"Bahnhofstraße kein Ort mehr für deutsches Restaurant"

Traditionslokal "Karlheim" gibt auf - 360-Grad-Foto online

Ulrich Karlheim und Marion Schnier wollen sich aus der Gastronomie zurückziehen.
+
Ulrich Karlheim und Marion Schnier wollen sich aus der Gastronomie zurückziehen.

Hamm - Nach fast 70 Jahren kündigt sich der Abschied einer weiteren Traditionsgastronomie in Hamm an. Ulrich Karlheim, Inhaber des „Karlheim’s“ an der Bahnhofstraße 3, will seinen Betrieb an einen neuen Pächter übergeben.

Das soll frühestens am 1. Januar geschehen - und spätestens, wenn ein geeigneter Pächter gefunden ist. 1949 hatte Karlheims Vater Willi seine Gastwirtschaft mit Restaurationsbetrieb gegründet. Es ist nicht in erster Linie das Alter, das Ulrich Karlheim (65) dazu bewogen hat, das Lokal mit Saal und Kegelbahn zu verpachten. Zu tun hat das eher mit dem Umfeld in der Bahnhofstraße, mit Stadtplanung und Innenstadtentwicklung, mit Stadtmarketing und Ordnungspolitik.

Diese Ressource kann nicht angezeigt werden!

(Sie sehen oben eine Rundum-Panorama-Aufnahme des Schankraumes. Sie können zoomen (+/-) und die Perspektive mit den Fingern bzw. der Maus nach rechts oder links verschieben.)

„Die Bahnhofstraße hat sich abends zu einem Niemandsland entwickelt, zu einem Viertel, das man nicht gerne betritt“, sagt er. Von gestandenen Männern unter seinen Gästen wisse er, dass sie sich lieber ein Taxi kommen ließen, als sich abends zu Fuß Richtung Bahnhof aufzumachen. Vielleicht sei wenig von tatsächlichen Vorfällen zu hören, aber die gefühlte Unsicherheit sei hoch.

Positive Veränderung - aber...

Die Stadt habe Millionen investiert in den Umbau des Quartiers. Das Heinrich-von-Kleist-Forum zum Beispiel, die Möblierung in

Das „Haus Karlheim“ – hier ein Foto von 1977 – gab es schon lange, bevor die Bahnhofstraße zur Fußgängerzone wurde.

der Bahnhofstraße oder der Baumbestand – all das sei schön und habe diesen Bereich zum Vorteil verändert. Allerdings habe sich über die Jahre schleichend auch das gesellschaftliche Umfeld gewandelt. Bänke, die von Bier trinkende Personen besetzt seien, Dealer, die ihre Ware offensiv anböten: Das habe im Eingangstor zur Stadt nichts zu suchen. Ordnungspolitisch werde dagegen wenig unternommen.

Darüber hinaus gingen Aktionen an diesem Teil der Stadt so gut wie ganz vorbei. „Diese finden im Maxipark, im Kurpark oder an der Pauluskirche statt“, sagt Karlheim. „Ich habe viel Herzblut in das Geschäft gesteckt, unterm Strich glaube ich jetzt aber, dass dies kein Ort mehr ist für ein deutsches Speiserestaurant.“ Die Entwicklung seit 2002 habe für ihn eine andere Richtung genommen als erhofft.

Bis zum Schluss mit "Herzblut"

Das Ladenlokal hat er inseriert. Überstürzt verpachten werde er nicht, sagt Karlheim. Für seine Gäste werde das „Karlheim’s“-Team weiter in bewährter Form da sein. „Mit dem gleichen Herzblut“, versichert Karlheim.

Lesen Sie auch:

Kultkneipe "Kipp'n Inn" reif für den Container

Videokameras im Bahnhofsumfeld möglich

"Bei Heinrich" bringt neues Leben ans Kleist-Forum

SEG kauft an Bahnhofstraße ein: Aus für Shisha-Lounge

Polizei und Ordnungsdienst räumen City-Büro

Kippen, Knarren, Kuriositäten: Auf Streife im Bahnhofsviertel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare