Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Wintercomeback nach 15 Jahren ohne Schnee möglich: Modelle zeigen eiskalte Weihnachtsüberraschung

Die Modelle wackeln, die Hoffnung wächst: Könnte Deutschland wieder weiße Weihnachten erleben? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Seit einigen Tagen sorgt das GFS-Modell der NOAA für Gesprächsstoff, weil es wiederholt einen massiven Kälteeinbruch rund um den dritten Advent (14. Dezember) simuliert – inklusive Schnee bis in tiefe Lagen und einem möglichen Festhalten der Kälte bis Weihnachten. Doch meteorologisch betrachtet steht dieses Szenario bislang weitgehend allein.

Weiße Weihnachten gab es in ganz Deutschland zuletzt im Jahr 2010. Wird es dieses Jahr endlich wieder klappen?

Andere große Modelle zeigen zwar ebenfalls ein leicht erhöhtes Potenzial für einen Kaltluftvorstoß, halten sich aber deutlich zurück, was Ausmaß und Dauer betrifft. In dieser Jahreszeit können frühwinterliche Muster innerhalb weniger Läufe kippen, denn die großräumige Zirkulation im Dezember ist häufig noch in Bewegung. Entscheidend wäre eine stabile Blockierung nördlich oder nordwestlich von Europa, die polare Kaltluft nach Mitteleuropa lenkt und dort festhält. Ob ein solches Wetter-Muster Bestand gewinnt, entscheidet sich oft erst im Zeitfenster von zehn bis sieben Tagen.

Der Faktor Schneedecke: Schneien alleine reicht nicht

Selbst wenn der Kälteeinbruch eintritt, bleibt ein wichtiger Punkt offen: die Ausbildung einer tragfähigen Schneedecke. Sie verstärkt Kälte am Boden, hemmt nächtliche Ausstrahlung und stabilisiert damit winterliche Bedingungen. Doch ob es verbreitet schneit, hängt neben der Temperatur auch von der Zugbahn kleiner Randtiefs ab. Schon geringe Abweichungen können darüber bestimmen, ob feuchte Luftmassen über Deutschland hinwegziehen oder knapp vorbeischrammen. Eine dünne Schneedecke reicht zudem nicht, wenn nachfolgende milde Impulse aus Südwesten rasch wieder Tauwetter auslösen. Für weiße Weihnachten braucht es deshalb nicht nur den Kaltluftvorstoß selbst, sondern auch ein passendes Timing der Niederschlagsfelder.

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Ein Tornado über dem Gardasee.
Kim Vanaken (L) und Schwester Angela Coble (M) vor ihrem zerstörten Haus durch El Reno, Oklahoma, USA, 01 June 2013.
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Weihnachts­tauwetter – der alte Gegenspieler

Meteorologisch beschreibt das Weihnachtstauwetter eine häufige Umstellung hin zu milder Atlantikluft kurz vor oder während der Festtage. Sie entsteht, wenn atlantische Tiefdruckgebiete die zuvor blockierte Zirkulation durchbrechen und milde, feuchte Luft nach Mitteleuropa führen. Diese Muster sind so regelmäßig, dass sie statistisch schwer zu ignorieren sind. Doch Regel heißt nicht Garantie. Sollte sich eine stabile Hochdruckbrücke von Grönland bis Skandinavien etablieren, wäre der Weg frei für anhaltend kalte Festtage. Ob sich dieser seltene Glücksfall nach 15 Jahren wiederholt, bleibt noch offen – aber die Spannung steigt tatsächlich.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Action Pictures

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