Viele Personalausfälle

Corona in NRW-Kliniken: Es sind nicht die Patienten, die Probleme machen

Die Corona-Zahlen in NRW steigen. Auch Kliniken bekommen das zu spüren. „Die Lage ist herausfordernd“, heißt es – allerdings nicht wegen der Corona-Patienten selbst.

Hamm - „Wir stecken mitten in einer Corona-Welle.“ Das schrieb der Gesundheitsminister von Österreich Ende November beim Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter). Auch Influenza, also die Grippe, nehme Fahrt auf. In einigen Krankenhäusern wurden mittlerweile strengere Maßnahmen ergriffen. Auch in den Kliniken in Nordrhein-Westfalen spielen Maske und Corona-Tests wieder vermehrt eine Rolle. Doch es sind nicht etwa schwere Verläufe und volle Intensivbetten, die Sorgen bereiten. Die steigenden Corona-Fälle bringen ein anderes Problem mit sich.

Corona-Zahlen steigen wieder – Kliniken in NRW spüren Anstieg

Die Zahlen steigen. Das ist ein Satz, den die Menschen in den vergangenen Jahren oft gehört haben – und im Jahr 2023 nicht mehr hören wollen. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Zahl der Corona-Fälle in diesen Tagen wieder steigt. Das NRW-Gesundheitsministerium mahnt deshalb zu besonnener Vorsicht und rät, bei Erkältungssymptomen immer einen Corona-Selbsttest zu machen.

Auch wenn das Corona-Niveau im Vergleich zu den Vorjahren noch recht niedrig sei, wie Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) jüngst betonte, spüren auch die Krankenhäuser in NRW den Anstieg. „Wir sehen eine steigende Zahl an Infektionen − sowohl bei Patienten als auch bei den Mitarbeitern“, teilt Charlotte Hoppe, Sprecherin der St. Vincenz-Kliniken in Paderborn, auf Anfrage von wa.de mit.

In den NRW-Kliniken sind es nicht die Patienten, die wegen Corona Probleme machen.

Mehr Corona-Fälle in Kliniken in NRW – „Situation ist herausfordernd“

Derzeit sei die Auslastung der Betten hoch, es gebe jedoch noch genug Kapazitäten. Die Isolierstation habe noch nicht wieder in Betrieb genommen werden müssen. „Schwere, intensivpflichtige Fälle sind aktuell sehr selten und betreffen Patienten in hohem Alter mit Begleiterkrankungen“, so Hoppe. Trotzdem betont die Sprecherin: „Die Situation ist herausfordernd, da die Personalsituation durch Krankmeldungen angespannt ist und gleichzeitig die Isolationsmaßnahmen einen hohen Aufwand erfordern.“

In den St. Vincenz-Kliniken plane man derzeit trotzdem „keine Verschärfungen wie anlasslose Testung oder eine generelle Maskenpflicht“. Bei Symptomen wie Fieber oder Atemwegsinfektionen würden Patienten auf Corona getestet werden. Und auch Mitarbeiter mit Symptomen, die nicht krankgeschrieben sind, seien dazu aufgefordert, einen Corona-Test zu machen. Zudem müssen sie laut Hoppe eine Maske tragen.

„Corona ist eher ein relevantes Thema für Personalausfälle“

Auch Professor Dr. Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie des Universitätsklinikums Essen, sieht „auf keinen Fall“ eine dramatische Lage beim Thema Corona. „Patientenseitig sind wir nicht in einer komplizierten Situation“, so Witzke im Gespräch mit wa.de. „Es ist eine Rarität, dass Patienten auf der Intensivstation landen.“

„Corona ist derzeit eher ein relevantes Thema für die Personalausfälle, die uns in einem viel größeren Ausmaß bedrohen als die erkrankten Patienten“, betont der Arzt.

Auch am Universitätsklinikum Essen wurde bislang keine generelle Masken- oder Testpflicht ausgesprochen. Lediglich in bestimmten Risikobereichen seien Mitarbeiter aufgefordert, eine Maske zu tragen. Laut Witzke arbeiten allerdings mittlerweile viele Mitarbeiter freiwillig mit Mundschutz. Gleiches gelte für das Testen.

Uniklinik Münster empfiehlt Maske für Mitarbeiter – „vorbeugende Maßnahme“

Am Universitätsklinikum Münster (UKM) ist jüngst „eine Empfehlung zum Tragen eines medizinischen Mundschutzes an die Mitarbeitenden der patientenführende Bereiche“ ausgesprochen worden. Dies sei eine vorbeugende Maßnahme, betont UKM-Sprecherin Anja Wengenroth auf Anfrage. In den vergangenen Wochen sei zu beobachten gewesen, dass aufgrund des Winter-Einbruchs allgemein die Zahl an Infekten ansteige, allerdings „Jahreszeiten-typisch“, so Wengenroth.

Auch am Klinikum Dortmund nimmt man seit Sommer eine „langsame Zunahme“ von Patienten mit Corona-Infektion wahr. Die Zahlen seien allerdings seit Ende Oktober relativ stabil, teilt Klinik-Sprecher Matthias Lackmann mit. Schwere Verläufe seien in diesem Jahr selten. „Patienten kommen mit und sehr selten wegen Covid-19 ins Klinikum.“ Patienten mit Symptomen oder einer nachgewiesenen Infektion der Atemwege werden laut Lackmann isoliert und spezifisch behandelt.

Mitarbeiter und Patienten würden am Klinikum Dortmund „bei Bedarf“ eine Maske tragen, heißt es weiter. Es besteht also keine Pflicht. „Die präventiven Maßnahmen werden immer an die aktuelle Infektionslage angepasst. Bei derzeit stabiler Lage ergibt sich für das Klinikum Dortmund noch keine Notwendigkeit für eine Verschärfung der Maßnahmen“, erklärt der Klinik-Sprecher.

Was sich seit Anfang November laut Lackmann deutlich zeigen würde, sei ein starker Anstieg von RSV-Fällen. Diese betreffe fast ausschließlich die Kinderklinik und führe zu einer hohen Auslastung. Zwei Impfstoffe gegen das RS-Virus wurden Mitte 2023 zugelassen, eine offizielle Empfehlung zur Impfung gibt es hierzulande aber noch nicht. Das sorgt für Kritik.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner

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