Zwei Impfstoffe verfügbar

Noch keine Empfehlung zur Impfung gegen RSV – „eine Niederlage fürs System“

Mitte 2023 wurden zwei Impfstoffe gegen des RS-Virus (RSV) zugelassen. Eine offizielle Empfehlung zur Impfung gibt es hierzulande aber noch nicht. Das sorgt für Kritik.

Hamm - Im Sommer 2023 wurden in der Europäischen Union zwei Impfstoffe zugelassen, mit deren Hilfe bestimmte Personengruppen gegen das RS-Virus (RSV) geschützt werden können. Der Erreger gefährdet vor allem Säuglinge und Kleinkinder, aber auch ältere und vorerkrankte Erwachsene. Doch die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bislang noch keine Empfehlung für eine RSV-Impfung ausgesprochen. Professor Dr. Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie am Uniklinikum Essen, findet das „traurig und nicht gut“.

RSV-ImpfstoffHerstellerZulassungsdatum
Ab­rys­voPfi­zer 23.08.2023
Ar­exvyGla­xoS­mit­h­Kli­ne06.06.2023

RSV-Impfung für Schwangere und Personen über 60 Jahre schon verfügbar

Laut aktuellem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hat die RSV-Aktivität in den vergangenen Wochen „deutlich zugenommen“. Die RSV-Welle habe begonnen – zeitgleich mit steigenden Corona-Zahlen. Das Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen mahnte jüngst angesichts der zunehmenden Atemwegserkrankungen zu besonnener Vorsicht. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann betonte die Wichtigkeit von Corona- und Grippeimpfungen.

Das unterstreicht auch Professor Dr. Witzke. Und gerne würde er wohl auch zur RSV-Impfung raten. Doch noch gibt es seitens der Stiko keine Empfehlung zu den RSV-Impfstoffen – und damit auch keine eindeutige Regelung zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Auf Nachfrage teilte die Stiko im November mit, dass aktuell noch mehrere Studien laufen würden. Ein genauer Zeitpunkt für eine Empfehlung sei noch nicht absehbar. So lange gilt die Impfung nicht als Kassenleistung.

Noch keine Empfehlung zur Impfung gegen RSV – „eine Niederlage fürs System“

„Ich kann nicht verstehen, dass die Stiko es noch nicht geschafft hat, eine Empfehlung für die RSV-Impfstoffe zu formulieren“, sagt Witzke im Gespräch mit wa.de und verweist auf Nachbarländer wie Österreich, wo bereits offizielle Empfehlungen für Schwangere, Vorerkrankte und Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr ausgesprochen wurden. „Es ist eine Niederlage fürs System, dass wir uns nicht zu einer Empfehlung durchringen können“, meint der Chef-Infektiologe. „Die Impfstoffe scheinen recht gut zu wirken, vor allem vor schweren Verläufen.“

Zwei Impfstoffe gegen RSV zugelassen

Die beiden zugelassenen Impfstoffe gegen das RS-Virus richten sich an unterschiedliche Personengruppen. Während Arexvy für Menschen ab 60 Jahren gedacht ist, kann das Pfizer-Produkt Abrysvo zusätzlich auch an Schwan­ge­re zum Schutz des Säug­lings verimpft werden. Der Schutz des Babys hält nach der Ge­burt bis zu ei­nem Al­ter von sechs Mo­na­ten an. Moderna, hierzulande bekannt durch seinen Corona-Impfstoff, arbeitet ebenfalls am Impfschutz gegen RSV. Zur RSV-Prophylaxe für Säuglinge wurde auch das Präparat Beyfortus von Astrazeneca und Sanofi zugelassen.

Noch ist die Impfung keine Kassenleistung. Schwangere, die die Impfung an Anspruch nehmen möchten, sollten daher Kontakt mit ihrer Krankenkasse aufnehmen und eine Kostenzusage einholen, rät der Berufsverband der Frauenärzte (BVF). Der Verband stellt auch eine Vorlage „Kostenerstattung der RSV-Impfung nach ärztlicher Empfehlung“ zur Verfügung, die man zum Termin mitnehmen und von Arzt oder Ärztin ausfüllen lassen kann.

Witzke sei froh, „dass das RSV für Erwachsene identifiziert ist“. Man habe bis vor wenigen Jahren nur die Kinder im Blick gehabt und erst „in den letzten Jahren gelernt, dass alte und kranke Patienten auch betroffen sind“. Für diese Personengruppe sei das Virus durchaus gefährlich.

Rubriklistenbild: © Alberto Ortega / dpa

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