Hagen
Westfalia-Fachmarkt kurz vor Schließung: „Die Stimmung ist im Keller“
Der Westfalia-Fachmarkt ist eine Institution in Hagen, zum 31. März muss er aber schließen. „Die Stimmung ist im Keller“, sagt der Marktleiter.
Hagen - Der Westfalia-Markt ist eine Institution in Hagen. Bastler und Handwerkerprofis aus der Region fanden hier, was sie anderswo nicht fanden. Doch bald ist Schluss. Nach Jahrzehnten wird der Werkzeughandel schließen und das markante blau-weiße Logo an dem Gebäude in der Pettenkoferstraße verschwinden. „Die Stimmung ist im Keller“, sagt Marktleiter Martin Sterl.
Westfalia-Fachmarkt vor dem Aus: „Die Stimmung ist im Keller“
Martin Sterl (62) ist seit 20 Jahren bei Westfalia. Ein 21. wird es nicht geben. Der 31. März 2024 ist offiziell der letzte Tag für das Geschäft. Einige seiner Mitarbeiter haben den letzten Arbeitstag bei Westfalia bereits hinter sich. Sie suchten sich neue Jobs, nachdem das vor allem für seinen Versandhandel bekannte Gesamtunternehmen mit insgesamt gut 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Herbst 2023 - im 100. Jahr seines Bestehens - Insolvenzantrag stellte.
15 Menschen sind aktuell noch im Westfalia-Fachmarkt beschäftigt. Im Laufe des kommenden Wochen könnten es weniger werden. „Nach und nach gehen die Mitarbeiter. Ich lege ihnen keinen Stein in den Weg. Da finden wir eine Lösung“, sagt Sterl im Gespräch mit wa.de. Wie seine Mitarbeiter hatte auch er auf ein Fortbestehen des Geschäfts gehofft – vergeblich. „Die Zeichen, dass der Markt nicht weitergeführt wird, waren schon da. Aber wir hatten noch Hoffnung“, sagt der 62-Jährige. Mitte Januar war dann klar, dass es an der Pettenkoferstraße nicht weitergehen würde.
Er selbst hatte nach Bekanntwerden der Insolvenz einen leidenschaftlichen Facebook-Post verfasst und viel Zuspruch bekommen. „Wat? Mein Lieblingsladen“, lautete einer der vielen Kommentare, „Kenne ich schon seit meiner Kindheit, sehr schade“, ein anderer. Oder: „Ein Laden, in dem du alles bekommen hast. Wenn es was nicht gab, wurde es besorgt.“ So sieht es auch Sterl. „Es spielte für die Kunden keine Rolle, ob der Laden besonders schön aussah. Sie sagten, dass sie hier Dinge finden, die es nicht überall gibt. Dafür stehen wir.“
Westfalia in Hagen: Erst Lagerverkauf, dann Räumungsverkauf
Nun muss er mit ansehen, wie die Dinge aus den Regalen verschwinden. Der Westfalia-Markt wirbt derzeit mit einem Lagerverkauf: „Nur solange der Vorrat reicht“. Sterl rechnet mit dem Start des Räumungsverkaufs in der zweiten Februarhälfte: „Das wird nochmal heftig und die Stimmung verschlechtern.“ Auch über Internetseite „westfalia.de“ werden viele Produkte im „Super Sale“ angeboten.
Wie es für die anderen Unternehmensteile weitergeht, ist offen. Das zuständige Hagener Gericht hat am 1. Januar 2024 das Insolvenzverfahren für alle vier Gesellschaften eröffnet, für die am 19. Oktober ein Antrag gestellt worden war.
Mit der Ritzenhoff AG aus Marsberg hat kürzlich ein weiteres Traditionsunternehmen aus Westfalen einen Insolvenzantrag gestellt. Den selben Schritt gingen der Schmiernippel-Weltmarktführer Umeta aus Bielefeld und die Modekette Wormland.
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