Gelsenkirchen

Ausgerechnet jetzt: Jugendkriminalität steigt rasant – aber Polizei hat seit Monaten keinen Chef mehr

Die Polizei in Gelsenkirchen steht seit Monaten ohne Chef da. Unterdessen steigt die Jugendkriminalität in der Stadt stark an.

Gelsenkirchen – Gelsenkirchen hat ein massives Problem mit Jugendkriminalität: An mehreren Schulen sind Minderjährige regelrecht auf Raubzüge gegangen. Auch im Umkreis der Innenstadt werden Menschen häufig zum Opfer von Gewalttaten. Die Polizei konnte bereits erste Ermittlungserfolge verbuchen. Aber: Ausgerechnet jetzt ist die Position der Behördenleitung vakant - und das schon lange. Seit mehr als sieben Monaten hat die Stadt keinen Polizeichef.

Polizei Gelsenkirchen seit Monaten ohne Chef: Vakanz in anderen Städten schneller behoben

Bereits seit dem 1. August 2022 wird das Polizeipräsidium kommissarisch vom leitenden Polizeidirektor geführt. Der Zeitraum ist besonders lang. Zum Vergleich: In Krefeld wurde bereits nach rund einem Monat ein neuer Polizeichef eingestellt. Auch in vielen weiteren Städten konnte die Vakanz schnell behoben werden:

  • Bielefeld: 1. April 2022 bis 30. September 2022
  • Essen: 1. November 2022 bis 22. Januar 2023
  • Hamm: 1. Juni 2021 bis 30. September 2021
  • Münster: 25. April 2022 bis 1. Mai 2022
Seit weit über einem halben Jahr ist die Behördenleitung der Polizei Gelsenkirchen unbesetzt. (Symbolbild)

Gelsenkirchen seit Monaten ohne Polizeichef: Kritik an Innenminister Herbert Reul

Die Problematik sorgte auch über die Grenzen von Gelsenkirchen hinaus für Gesprächsstoff und ist Thema in der Landespolitik von NRW. Mit Blick auf den fehlenden Polizeichef stellten die beiden Abgeordneten Christin Siebel und Sebastian Watermeier (beide SPD) im Rahmen einer kleinen Anfrage im Landtag die Frage: Was macht Innenminister Herbert Reul? Bürger und Polizisten müssten sich darauf verlassen können, dass die Landesregierung die Behördenleitung verantwortungsvoll und schnell neu vergeben wird, heißt es in der Anfrage. „Minister Herbert Reul unternimmt jedoch scheinbar bisher keinerlei Aktivitäten, um diesen Eindruck zu widerlegen und die Leitung schnellstmöglich wieder zu besetzen“, so die Politiker.

NRW-Innenminister Herbert Reul.

NRW-Landesregierung: Auswahl von Polizeichef bedarf „größtmöglicher Sorgfalt“

Doch warum dauert es gerade jetzt in Gelsenkirchen so lange? „Angesichts der großen Herausforderungen, die mit der Leitung eines Polizeipräsidiums verbunden sind, bedürfen diese [...] größtmöglicher Sorgfalt“, so die NRW-Landesregierung. Aktuell laufen in Gelsenkirchen die internen Abstimmungen zur Nachbesetzung der Leitungsposition: „Der Landesregierung wird baldmöglichst ein Personalvorschlag zur Nachbesetzung unterbreitet werden“. Bei der Wahl des neuen Polizeipräsidenten stünden zwei Prinzipien im Fokus:

  • Das Prinzip der Bestenauslese: Die „Eignung, Befähigung und fachliche Leistung“ des Bewerbers.
  • Das Maß des „besonderen Vertrauens, das die Landesregierung den potenziellen Leitungen im Hinblick auf eine bestmögliche Umsetzung ihrer sicherheitspolitischen Vorstellungen entgegenbringt“.

Raubzüge von Teenie-Banden: Polizei Gelsenkirchen richtet Ermittlungskommission ein

Tatenlos ist die Gelsenkirchener Polizei in der Zwischenzeit bei weitem nicht. Die Polizistinnen und Polizisten vor Ort haben bereits im September die Ermittlungskommission „König“ ins Leben gerufen – eigens zur Bekämpfung der Jugendkriminalität. Das Ergebnis innerhalb weniger Monate: 165 Straftaten, 92 Tatverdächtige, der Großteil davon noch minderjährig.

Jugendkriminalität in NRW: Jeder fünfte Tatverdächtige war in 2022 unter 21 Jahre

Damit steht Gelsenkirchen nicht alleine dar. Landesweit beklagen Anwohner Probleme mit gewalttätigen Jugendlichen und Kindern. Zuletzt sorgten beispielsweise rund zwei Dutzend Krawall-Kinder für Unruhe in Hamm. Ebenso in Oberhausen: Dort kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Straftaten von Minderjährigen – besonders im Umkreis vom Centro.

Das deckt sich mit der Statistik, die die Landesregierung von NRW kürzlich veröffentlichte. Im vergangenen Jahr war jeder fünfte Tatverdächtige jünger als 21. Innerhalb von nur sieben Jahren ist die Anzahl der Tatverdächtigen unter 14 Jahren um mehr als 50 Prozent angestiegen. (mg)

Rubriklistenbild: © Malte Ossowski/Sven Simon/Imago

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