Gar nicht so lecker

Eine kleine Verwechslung kann die komplette Steinpilzernte ruinieren

Eine kleine Verwechslung und die Steinpilzpfanne wird komplett ungenießbar. Wie ein unscheinbarer Doppelgänger den kulinarischen Totalausfall verursacht.

Im Wald liegen Genuss und Enttäuschung oft nah beieinander: Steinpilze gelten als Delikatesse, doch ihr bitterer Doppelgänger, der Gallenröhrling, wächst häufig im selben Revier. Ein kleiner Fehlgriff genügt und die mühsam gesammelte Pilzernte wird ungenießbar. Was wie ein kleiner Irrtum beim Sammeln beginnt, endet in einer bitteren Überraschung auf dem Esstisch.

Nur ein falscher Griff und die Steinpilzernte ist wertlos – Gallenröhrling.

Der Gallenröhrling ist nicht giftig, aber seine Bitterkeit schlägt gnadenlos zu. Schon ein einziges Exemplar reicht aus, um eine ganze Pilzpfanne ungenießbar zu machen. Die Bitterstoffe sind so kräftig, dass sie selbst durch Kochen nicht verschwinden – manche sagen sogar, sie werden dadurch noch intensiver. Welche chemischen Verbindungen genau dafür verantwortlich sind, ist noch nicht abschließend erforscht. Fest steht: Sie aktivieren die menschlichen Bitterrezeptoren so zuverlässig, dass sogar ein Brechreiz auftreten kann.

Steinpilz vs. Gallenröhrling – So gelingt die Bestimmung

Wichtig: Nehmen Sie nur Pilze mit, die Sie zu 100 % sicher bestimmen können. Die „100 %-Regel“ schützt vor Bußgeldern und Vergiftungen. Wer zu viele Pilze sammelt, risktiert ebenfalls saftige Strafen.

Beide Pilze tragen einen braunen, gewölbten Hut. Beim Steinpilz wirkt die Oberfläche oft samtig und trocken, während der Gallenröhrling manchmal leicht filzig erscheint. Die Farbtöne reichen bei beiden von hell- bis dunkelbraun. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist das jedoch nicht, denn Wind, Regen und Alter verändern das Aussehen schnell. Der entscheidende Test beginnt an der Hutunterseite. Steinpilze zeigen hier zunächst weiße, später gelblich bis grünliche Röhren. Beim Gallenröhrling hingegen verfärben sich die Röhren mit zunehmendem Alter schmutzig rosa bis rosabraun. Dieser Unterschied fällt besonders bei älteren Exemplaren ins Auge. Ein geübter Blick erkennt: Rosa Röhren sind ein Warnsignal.

Bei älteren Gallenröhrlingen sind die rosafarbenen Stellen ein entscheidender Hinweis.

Auch der Stiel hilft bei der Bestimmung. Der Steinpilz trägt ein feines, weißes bis bräunliches Netz, das sich wie ein zartes Muster über den hellen Stiel zieht. Der Gallenröhrling dagegen zeigt ein grobes, dunkelbraunes Netz auf hellem Grund. Dieses dunkle Muster wirkt fast wie ein Gitter und hebt sich deutlich vom Rest des Stiels ab. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zeigt sich beim Anschneiden. Das Fleisch des Steinpilzes bleibt immer weiß, egal wie alt der Pilz ist. Der Gallenröhrling jedoch kann an der Stielspitze leicht rosafarben anlaufen. Wer unsicher ist, schneidet ein kleines Stück ab und beobachtet die Verfärbung – ein einfacher Trick, der oft die Entscheidung bringt. Diese Wegweiser helfen übrigens beim Steinpilzesammeln.

Gallenröhrling (links) und Steinpilz (rechts) können sich sehr ähnlich sehen. Das Netzmuster hilft oft bei der Unterscheidung.

Der Steinpilz verströmt ein angenehm nussiges, kräftiges Aroma. Der Gallenröhrling riecht hingegen oft neutral oder leicht unangenehm. Ein Geschmackstest ist zwar möglich, aber riskant: Die Bitterkeit des Gallenröhrlings ist so stark, dass sie schon bei kleinsten Mengen den Gaumen überwältigt. Das gilt auch später beim Kochen: Einmal im Gericht, lässt sich der bittere Geschmack nicht mehr entfernen. Bei bestimmten Anzeichen sollte man aber auch den Steinpilz nicht mehr genießen.

Nicht jeder schmeckt den bitteren Unterschied

Ob das Pilzgericht tatsächlich zur geschmacklichen Katastrophe wird, hängt auch vom eigenen Erbgut ab: Die Fähigkeit, Bitterkeit wahrzunehmen, ist genetisch festgelegt. Manche Menschen, sogenannte ‚Nichtschmecker‘, bemerken die Bitterstoffe des Gallenröhrlings kaum – für sie bleibt das Gericht genießbar, während andere angewidert reagieren. Doch auch unter den Nichtschmeckern gilt: Die Bitterkeit des Gallenröhrlings ist meist so stark, dass sie selten ganz unbemerkt bleibt.

Verwechslungsgefahr: Die leckersten deutschen Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern

Ein voller Korb mit frischen Pilzen im Wald, während ein Sammler bei Regen neue Funde begutachtet.
Es ist wieder ist Pilzzeit
Gallenroehrling, Gallen-Roehrling, Gemeiner Gallenroehrling (Tylopilus felleus), zwei Fruchtkoerper auf bemoostem Waldboden
Flockenstieliger Hexenröhrling
Verwechslungsgefahr: Die leckersten deutschen Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern

Die Bitterkeit des Gallenröhrlings erfüllt in der Natur einen Zweck. Sie schützt den Pilz vor Fressfeinden und sorgt dafür, dass er meist verschmäht wird. Doch auch medizinisch ist der Pilz interessant: Seine Inhaltsstoffe werden auf mögliche gesundheitsfördernde Effekte untersucht, etwa als Immunstimulanz oder Lipasehemmer (z.B. Abnehmpillen). Die Wirkung der Bitterstoffe beschränkt sich zudem nicht nur auf die Zunge – auch im Verdauungstrakt können sie Beschwerden auslösen. Ein einziger Gallenröhrling genügt, um aus einer Steinpilzpfanne eine bittere Enttäuschung zu machen. Nur eine sichere Bestimmung schützt vor dem kulinarischen Totalausfall – und bewahrt den Genuss der Steinpilzernte. Hier gibt es Tipps zum Putzen der Steinpilze.

Rubriklistenbild: © IMAGO / H. Duty

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