Viele Ideen für Hammer Südstraße
"Pirates" und mehr: Karsten Plaß mischt die Meile auf
HAMM - Karsten Plaß, "Kapitän" der Rock-Kneipe "Pirates", will die Hammer Meile keinesfalls untergehen lassen. Nach seinem zweiten Laden, dem "King's Pub", liebäugelt er nun mit einem dritten. Lesen Sie hier mehr über die Ideen, die dem 44-Jährigen im Kopf herumspuken.
Von Kathrin Bastert
Manche Entscheidung trifft man am besten aus dem Bauch heraus. Andere wollen wohl überlegt sein. Ideal ist es, wenn beides zusammen passt. Karsten Plaß’ Entscheidung, unter die Südstraßen-(Meilen-)Wirte zu gehen, war Sache des Bauches. Aus dem „Pirates“ eine Rock- und Metalkneipe zu machen, war vernünftig, rational – Kopfsache eben. Nachts um drei entdeckt Plaß das „Zu vermieten“- Schild am Haus Südstraße 10. Ob man den Vermieter wohl mitten in der Nacht anrufen kann? Der Bauch sagt ja, und so entsteht aus der Bierlaune heraus der Kontakt zum Besitzer der „Pirates“-Immobilie.
Der 44-jährige Plaß hatte vor dieser Nacht im Jahre 2007 schon ein bisschen was gesehen von der Welt. Nach seiner Ausbildung zum Elektriker bei den
Lesen Sie auch:
Segelschiff auf der Meile: Pirates plant Anbau
200 Metal-Fans feiern friedliche Party auf der "Moni"
Aus Passagierschiff wird Metal-Festival
Hammer Stadtwerken geht er für zwei Jahre zur Bundeswehr. „Dienst an der Waffe“, sagt er und schmunzelt. Zu dem Typ, der das zwei Jahrzehnte später erzählt, mag das so gar nicht passen. Er bleibt auch nicht lange, geht dann für fünf Jahre für Siemens auf Montage, vor allem in Asien – „überall da, wo man gerne Urlaub macht.“ Richtig erfüllen kann den jungen Hammer dieses Leben nicht – auch, weil es ein Leben ist, das Partnerschaft kaum zulässt.
Zurück in Hamm gründet Plaß 1996 zusammen mit Thorsten Tenkhoff den „Gameport“. 2011 verkaufen sie den Laden. 15 Jahre Computer, 15 Jahre Einzelhandel, das prägt. Kaufmännisch sieht sich Karsten Plaß jedenfalls gewappnet, als er unter die Gastronomen geht. Und so nimmt er die Sache in Angriff: Das „Senftöpfchen“ steht 2007 wegen der Umbaupläne des Hospitals vor der Schließung, sein Publikum verliert die Anlaufstelle auf der Meile in Hamm. Warum also nicht einen neuen Treffpunkt für die Szene schaffen?
"Wir haben eine tolle Community"
Rein musikalisch ist Rock und Metal damals nicht seine Welt. Wenn er das Radio anmache, freue er sich, beschreibt Plaß seinen Musikgeschmack. Rückblickend ist es die richtige Wahl – „das Beste, was mir hätte passieren können“. Heute fühlt er sich in dem Genre zuhause, und für die Szene sei sein Laden ein Gewinn. „Wir haben eine große Fanbase“, sagt Karsten Plaß, „das ist eine tolle Community.“
Er spricht gern von „Wir“. Für Karsten Plaß ist sein Erfolg eine Teamleistung, und Ideen müsse das Team mittragen. Sonst funktioniere das „Wir“ nicht – und dann bleibe der Erfolg aus. Bei 23 Mitarbeitern gibt es so einige Ideen. „Metal on Moni“ ist nur eine davon. Zum zweiten Mal legt die Santa Monika heute mit einer ganzen Horde schwarz gekleideter Metal- Fans ab, eine Neuauflage nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr. „Die hatten eine Mordsangst, dass wir ihnen das Schiff versenken“, erinnert Plaß sich an die Premiere. Haben sie nicht. „Da ist nicht mal ein Glas kaputt gegangen.“
Meile nicht so schlicht wie ihr Ruf
Für seine Gäste legt er die Hand ins Feuer. So, wie Plaß überhaupt überzeugt ist: Die Meile ist nicht so schlecht wie ihr Ruf. „Die Leute meinen immer: Früher war alles besser. Ich glaube das nicht.“ Sicher, einiges auf der Südstraße liege im Argen, „aber wir sind auf einem guten Weg“.
Seit einem guten Jahr fährt Karsten Plaß auf dem Weg zweigleisig. Gleich gegenüber dem „Pirates“ hat er mit dem „King’s Pub“ einen weiteren Laden aufgemacht. Hier geht es ruhiger zu. Vielleicht kommt sogar noch ein drittes Lokal dazu, Ideen spuken ihm schon durch den Kopf. Es wäre auch ein Schritt hin zu mehr Einfluss auf der Meile. Das sei nicht unbedingt das, was er anstrebe, sagt er. Aber die Frage lautet: „Wenn alles um mich rum abstirbt, geh’ ich dann mit unter?“
Pläne gegen den Untergang
Gegen den Untergang macht er Pläne. Zum Beispiel den, ein Schiff zu bauen. Aus dem jetzigen Biergarten des „Pirates“ soll ein Riesenkahn werden, mit
Gastronomie unter Deck und dem Biergarten obenauf. Die Augen des Bauchmenschen Plaß leuchten, wenn er sich vorstellt, was man da alles machen könnte – von den Konzerten bis hin zum Event für die Kleinsten, die hier mal ohne Mama und Papa loslegen könnten. Ob’s wirklich was wird, das hängt allerdings noch von ein paar Faktoren ab. Da kommt der Kopfmensch Plaß ins Spiel. Denn letztlich ist auch ein Gastronom ein Kaufmann, und Investitionen müssen sich rechnen.
Überhaupt: Rechnen. Das muss auch eine Szenekneipe wie das „Pirates“. 30 Prozent weniger Umsatz ist so eine Kalkulation. Soviel hat das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz dem Laden gekostet. Wie sich die Umsetzung des Mindestlohns in Zahlen ausdrücken wird, bleibt noch abzuwarten.
Er sieht nicht aus wie einer, der sich darüber große Sorgen macht. In nun sieben Jahren als Wirt hat er eines gelernt: „Die Leute wollen unterhalten werden. Und so schwer ist das nicht.“ Meistens ist er an der Umsetzung der Ideen ganz aktiv beteiligt. Denn auch wenn er seinem Team „blind vertrauen“ kann: Er kann’s nicht lassen. 50 Stunden die Woche oder mehr, wer weiß das schon?
Wenig Zeit fürs Privatleben
Viel Zeit fürs Privatleben bleibt da nicht. „Zum Leidwesen von Frau Plaß“, wie er selber sagt. Frau Plaß, das ist Christin, seit vier Jahren an seiner Seite, und nein - nicht verheiratet.
Dass beide den gleichen Nachnamen tragen, ist ein Zufall. Kennengelernt haben sie sich, na klar, im „Pirates“. Hier sehen sie sich auch am ehesten. „Das war hier immer mein Ort zum Weggehen“, sagt Christin, „und das ist er noch.“
Der Kopfmensch Karsten Plaß weiß, dass er weniger arbeiten, vielleicht mal wegfahren sollte – nach Asien vielleicht, dahin, wo man gerne Urlaub macht. Und der Bauch? Der hat noch viele Pläne – für’s „Pirates“, für die Meile, für Hamm...
