Krankheit

„Immunität ist nicht so groß wie bei Corona“: RSV-Welle trifft auch Erwachsene

Dem Chef-Infektiologen des Uniklinikums Essen bereiten die RSV-Fälle in diesem Jahr mehr Sorgen als die aktuelle Corona-Lage. Die Immunität fehle – auch bei Erwachsenen.

Hamm - Corona, Grippe, Erkältung, RS-Virus (RSV): Die Liste der Infektionskrankheiten, die derzeit in Nordrhein-Westfalen die Runde machen, ist lang. Die Krankenstände in den Unternehmen, Schulen und Universitäten sind entsprechend hoch. Das ist in den Wintermonaten kein ungewöhnlicher Umstand. Doch während derzeit vor allem viel über steigende Corona-Zahlen gesprochen wird, blickt Professor Dr. Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie am Uniklinikum Essen, eher auf die RSV- und Grippewelle in den kommenden Monaten. Diese seien „vielleicht noch problematischer“ als eine erneute Corona-Welle.

RSV-Welle trifft auch Erwachsene: „Immunität ist nicht so groß wie bei Corona“

Das NRW-Gesundheitsministerium mahnte jüngst angesichts der zunehmenden Atemwegserkrankungen in der laufenden Erkältungszeit zu besonnener Vorsicht. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann betonte die Wichtigkeit von Corona- und Grippeimpfungen. Dass die Corona-Zahlen wieder steigen, merken auch die Kliniken in NRW. Doch „auf keinen Fall“ sehe man eine dramatische Lage beim Thema Corona, betont Professor Dr. Witzke im Gespräch mit wa.de. Es sei eine Rarität, dass Corona-Patienten auf der Intensivstation landen würden.

Professor Dr. Oliver Witzke ist Direktor der Klinik für Infektiologie am Universitätsklinikum Essen.

„Ein bisschen größere Sorgen“ mache sich der Chef-Infektiologe bezüglich des RS-Virus und der Grippe. „Die Immunität ist nicht ganz so groß wie bei Corona.“ Das „RSV-Problem“ sieht Witzke „ungefähr so groß wie das Grippe-Problem.“ Laut aktuellem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hat die RSV-Aktivität in den vergangenen Wochen „deutlich zugenommen“. Hinweise auf eine beginnende Grippewelle gebe es hingegen bisher nicht.

RS-Virus trifft auch alte und kranke Patienten

Das RS-Virus ist ein ansteckender Atemwegsinfekt. Die Symptome vom RSV sind grippeähnlich. Das Virus ist laut RKI einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen und Kleinkindern. So heißt es auch im aktuellsten Wochenbericht, dass insbesondere Kinder unter zwei Jahren wegen einer RSV-Infektion ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen.

Doch der Erreger befällt eben nicht nur Kinder, betont Professor Dr. Witzke. „Beim RS-Virus haben wir in den letzten Jahren gelernt, dass alte und kranke Patienten auch betroffen sind.“ Man habe bis vor wenigen Jahren nur die Kinder im Blick gehabt. Dies sei mittlerweile anders – und auch wichtig. „Ich bin sehr froh, dass das Problem RSV für Erwachsene identifiziert ist.“ Für Ältere und Risikopatienten sei das RS-Virus durchaus gefährlich.

Noch keine Impfempfehlung der Stiko gegen RSV

Eine Impfung gegen das RS-Virus gibt es seit diesem Jahr, allerdings fehlt derzeit noch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Das hat zur Folge, dass die Menschen zum einen noch verunsichert sind, ob sie sich impfen lassen sollten. Zum anderen übernehmen die Krankenkassen die Impfung noch nicht. Im November teilte die Stiko auf Anfrage mit, dass aktuell noch mehrere Studien durchgeführt werden. „Ein genauer Zeitpunkt für eine Empfehlung ist derzeit noch nicht absehbar.“

Für Witzke ist es nicht nachvollziehbar, dass die Stiko im Gegensatz zu den umliegenden Ländern noch keine Empfehlung ausgesprochen hat. „Die Impfstoffe scheinen recht gut zu wirken, vor allem vor schweren Verläufen“, so der Chef-Infektiologe.

Rubriklistenbild: © Tanya Yatsenko/Imago

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