Lohnerhöhung

„Streik-Helden“ aus NRW erkämpfen dickes Gehaltsplus - „Druck war groß“

Es gibt eine Lohnerhöhung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaft ist zufrieden mit dem Mehr an Gehalt. Die Arbeitnehmer aus NRW werden zu Streik-Helden erklärt.

Hamm – Arbeitnehmer erkämpfen sich immer wieder Lohnerhöhungen oder mehr Rechte durch Streiks. Das ist ihr gutes Recht und sogar im Grundgesetz verankert. Zuletzt haben die Beschäftigten im öffentlichen Dienst auf diesem Feld einen Sieg errungen. Vorne dabei in der ersten Reihe: die „Streik-Helden“ aus NRW. Für sie gibt es ein Extra-Lob seitens der Gewerkschaft. Sie können sich über ein sattes Gehaltsplus freuen.

15.000 Menschen streiken in NRW

„Mit mehr als 15.000 Streikenden allein am vergangenen Dienstag in Düsseldorf hat NRW mit einem starken Signal zu dieser Einigung beigetragen“, erklärte Verdi-Landesleiterin Gabriele Schmidt bereits am Samstag, 9. Dezember. „Der Druck aus den Betrieben und Dienststellen war groß, das haben die Arbeitgeber offensichtlich erkannt“, sagte sie. Den Durchbruch im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes der Länder sieht die Gewerkschaft Verdi demnach auch als Erfolg von Druck aus Nordrhein-Westfalen.

Zuvor hatten sich die Spitzen von Verdi und Beamtenbund dbb mit Verhandlungsführern der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) am Samstag in Potsdam auf einen Abschluss geeinigt. Das Tarifergebnis soll zudem „zeit- und wirkungsgleich auf Beamtinnen und Beamte und Versorgungsempfänger in NRW“ übertragen werden. Das Land NRW müsse demnach schnell die Übernahme für die Beamtinnen und Beamten beschließen, damit sie nicht abgehängt würden.

Angestellte im öffentlichen Dienst des Landes erhalten Inflationsabmilderungsprämie

Alle Angestellten im öffentlichen Dienst des Landes erhalten eine sogenannte Inflationsabmilderungsprämie von insgesamt 3.000 Euro. „Diese 3.000 Euro sind steuer-­ und abgabenfrei“, stellt Verdi klar. Die Zahlung erfolge in mehreren Schritten:

  • Einmalig 1.800 Euro netto im Dezember 2023
  • Ab Januar bis Oktober 2024 eine monatliche Sonderzahlung in Höhe von 120 Euro netto
  • Auszubildende, Dual-Studierende, sowie Praktikanten erhalten jeweils die Hälfte. 

TVöD-Beschäftigte bekommen mehr Geld

Doch auch beim monatlichen Gehalt könnten die TVöD-Beschäftigten einen Zuwachs verzeichnen. „Ab dem 1. November 2024 werden die monatlichen Tabellenent­gelte um einen Sockelbetrag von 200 Euro erhöht, die zum 1. Februar 2025 um weitere 5,5 Prozent erhöht werden. Wenn damit keine Erhöhung um 340 Euro erreicht wird, wird der betref­fende Erhöhungsbetrag auf 340 Euro gesetzt“, teilt Verdi mit. Für Auszubildende, Dual-Studierende, sowie Praktikanten würden die Entgelte zum 1. November 2024 um 100 Euro erhöht, zum 1. Februar 2025 nochmal um weitere 50 Euro.

Für Azubis lohnt es sich zudem, eine gute Abschlussnote zu erzielen. „Auszubildende mit einer Abschlussnote, die mindestens befriedigend ist, werden unbefristet übernommen. Auszubildende mit einer Abschlussnote, die mindestens ausreichend ist, werden zunächst für 12 Monate befristet übernommen“, erklärt die Gewerkschaft, die noch weitere Forderungen durchsetzen konnte. Unter anderem:

  • Die Beschäftigten in der ambulanten und stationären Pflege im Vollzug erhalten die dynamische Zulage für Pflegekräfte in Höhe von derzeit 143,92 Euro. Die Beschäftigten der Gesundheitsberufe erhalten eine dynamische Zulage von derzeit 71,96 Euro.
  • Für Beschäftigte im Gesundheitsberufen in den Zentren für Psychiatrie Baden-Württemberg (ZfPen) werden die 2022 vereinbarten Zulagen tarifiert.
  • Für studentische Beschäftigte ohne Abschluss gibt es zum Sommersemester (SoSe) 2024 erstmalig einen Mindest-Stundenlohn von 13,25 Euro, dieser steigt zum SoSe 2025 auf 13,98 Euro. Außerdem wurden Mindestvertragslaufzeiten für studentische Beschäftigte auf ein Jahr eingeführt.
  • Für die Beschäftigten im Straßenbetriebsdienst und Straßenbau der Länder steigen die Entgelte im Kern um eine Entgeltgruppe. Die daraus folgenden Höhergruppierungen erfolgen stufengleich.

Darüber hinaus können sich Beschäftigte im öffentlichen Dienst in Zukunft ein Fahrrad leasen – bereits ab Januar 2024.

Verdi hat großen Streik in NRW organisiert

Vergangenen Dienstag hatten in Düsseldorf neben Verdi und dbb unter anderem auch die Bildungsgewerkschaften VBE und GEW, Polizeigewerkschaften und auch Steuer-Gewerkschaften Kundgebungen veranstaltet. In Demonstrationszügen ging es durch die Innenstadt bis zum Landtag, wo sich nach Angaben von Polizei und Verdi rund 15 000 Menschen versammelten. Auf Plakaten von Demo-Teilnehmern war zu lesen „Ich will leben, nicht überleben“ oder auch „Warme Worte heizen nicht“ sowie „Mehr Lohn für uns lohnt sich für alle“. Nun wurde einem Großteil der Forderungen stattgegeben.

Auf ein Plus können sich auch Rentner im Jahr 2024 freuen – die Rentenerhöhung fällt allerdings Schätzungen zufolge niedriger aus als noch 2023. Generell sollten sich Menschen im Ruhestand mit den Änderungen bei der Rente im Jahr 2024 vertraut machen. Ein Jahrgang beispielsweise muss nun länger arbeiten. (maho/dpa)

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa/ZB/Symbolbild

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare