Kritik
Kürzungen bei der Mütterrente – Expertin will lieber „Brücken bauen oder Bahn sanieren“
Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, bringt Kürzungen bei der Mütterrente ins Spiel. Mit dem Geld will sie lieber etwas anderes tun.
Hamm – Deutschland muss sparen. Der Haushaltsstreit ist zwar eigentlich beigelegt – doch die Ampelkoalition, die unlängst erst den Bauern wieder Zugeständnisse gemacht hat, ist dafür noch immer unter Beschuss. Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, ist vom Kompromiss offenbar wenig begeistert und zählt in einem Interview mit dem Focus auf, wo es für die Regierung noch mehr zu holen gäbe – dabei prangert sie ein Rentenkonstrukt an.
Mütterrente koste den Staat viel Geld
„Die Mütterrente, die 2014 für Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern eingeführt wurde, kostet uns jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag“, sagt Schnitzer und sieht für die Regierung dort weitere Einsparungsmöglichkeiten. Grund sei unter anderem, dass die Mütterrente „keine Lenkungsfunktion“ habe und die Kinder bereits geboren seien.
Mütterrente
Die sogenannte Mütterrente gilt für Mütter von Kindern, die vor 1992 geboren sind. „Viele Mütter bleiben zu Hause. Und kümmern sich um die Kinder. In der Zeit können sie nicht arbeiten und Geld verdienen. Deshalb bezahlen sie in der Zeit auch kein Geld an die Renten-Versicherung. Und bekommen deshalb später weniger Rente. Deshalb wird ein Teil von der Kinder-Erziehungs-Zeit bei der Rente berücksichtigt“, erklärt die Deutsche Rentenversicherung.
Früher war das ein Jahr für jedes Kind. Seit 1. Juli 2014 sind das zwei Jahre für jedes Kind. „Das gilt nur, wenn die Kinder vor 1992 geboren sind“, heißt es. Wenn die Kinder später geboren sind, gelten andere Regeln.
Mütterrente „war ein reines Wahlgeschenk“
Schnitzer wird deutlich: „Das war ein reines Wahlgeschenk. Einige Frauen, die davon profitieren, haben ihren Rentenbescheid schon. Das zu ändern, dürfte schwierig sein.“
Statt das Geld für die Mütterrente auszugeben, hätte sich die Wirtschaftsexpertin mehr Investitionen in die Zukunft gewünscht. „Anstelle der Mütterrente hätte man die Bahn sanieren oder Brücken bauen können. Doch Investitionen in die Zukunft sind Wählern eben nicht so gut vermittelbar“, meint sie. Dadurch hätte Deutschland nun „massive Defizite in der Infrastruktur“.
Wirtschaftsexpertin stellt auch Rente ab 63 Jahren auf den Prüfstand
Die Wirtschaftsexpertin stellt darüber hinaus noch eine weitere Rentenart auf den Prüfstand – die sogenannte Rente mit 63. „Das andere Thema ist die Rente ab 63 Jahren“, sagt Schnitzer. Per se will sie diese Form der Rente, die zuletzt immer mehr Menschen beantragt haben, aber nicht abschaffen.
„Wer 45 Jahre gearbeitet hat, soll in der Lage sein, abschlagsfrei in Rente zu gehen – etwa der Dachdecker, der diesen Beruf im Alter nicht mehr ausüben kann“, sagt sie und gibt zu bedenken: „Genutzt wird die Regelung aber vorwiegend von Menschen, die durchschnittlich verdienen und überdurchschnittlich gesund sind.“ Genau diese Menschen würden Deutschland aber aufgrund des Arbeiterkräftemangels im Arbeitsmarkt fehlen.
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