Fragen und Antworten

Bahnstreik in Deutschland: Was Pendler und Reisende wissen müssen

Kein IC, kein ICE, kaum ein Regionalzug: Mit einem 50 Stunden langen Streik legt die Gewerkschaft EVG die Bahn lahm. Was Pendler und Reisende wissen müssen.

Update vom 13. Mai, 16.42 Uhr: Der 50-Stunden dauernde Warnstreik bei der Bahn ist kurzfristig abgesagt worden. Die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stimmten vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main einem Vergleich zu, teilte die Bahn mit. „Vor diesem Hintergrund haben wir den Streik bei der DB AG vorerst ausgesetzt“, hieß es von der EVG. 

Nach Angaben der Deutschen Bahn kann es in den kommenden Tagen dennoch zu Unregelmäßigkeiten kommen, weil der komplette Ausfall des Fernverkehrs und der teilweise Ausfall des Regionalverkehrs während des Streiks bereits eingeplant worden war.

Bahnstreik in Deutschland: Was Pendler und Reisende wissen müssen

[Erstmeldung vom 12. Mai] Hamm - Deutschland steht vor dem nächsten großen Warnstreik. Ab Sonntagabend wird der Bahnverkehr in Deutschland für 50 Stunden weitgehend lahmgelegt. Pendler und Bahnreisende müssen sich zu Beginn der Woche auf Ausfälle und massive Einschränkungen einstellen. Wer streikt, wie lange und welche Bereiche der Bahn betroffen sind, fassen wir hier zusammen.

Was?Bahnstreik in Deutschland
Wer?Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
Wann?Sonntag (14. Mai), 22 Uhr, bis Dienstag (16. Mai), 24 Uhr

Bahnstreik in Deutschland: Wer streikt und warum?

Aufgerufen zum Streik hat am Donnerstag (11. Mai) die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, kurz: EVG. Seit Ende Februar verhandelt sie mit der Deutschen Bahn (DB) und 50 weiteren Eisenbahn-Unternehmen über einen neuen Tarifvertrag für insgesamt rund 230.000 Beschäftigte - bislang ohne Einigung. Bereits Ende April hatte die EVG bundesweit zu einem achtstündigen Streik aufgerufen und den Bahnverkehr lahmgelegt. Ende März hatte die EVG im Schulterschluss mit Verdi einen Tag lang große Teile des Verkehrs bestreikt.

Bahnstreik in Deutschland: Ab wann und wie lange wird gestreikt?

So lange wie diesmal wurde in dieser Tarifrunde noch nicht gestreikt. Der Arbeitskampf beginnt am Sonntagabend (14. Mai) um 22 Uhr und endet um 0 Uhr in der Nacht von Dienstag (16. Mai) auf Mittwoch. Das sind insgesamt 50 Stunden.

Bahnstreik in Deutschland: Welchen Bahnen und Züge sind betroffen?

Die Deutsche Bahn wird in diesen 50 Stunden nicht fahren. Der Konzern hat nach dem Streik-Aufruf durch die EVG angekündigt, den Fernverkehr bundesweit einzustellen. Zwischen Sonntagabend und Dienstagabend bleiben sämtliche ICE- und IC-Züge in den Depots, teilte der Konzern mit. Auch im Regionalverkehr werde „größtenteils kein Zug fahren“. Auf der Seite der Bahn heißt es zum Thema Streik weiterhin: „Der Nahverkehr wird bundesweit massiv beeinträchtigt sein.“

Bahnstreik in Deutschland: Ich habe schon ein Ticket gekauft, was jetzt?

Fahrgäste, die ihre geplante Reise wegen des Streiks verschieben möchten, können ihr bis einschließlich Donnerstag (11. Mai) gebuchtes Ticket im Fern- und Nahverkehr ab sofort bis einschließlich Sonntag (14.5.) flexibel nutzen. Auch nach Ende des Streiks behalten Fahrkarten, die für den Streikzeitraum gekauft wurden, für einige Zeit ihre Gültigkeit. Das sähen die Fahrgastrechte ausdrücklich vor, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Eine etwaige Zugbindung besteht nach Bahn-Angaben nicht mehr. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden.

