grubenwasser in die Lippe: Kommunen sollen zu Wort kommen
„Wir sind nicht dazu verpflichtet, streben mit dem Bergamt aber eine umfassende Gemeindebeteiligung innerhalb der Wasserprovinz Haus Aden an“, berichtete Grigo im Gespräch mit dem WA. Die Provinz definiert den Einzugsbereich der zentralen Wasserhaltung über den zum Brunnen umgebauten Schacht Aden 2 an der künftigen Wasserstadt.
Dort muss noch das Hebewerk errichtet werden, das zugleich architektonische Landmarke der Wasserstadt werden soll. Die Anlage entwässert die Grubenbaue von Hamm im Osten über Bergkamen und Werne bis zur ehemaligen Zeche Hansa in Dortmund im Westen. Die somit betroffenen Kommunen sollen gehört werden, bevor das Bergamt über die Änderung des Abschlussbetriebsplans für die Aufgabe und Abwicklung des früheren Bergwerks Haus Aden entscheidet.
380 statt 650: RAG hält anderen Wert für wirtschaftlicher
Im geltenden Plan ist verfügt, dass die RAG das Grubenwasser heben muss, wenn der Pegel in dem teils verfüllten Schacht von 980 Metern Tiefe die Marke minus 650 Meter erreicht. Das Unternehmen hält es mittlerweile aber für wirtschaftlicher und ökologisch vorteilhafter, das Wasser bis minus 380 Meter ansteigen zu lassen. Das spare Energie beim Pumpen für alle Ewigkeit und bringe auch weniger Schadstoffe zutage.
Das von oben einsickernde und durch Gestein und Baue drängende Wasser nimmt auf seinem Weg allerlei auf, was giftig oder in dieser Konzentration nicht verträglich ist. Salz zum Beispiel, aber auch das besonders gefürchtete PCB als hochgiftiger Rückstand aus dem Hydrauliköl, mit dem beim Kohleabbaubetrieb Maschinen betrieben wurden.
Kritik: „Arbeitskreis Grubenwasser“ befürchten Vergiftung der Lippe
Das ist ein zentraler Punkt im Widerstand, den der „Arbeitskreis Grubenwasser“ in seinen Befürchtungen um eine Vergiftung der Lippe auf die Straße gebracht hat und weiter bringen wird. Mit den anstehenden Verfahren kommt als nächstes konkret auf den Tisch, mit welchen ökologischen Belastungen und möglichen Auflagen zum Schutz der Umwelt die Wiedereinleitung des Grubenwassers erfolgen soll. Die Skepsis der Kritiker ist groß.
All das muss in einem wasserrechtlichen Verfahren mit der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Unna als Benehmensbehörde geprüft und festgelegt werden. Mit dem Abstellen der vormals betriebenen Pumpen zum Trockenhalten des Bergwerks Haus Aden im Jahr 2019 muss der Abschlag des Grubenwassers in die Lippe neu genehmigt werden.
„Wir haben die Unterlagen einschließlich der Umweltverträglichkeitsprüfung von der Einleitestelle in Bergkamen-Heil über die gesamte Lippe bis zur Mündung bei Wesel so gut wie vollständig“ berichtete Grigo. Im zweiten Quartal des Jahres solle all das eingereicht werden. Das Verfahren sei erheblich aufwendiger als das bergrechtliche. „Ich bin mir aber sicher, dass wir die gesetzlichen Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie wie der Oberflächenverordnung einhalten können.“ Dafür sprächen die weiter entwickelten Berechnungen in den Box-Modellen.
Ob das mit technischen Anlagen zur Aufbereitung und gegebenenfalls in welchem Umfang einhergeht, ließ der RAG-Manager offen. Seine im Rat vorgestellte Präsentation ließ erkennen, dass für diesen Fall im Konzept ein Standort an der Königslandwehr dort vorgehalten wird, wo die unter dem Kanal verbauten Röhren für Gruben- und Hochwasserleitungen ankommen.
Okay von Behörde würde für Grubenwasser zeitlichen Horizont eröffnen
Zum wasserrechtlichen Antrag gehört der Umweltbericht mit einer Dokumentation des aktuellen Gewässerzustands durch einen Gutachter und der Bewertung der prognostizierten Auswirkungen der Grubenwassermengen bis zu 14 Millionen Kubikmeter jährlich. Das zu prüfen, werde sicher ein ganzes Jahr dauern, so Grigo. „Mit der Änderung des Abschlussbetriebsplans rechnen wir aber Mitte dieses Jahres.“
Mit dem Okay der Bergbehörde würde auch ein neuer zeitlicher Horizont eröffnet, weil das Wasser einige Jahre länger steigen kann. Statt 2026 wäre der Einsatz der Pumpen nach diesen Szenarien drei oder vier Jahre später erforderlich. In den knapp fünf Jahren seit Einstellung der Förderung sei der Pegel von minus 980 auf minus 760 Ende Januar gestiegen – um 220 Meter also. Das entspräche den Prognosen.
Umleitung von Grubenwasser: Fragezeichen bei der Aufbereitung
Um die Notwendigkeit einer Aufbereitungsanlage wird absehbar gerungen und sicher auch gestritten. Die Bürgerinitiative steht parat, der Stadtrat und der Kreistag haben sich in Resolutionen gegen eine Einleitung ohne Beseitigung des PCB gestellt. Derweil trifft die RAG für einen Teil des Systems schon Bauvorbereitungen. Es soll parallel der alten eine neue Grubenwasserleitung zur Lippe verlegt werden. „Die alte ist noch in Takt, sie wird aber künftig dafür gebraucht, über die Anlage auch das Hochwasser abzuleiten, das von der Pumpanlagen Oberaden kommt“, erläutert Werner Grigo.
Diese Anlage hat die RAG, wie einige weitere, an den Stadtbetrieb Entwässerung Bergkamen (SEB) als Eigentümer und Betreiber abgetreten. Damit das Hochwasser separat vom Grubenwasser abgeleitet werden kann, erhält das Hebewerk eine neue Leitung. Die Ausschreibung der Arbeiten ist auf dem Weg. Die Lippe antasten dürfen die Bautrupps aber erst, wenn tatsächlich die Genehmigung für die Einleitung vorliegt – von der Behörde, oder weil sich noch Gerichte mit der Angelegenheit befassen mussten.
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