THTR: Stilllegungsprozess wird eine teure Sache
UENTROP - Der weitere Stilllegungsprozess für den 1989 abgeschalteten Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) in Uentrop ist geklärt - allerdings wird er eine teure Sache.
Seit 1997 befindet sich der Reaktor im sicheren Einschluss, seitdem wird – entsprechend der Laufzeit der Verträge – regelmäßig über die Kostenverteilung zwischen den Vertretern von Bund, Land und privater Betreibergesellschaft HKG verhandelt. Jetzt gibt es eine Anschlussregelung für die Jahre 2010 bis 2022. Sie beinhaltet Vereinbarungen über die Kosten des Betriebs des sicheren Einschlusses des THTR 300 sowie zu den zu zahlenden Endlagervorausleistungen.
Während die Kosten für den Betrieb des sicheren Einschlusses nach den vorliegenden Planungen aus noch vorhandenen Mitteln finanziert werden können, sieht die dritte Ergänzungsvereinbarung vor, dass die anfallenden Endlagervorausleistungen der Jahre 2010 bis 2022 zu gleichen Teilen von Bund, Land und den Gesellschaftern der Betreibergesellschaft bereitgestellt werden, teilte das NRW-Finanzministerium mit. Die Vereinbarung steht noch unter Haushaltsvorbehalt.
Ausgaben von fast 50 Millionen Euro
Die HKG hat im November 2012 einen aktualisierten Business-Plan für den Betrieb des sicheren Einschlusses mit Preisstand 2012 erstellt. Demnach werden für den Zeitraum 2010 bis Ende 2022 für die Weiterführung des laufenden Betriebs des sicheren Einschlusses und der Zwischenlagerung sowie für die Zahlungen in den Salzgitter- Fonds Ausgaben in Höhe von voraussichtlich 49,3 Millionen Euro erwartet.
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Steuerzahler zahlen noch bis 2080 für THTR
„Darüber hinaus können unerwartete und nicht planbare Sondersachverhalte eintreten, die Maßnahmen zum Erhalt der sicher eingeschlossenen Anlage THTR 300 erfordern, zum Beispiel Fassadenerneuerung, Gebäudeinstandsetzung, Dachsanierungen etc. Für diese Sondermaßnahmen sind zurzeit Rückstellungen in Höhe von 7,8 Millionen Euro gebildet“, heißt es in dem Vertragsentwurf.
„Gesamtkosten liegen bei 735 Millionen Euro“
THTR-Gegner und -Experte Horst Blume sagte auf Anfrage, dass er seit langem auf die ungeklärte Finanzierung der Atomruine und deren Abbau hinweise. Im Businessplan der HKG würden die zukünftigen Gesamtkosten mit insgesamt 735 Millionen Euro angegeben, so Blume.
Im Einzelnen seien das 404 Millionen Euro für den Rückbau von 2023 bis 2044, 41 Millionen Euro für den sicheren Einschluss von 2013 bis 2030, 78 Millionen Euro für die Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle von 2013 bis 205, sowie 210 Millionen Euro für Endlagervorausleistungen von 2013 bis 2080.
Experte Blume: Finanzierung noch unklar
Blume: „Wer das alles finanziert und was nach 2080 kommt, ist noch unklar.“ Die Zahl von 404 Millionen Euro für den Rückbau sei zudem sehr umstritten und dürfte um ein Mehrfaches höher sein. Blume kritisiert, dass die Betreiber HKG und RWE nur ein ein Drittel der Kosten tragen müssten und der Rest vom Steuerzahler komme.
Bei dem THTR in Uentrop handelt es sich um einen Prototyp- Reaktor, dessen Gebäudeteile noch teilweise vorhanden sind. Die öffentliche Hand – Bund und Land – hatten den Bau des Reaktors im Wesentlichen finanziert. - vor/mig