Krankheitswelle
Impfung gegen das RS-Virus – deshalb kann es aktuell sehr teuer werden
Das RSV-Virus kann für Babys bedrohlich werden. Aber nicht nur für sie. Eine Impfung gegen die Krankheit ist aber teuer. Die Empfehlung der Stiko fehlt.
Hamm - Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen, Fieber – fast jeder kennt irgendjemanden, der gerade flach liegt. Unter den vielen Viren, die in Deutschland für volle Betten und leere Büros sorgen, ist das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Mit dem RS-Virus ist nicht zu spaßen. Oft verläuft eine Infektion harmlos, doch für Säuglinge und Kleinkinder kann sie bedrohlich sein. Und nicht nur für sie. Impfungen könnten helfen, doch sie sind teuer – noch.
Impfung gegen das RS-Virus: Für wen sie sinnvoll ist - und warum teuer
Das RS-Virus ist einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen und Kleinkindern. In etwa einem Prozent der Fälle trifft RSV die Kinder so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Im Herbst und Winter 2022 sorgte das RS-Virus für überfüllte Kinderkliniken nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Die Ärzte raten Eltern auch in diesem Herbst, auf bestimmte Symptome und Alarmsignale zu achten.
Wenige Monate nach der schlimmen RSV-Welle wurden Mitte 2023 in der Europäischen Union Impfstoffe zugelassen, mit deren Hilfe besonders gefährdete Gruppen – Ältere und Säuglinge – geschützt werden können*:
| Bezeichnung | Hersteller | Zulassungsdatum |
|---|---|---|
| Abrysvo | Pfizer | 23.08.2023 |
| Arexvy | GlaxoSmithKline | 06.06.2023 |
*Quelle: Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, Stand 16. Oktober 2023
Die beiden Impfstoffe richten sich an unterschiedliche Personengruppen. Während Arexvy für Menschen ab 60 Jahren gedacht ist, kann das Pfizer-Produkt Abrysvo zusätzlich auch an Schwangere zum Schutz des Säuglings verimpft werden. Der Schutz des Babys hält nach der Geburt bis zu einem Alter von sechs Monaten an. Moderna, hierzulande bekannt durch seinen Corona-Impfstoff, arbeitet ebenfalls am Impfschutz gegen RSV. Zur RSV-Prophylaxe für Säuglinge wurde auch das Präparat Beyfortus von Astrazeneca und Sanofi zugelassen.
Experten empfehlen Impfung gegen RS-Virus, doch die Krankenkassen zahlen in der Regel nicht
„RSV-Infektionen gefährden nicht nur Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder, sondern können auch bei älteren und vorerkrankten Erwachsenen schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen von vorbestehenden Erkrankungen auslösen“, heißt es in einem Positionspapier von elf renommierten medizinischen Fachgesellschaften und Institutionen. Sie empfehlen zumindest für die Gruppe der Über-60-Jährigen und für vorbelastete Erwachsene die neuen RSV-Schutzimpfungen.
Es gibt also den Rat der Fachgesellschaften, und es gibt Impfstoffe, die in deutschen Apotheken zu haben sind – aber es gibt auch ein Problem. Denn es gibt aktuell keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Das heißt: Wer vor der RSV-Hochsaison von November bis Februar eine Impfung möchte, muss die Kosten dafür in der Regel selbst tragen.
Impfung gegen RS-Virus: Die Empfehlung der Stiko fehlt – noch
Von den neuen Medikamenten werden derzeit nur Familien profitieren, die die Impfung selbst bezahlen können, denn die RSV-Impfung gehört nicht zu den Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Das würde sich erst mit einer Empfehlung der Stiko ändern. Dort werden aktuell mehrere Studien durchgeführt, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Nachfrage von wa.de mitteilt. Aber: „Ein genauer Zeitpunkt für eine Empfehlung ist derzeit noch nicht absehbar.“
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Das RKI verweist jedoch darauf, dass eine Kostenübernahme auch individuell bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden kann. Es liege in der ärztlichen Verantwortung, mit Patienten die individuelle gesundheitliche Situation einzuschätzen und auf weitere Schutzmöglichkeiten hinzuweisen. „Insofern ist eine fehlende Stiko-Empfehlung kein Hindernis für eine begründete Impfung.“ Die Techniker-Krankenkasse etwa übernimmt nach eigener Darstellung die Kosten für die neue RSV-Prophylaxe für „Frühgeborene und Säuglinge mit schweren Herz- und Lungenerkrankungen oder einer Immunschwäche haben ein besonderes Risiko für einen schweren Verlauf“.
In diesem Winter wird es also noch nichts mit dem flächendeckenden RSV-Schutz. Und 2024? Der Virologe Klaus Überla von der Stiko geht davon aus, dass es im kommenden Jahr eine Empfehlung – oder Nicht-Empfehlung – zu den neuen RSV-Impfstoffen geben wird. „Wir müssen ganz sicher sein, dass die Impfung keine Nebenwirkungen oder vertretbare Nebenwirkungen hat“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk.
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