Mit einem 50 Stunden langen Streik ab Sonntagabend legt die Gewerkschaft EVG die Bahn lahm.

Fällt ein Zug aus, haben betroffene Fahrgäste einen Anspruch auf Entschädigung – auch bei Streiks. Wie hoch diese ausfällt, regelt die EU-Fahrgastverordnung. Wenn schon vor der Abreise absehbar ist, dass der Zug mindestens eine Stunde später als geplant am Ziel ist, dürfen Fahrgäste von der Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen. Das gilt auch für ausgefallene Züge.

Bahnstreik in Deutschland: Gibt es Züge, die trotzdem fahren?

Es gibt in Deutschland nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch etliche, vornehmlich regional operierende Anbieter wie etwa die Eurobahn oder National Express. Diese Unternehmen werden zwar nicht direkt bestreikt, bekommen die Auswirkungen aber indirekt zu spüren, weil sie auf bestreikte Infrastruktur angewiesen sind. National Express etwa erwartet massive Auswirkungen auf den eigenen Betrieb der Linien. Fahrgäste müssen sich also auf Verspätungen und Ausfälle einstellen.

Bahnstreik in Deutschland: Welche Alternativen habe ich?

Das kommt auf die Distanz an. Wer ein Auto hat, sollte – mit Ausnahme eines erhöhten Verkehrsaufkommens auf den Autobahnen – grundsätzlich keine Probleme haben. Wer kein Auto hat, kann sein Glück über die Mitfahrzentrale versuchen oder bei der Autovermietung. Auch Inlandsflüge sind eine Option. Die Lufthansa will auf besonders nachgefragten Strecken wie Frankfurt-Berlin, München-Hamburg oder München-Berlin größere Flugzeuge einsetzen, wie ein Unternehmenssprecher am Freitag sagte. Man sollte allerdings schnell handeln, denn bei den meisten Airlines sind die Kapazitäten begrenzt.

Reisende haben die Möglichkeit, während des Bahn-Streiks zum Beispiel auf Flixbus oder Flixtrain umzusteigen. Auch wenn beide nicht bestreikt werden, könnte es bei Letzterem dennoch zu Einschränkungen kommen.

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Bahnstreik in Deutschland: Muss ich trotz Streik zur Arbeit?

Ja. Arbeitnehmer tragen immer das Wegerisiko. Wer zum Beispiel in Münster seine Arbeitsstelle hat, aber in Duisburg wohnen möchte, darf das gerne tun. Er oder sie muss halt nur Sorge tragen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. „Das ist im Falle eines Streiks nicht anders“, sagt Rechtsanwalt Arnd Kempgens aus Gelsenkirchen. Wer zu spät kommt, muss mit einer Reihe von Konsequenzen rechnen. Arbeitnehmer suchen am besten sofort das Gespräch mit dem Chef oder der Chefin - das federt in der Regel vieles ab.

Bahnstreik in Deutschland: Sind Busse und S-Bahnen betroffen?

Nein. Busse und S-Bahnen des ÖPNV fallen in der Regel in den Zuständigkeitsbereich einer anderen Gewerkschaft: Verdi. Nach zahlreichen Nahverkehr-Warnstreiks im Frühjahr gab es im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes Ende April aber eine Einigung. Damit wurde ein unbefristeter Streik abgewendet.

Bahnstreik in Deutschland: Wann hören die Streiks endlich auf?

Kurz und vereinfacht gesagt: Wenn sich die Tarifpartner EVG auf der einen und die Deutsche Bahn mitsamt kleineren Unternehmen auf der anderen Seite auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben. Wie schnell das geht, steht in den Sternen.

Rubriklistenbild: © Agentur 54 Grad/Imago

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