Anfrage ans Umweltministerium
Land baut auf neue Analytik zur Bewertung des PCB-Problems im Grubenwasser
„Kaum zu messen“ hieß es bisher zur Frage nach der Filtration des Ultragifts PCB bei der Wiedereinleitung von Grubenwasser in die Lippe. Dank neuer Analytik gilt das nicht mehr. Ob’s Filter aber geben muss, bleibt noch offen.
Bergkamen/Düsseldorf – Die Bergbehörde bei der Bezirksregierung Arnsberg soll auch das wasserrechtliche Verfahren zur Wiedereinleitung von Grubenwasser in die Lippe führen. Aufseiten des Landes wird die angekündigte Antragstellung der RAG im dritten Quartal 2024 erwartet. Das hat das NRW-Umweltministerium auf Anfrage von wa.de mitgeteilt. Dabei gibt es zudem erste Hinweise zum Umgang mit dem hochgiftigen PCB im Grubenwasser.
Bergbehörde der Bezirksregierung Arnsberg zuständig
Mit der Zuweisung an das Bergamt liegen Genehmigung und Begleitung des aktualisierten Grubenwasserkonzeptes in einer Hand. Die Bergbehörde ist bereits in originärer Zuständigkeit mit der beantragten Ergänzung des Abschlussbetriebsplans für die ehemalige Schachtanlage Haus Aden bezüglich des Grubenwasseranstiegs befasst.
Zur Reduzierung des Schadstoffaustritts soll der festgelegte Anstieg des Wassers noch einmal erhöht und das Pumpen über den dafür umgebauten Schacht Aden 2 bei steigendem Niveau flexibler ermöglicht werden.
Zunächst Anstieg von -980 auf -600 Meter geplant
Von der 980-Meter-Sohle wurde das Wasser in den Jahrzehnten des Kohleabbaus abgepumpt und bis 2019 in die Lippe abgeschlagen. Das Grubenwasserkonzept von 2014 sieht vor, das Niveau bis -600 Meter ansteigen zu lassen, weil das die Schadstofffracht verringere. Das Szenario fußt auf zwei umfangreichen Gutachten des Landes zur Schadstofflage durch den Abbaubetrieb mit PCB-haltigen Hydraulikölen sowie und den Versatz von aufbereiteten belasteten Abfällen bei der Hohlraumverfüllung.
Die Expertise von 2017/18 empfiehlt, einen weiteren Anstieg zu prüfen, um Wasser in besserer Qualität zutage zu fördern. Dafür hat die RAG den Anstieg bis auf -380 Meter beantragt. Das soll aber nicht mehr fix ab diesem Punkt geschehen. Die RAG ist auf ein Pump-Management umgeschwenkt. Sie will nun bei -600 Meter ab Anfang 2026 Teilmengen heben, bis wohl Mitte der 2030er Jahre die -380-Meter-Marke für den Dauerbetrieb erreicht ist.
Grundzüge 2007 im Erblastenvertrag fixiert
Das verspricht eine deutliche Verringerung des Salzgehalts, der dem Wasser über Tage aufwendig entzogen werden müsste. Die Grundzüge der Wasserhaltung – steigendes Niveau zur Verringerung der Schadstoffe und des Energieeinsatzes beim Pumpen – sind schon seit 2007 im Erblastenvertrag zwischen Band, Land und RAG skizziert.
These: Keine Schwebstoff mehr mit PCB-Anhaftung
Die laufende Beobachtung der Pegel nach Abschalten der Pumpen an Schacht Aden 2 hat zu der Erkenntnis geführt, dass durch das Pump-Management besonders salziges Wasser in der Tiefe gehalten und von weniger salzigem überströmt werden kann. Zugleich würde nach diesen Szenarien der Anteil der Schwebstoffe annähernd auf null sinken – und mit ihm zumindest der anhaftende PCB-Gehalt.
Das und mehr ist Teil des aktualisierten Grubenwasserkonzepts 2024, das NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubauer (Grüne) dem Unterausschuss Bergbausicherheit des Landes zur Sitzung am 24. September vorlegt.
Es bleibt aber noch die Frage nach dem im Wasser gelösten PCB. Dazu hieß es bisher, es sei in seiner geringen Konzentration kaum zu erfassen und der Effekt der versuchsweisen Reinigung nicht zu bewerten.
Feststofffiltration war im Pilotversuch wirksam
In der Pilotanlage hat sich für das Grubenwasser von der 980-Meter-Sohle die Feststofffiltration als wirksam erwiesen. Nur wird nach Anstieg des Niveaus das Wasser eine andere Zusammensetzung haben, in der kaum Feststoffe erwartet werden. Als schwierig galt bei dieser Bewertung im Jahr 2020, die Testergebnisse auf den Maßstab der Hebeanlage zu übertragen, die bis zu 14,6 Millionen Kubikmeter jährlich in die Lippe pumpen soll.
Die Messbarkeit beurteilt der Expertenkreis PCB des Landes inzwischen anders. Nach Weiterentwicklung der Analytik im Auftrag der RAG ließe sich nun „eine genormte Methode für das PCB-Überwachungsverfahren für Oberflächengewässer und Grubenwasser“ empfehlen“, teilte das Haus von Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) auf Anfrage von wa.de mit. Die Auskunft wurde mit dem für den Bergbau zuständigen Wirtschaftsressort abgestimmt.
Hintergrundbelastung jetzt zur Abgrenzung messbar
Das neue Verfahren ermögliche, „die PCB-Hintergrundbelastung in Gewässern messtechnisch zu erfassen. Nur wenn die Hintergrundbelastung und eine Reduktionsleistung möglicher Aufbereitungsverfahren zur PCB-Behandlung im Grubenwasser in der Flüssigphase erfassbar sind, können diese auch gesteuert und auf ihre Wirksamkeit beurteilt werden.“
Genaue Bewertung erst mit konkreten Antagsdaten
Das könne in Abhängigkeit zu den konkreten Mengen und Inhaltsstoffen aber erst aufgrund der zu prüfenden Antragsdaten geschehen. Dort wird wohl zwischen dem Machbaren und Zumutbaren abzuwägen sein. Denn weiter heißt es zu dem heiklen Punkt: „Hiermit soll die noch offene Frage geklärt werden, ob angesichts der zu erwartenden geringen Konzentrationen an PCB (...) der Einsatz von Technologien zur Elimination von PCB in der Flüssigphase geeignet und in Ansehung der Reinigungseffekte sowie der vorhandenen Hintergrundbelastung in den Gewässern verhältnismäßig ist.“

