Übernahme durch Konkurrent

Großer Stellenabbau bei Gigaset - doch die Insolvenz ist abgewendet

Der Telefonhersteller Gigaset aus Bocholt hat die Insolvenz abgewendet. Er wird von einem Konkurrenten geschluckt. Es gibt allerdings einen massiven Stellenabbau.

Bocholt - Gute und zugleich schlechte Nachricht für den bekannten Festnetztelefon- und Smartphone-Hersteller Gigaset. Die Gute: Das Unternehmen mit Sitz in Bocholt (NRW) hat die Insolvenz abgewendet. Es wurde für rund 30 Millionen Euro an den Elektronik-Konzern VTech Holdings aus Hongkong verkauft, der am Standort im Kreis Borken festhalten möchte. Die Schlechte: 189 Stellen werden abgebaut, davon 170 in Bocholt.

UnternehmenGigaset Communications
Gründung1. Oktober 2008, München
HauptsitzBocholt (NRW)

Gigaset wird von VTech gekauft: Entlassungen am Standort Bocholt

Bei 80 Beschäftigen laufen die befristeten Verträge aus oder sie gehen in Rente, die restlichen 109 Mitarbeiter werden entlassen. Sie haben die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. „Das ist ein schwerer Schlag und das bedauere ich sehr“, sagte der Gigaset-Vorstandsvorsitzende Dr. Magnus Ekerot dem WDR. Den Stellenabbau stellt er als alternativlos dar: „Entweder das – oder wir schließen die Firma.“

Gigaset wird nach den Kürzungen noch 437 Angestellte haben, davon 408 am Hauptsitz im Kreis Borken. Das sagte ein Unternehmenssprecher dem Tech-Portal heise online. Demnach werde auch „die Position des Standortes Bocholt durch die Käuferin VTech perspektivisch deutlich gestärkt und gesichert.“ Die Übernahme soll voraussichtlich am 2. April 2024 abgeschlossen sein.

Die Gigaset AG hatte im September 2023 einen Antrag auf Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens sowie eines Verfahrens in Eigenverwaltung für Firmentochter Gigaset Communications gestellt. Anfang Januar eröffnete das Amtsgericht Münster das Regelinsolvenzverfahren.

Gigaset: Schwäche im Kerngeschäft führte in die Insolvenz

Gigaset ist ein großer Player im Bereich der Schnurlostelefone nach dem DECT-Standard (schnurlos, aber ortsgebunden). Hier ist das Unternehmen nach eigenen Angaben Marktführer in Europa. Allerdings lahmt das Geschäft schon seit längerer Zeit, vor allem im Kernbusiness. Immer mehr Menschen sehen offenbar keinen großen Sinn darin, neben dem ohnehin vorhandenen Handy noch einen festen Apparat für Daheim zu kaufen. Ursache für den Gang in die Insolvenz sei im Wesentlichen ein unerwarteter und erheblicher Umsatzrückgang im zweiten Halbjahr 2023 und eine deutlich unter den Planungen liegende Geschäftsentwicklung.

VTech sieht sich als größter Hersteller von Festnetztelefonen in den USA, ist aber auf elektronische Lernprodukte für Babys und Vorschulkinder spezialisiert. 

Mit der Ritzenhoff AG aus Marsberg hat kürzlich ein weiteres Traditionsunternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Den selben Schritt gingen der Schmiernippel-Weltmarktführer Umeta aus Bielefeld und die Modekette Wormland. In Hagen schließt mit Westfalia ein bekannter Fachmarkt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare