Wirtschaftsexperten warnen

Trotz finanzieller Einbußen gehen immer mehr Deutsche früher in Rente

Der Generationenvertrag wackelt und das Rentensystem steht unter Druck. Trotz Abschlägen entscheiden sich immer mehr Deutsche für eine Frühverrentung.

Berlin – Der Generationenvertrag steht auf wackligen Beinen. Monika Schnitzer, Chefin der Wirtschaftsweisen, ließ kürzlich durchblicken, dass die Babyboomer-Generation ihren Anteil am Vertrag nicht vollständig erfüllt und zu wenige Nachkommen gezeugt hätte. Die Konsequenz: Die Anzahl der Beitragszahler schrumpft, während die Menge der Rentner wächst. Schnitzer empfahl deshalb eine Reform des Systems. Auch politische Stimmen äußerten bereits, dass die „Rente mit 63“ nicht mehr zeitgemäß sei. Dennoch greifen viele Deutsche weiterhin darauf zurück.

„Rente mit 63“ ist ein Irrtum – 0,3 Prozent pro Monat fehlen

Vorab: Die „Rente mit 63“ führt oft zu Missverständnissen und ist im Grunde genommen ein Irrtum. Der korrekte Begriff wäre die „Rente für besonders langjährig Versicherte“. Sie gilt für alle Deutschen, die mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben. Sobald sie dies erreicht haben, können sie auch vor dem Erreichen des regulären Rentenalters in den Ruhestand treten.

Immer mehr Deutsche gehen früher in Rente – und nehmen dafür Abzüge in Kauf. (Symbolbild)

Dank einer Nachbesserung im Jahr 2014 war dies für alle möglich, die vor 1953 geboren wurden. Heutzutage steigt jedoch das Alter, in dem der Eintritt in die abschlagsfreie Rente möglich ist, schrittweise auf 65 Jahre an. Das bedeutet, dass die „Rente mit 63“ nur noch mit Abschlägen möglich ist. Das bedeutet also: Der Rentner verzichtet auf einen Teil seiner Rente. Für jeden Monat, den er seinen Renteneintritt vorverlegt, ist eine Kürzung um 0,3 Prozent vorgesehen.

Viele Deutsche gehen frühzeitig in Rente – trotz Abschlägen

Trotz der Abschläge entscheiden sich viele Deutsche dafür, frühzeitig in den Ruhestand zu gehen. Laut einem Bericht der Rheinischen Post akzeptierten im Jahr 2023 etwa 26 Prozent der Neurentner Abschläge. Von 953.000 Senioren, die in Altersrente gingen, waren das etwa 244.000 Rentner. Im Durchschnitt verzichteten sie auf 30 Monate, die ihnen bis zur Regelaltersgrenze noch gefehlt hätten. Diese Daten basieren auf noch nicht veröffentlichten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

Gleichzeitig stieg die Anzahl der Rentner, die ohne Abschläge frühzeitig in Rente gehen konnten. Im Jahr 2023 nutzten 279.000 langjährig Versicherte diese Möglichkeit. Im Jahr 2022 waren es noch 262.000. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den nicht langjährig Versicherten. Demnach gingen knapp 244.000 Menschen mit Abschlägen frühzeitig in Rente - 20.000 mehr als noch im Vorjahr 2022. Kurz gesagt: Die Anzahl derer, die sich frühzeitig aus dem Arbeitsleben zurückziehen, nimmt zu.

Politik sucht Lösungen für deutsches Rentensystem

Angesichts der ohnehin steigenden Anzahl von Rentnern und der sinkenden Anzahl von Arbeitnehmern stellt dies ein Problem dar. Ohne eine ausreichende Anzahl von Menschen, die in das Rentensystem einzahlen, kann es in seiner jetzigen Form auf lange Sicht nicht funktionieren. Es ist daher nicht überraschend, dass die Politik nach Lösungen sucht, um ältere Deutsche weiterhin zu beschäftigen. Zuletzt schlug zum Beispiel Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vor, Rentnern Steuererleichterungen zu gewähren, wenn sie über das reguläre Rentenalter hinaus arbeiten.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer hingegen spricht sich zumindest dafür aus, die Rentenerhöhungen zu mindern. „Die Zuwächse sollten begrenzt werden. Zurzeit sind die Rentenerhöhungen gekoppelt an die Lohnentwicklung. Das machen nur ganz wenige Länder so“, äußerte sie im Mai gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Viele Länder würden sich an der Inflationsentwicklung orientieren. „In normalen Zeiten, wenn die Inflation nicht so hoch ist wie die Lohnentwicklung, würde das bedeuten: Man ist weniger stark an der Wirtschaftsentwicklung beteiligt. Aber die Kaufkraft bleibt zumindest erhalten.“

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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