"Santa Monika III": Aus Passagierschiff wird Metal-Festival
HAMM - Es ist eine besondere Gesellschaft, die die Santa Monika III am Sonntagnachmittag für eine sechsstündige Fahrt auf dem Hamm-Datteln-Kanal beherbergte. Rund 250 Passagiere auf ungewöhnlich rauer See, unter Deck: zwei rockende Metalbands.
Der DJ legte bereits die ersten Platten auf, als die nächsten „Piraten“ sich zum Entern bereit machten. Gemächlich breiteten sich die derben Gesellen auf dem liebevoll mit maritimem Südsee-Flair ausgestatteten Schiff aus. Nach Holzbeinen und Haken suchte man jedoch vergeblich. Das Deck füllte sich mit Lederjacken, Nieten und tätowierten Oberarmen, die sich an der Theke abstützten. Statt Kaffeetassen hoben sie Whiskey und Bier.
Das für gemütliche Touren bei Kaffee und Kuchen bekannte Passagierschiff verwandelte sich kurzerhand in ein schwimmendes Metal-Festival. Für „Metal on Monika“ zog Karsten Plaß, Inhaber des „Pirates“ an der Südstraße, die Hammer Bands Javelin und Delirious an Land. Klare Sache: „Das ‚Pirates’ ist unsere Lieblingskneipe“, sagte Carsten Hille, Sänger von Javelin. Zugleich bot seine Band einen Vorgeschmack auf das neue Album „Fragments of inner Shadows“, das im Oktober beim Label „Pure Steel Records“ weltweit erscheinen soll.
Ein Meilenstein für die Band, die sich erstmals ein richtiges Konzept einfallen lassen hat: Die Tracks erzählen eine Geschichte, erklärte Hille. Die erste Gelegenheit zum Headbangen boten die „Bay Area Thrash Metaller“ von Delirious, ebenfalls mit Neuheiten im Gepäck. Deren neuer Platte „Moshcircus“ wird zurzeit noch der letzte Feinschliff verpasst. Was die Fans erwartet? „Brachialer Thrash-Metal“, fasste Bassist Christian „Spletty“ Splettstößer zusammen.
Für seine kreativen Ideen ist Carsten Plaß bekannt – und diese versprach Erfolg: „Metal on Monika“ erhielt auf Facebook binnen weniger Stunden über 250 Zusagen und war seit Wochen ausverkauft. Inspiriert haben Plaß schwergewichtige Kreuzfahrten wie das „Heavy Metal Cruise“-Festival in Miami, das jährlich mit „70 000 Tonnen Metal“ wirbt. In kleinerem Ausmaße könne man das hier doch erst recht. Ganz ohne Verhandlungsgeschick ging es allerdings nicht. Skeptisch seien die Inhaber der Santa Monika gegenüber der Vorstellung gewesen, 250 Metalheads auf ihr Schiff zu lassen. Diese Skepsis hielt sich bis zur Abfahrt.
Doch hinter den Tattoos verbirgt sich zumeist nicht, was der Normalsterbliche denkt. Auf dem Schiff tummelten sich Menschen verschiedenen Alters in allen Lebenssituationen: Familienväter, Mütter, Jugendliche und Arbeitende, die zwar feiern können wie Piraten, aber am nächsten Tag in aller Früh wieder aufstehen müssen. So bewiesen sich die Besucher als herzlich und offen.
Die gängigen Klischees wehrt auch der Besucher Thomas P. getrost ab. In einer für Metaller typischen Unterhaltung über die eigenen Plattenschätze erzählte er, von seiner Sammlung könne man sich „ein Haus in Miami kaufen“. Die Platten und CDs seines Kameraden Barthel M. hingegen bewohnen eine eigene Etage seines Hauses. Thomas spielt als „Tom Love“ wie viele in der Szene in einer Band.
Von dem Abend bleibt vor allem Begeisterung – so viel, um aus „Metal on Monika“ den Auftakt für ein weiteres Festival im nächsten Jahr zu machen. Geplant ist, wenn alles klappt, der 10. August 2014. Die Schwimmflügel dürfen wieder aufgeblasen werden. - Von Sandra Kluck