Spektakel am Himmel

„Stärkste Polarlichter der letzten 20 Jahre“ – wann folgt die nächste Chance in Deutschland?

Die Polarlichter in Deutschland waren „die stärksten der letzten 20 Jahre“. Eine Expertin ordnet ein, wie gut die Chancen auf weitere Lichter am Himmel stehen.

Hamm - Was für ein Spektakel am Nachthimmel! Ganz Deutschland blickte am Wochenende vom 10. bis 12. Mai in den Nachthimmel. Durch einen massiven Sonnensturm gab es die Chance, Polarlichter am Himmel zu sehen. „Das war außergewöhnlich“, so die Experten-Meinung von Prof. Dr. Susanne Hüttemeister, Leiterin des Zeiss Planetariums in Bochum. Viele haben das Spektakel allerdings verpasst. Wann werden die nächsten Polarlichter über Deutschland zu sehen sein?

„Stärkste Polarlichter der letzten 20 Jahre“ – wann folgt die nächste Chance in Deutschland?

„Das waren die stärksten Polarlichter der letzten 20 Jahre“, sagt Hüttemeister im Gespräch mit wa.de. Lange habe es nicht mehr solch ein Spektakel am Himmel gegeben. Und das Besondere dabei war nicht nur die Stärke der Polarlichter, die vielerorts mit bloßem Auge erkennbar waren. Das Naturphänomen war vor allem in der Nacht zu Samstag von Schleswig-Holstein über Nordrhein-Westfalen bis Bayern zu sehen. Eigentlich kommen hierzulande nur die Küstenregionen hoch im Norden regelmäßig in den Genuss von Polarlichtern.

Verantwortlich für das ungewöhnliche Spektakel am Nachthimmel über Deutschland war ein massiver Sonnensturm. Zuvor hatten Experten des Weltraumwetter-Vorhersagezentrum (SWPC) der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA schon von einem „ungewöhnlichen Ereignis“ gesprochen, da gleich fünf Sonnenstürme auf die Erde gerichtet waren.

Polarlichter über Deutschland: „Sowas Ähnliches erlebt man vielleicht alle zehn Jahre“

Ursprungsregion der Sonnenstürme ist den NOAA-Experten zufolge ein großer, komplexer Sonnenfleckcluster, der laut Hüttemeister etwa 15-mal so groß gewesen sei wie der Durchmesser der Erde. Der Sonnenfleck habe ein sehr komplexes Magnetfeld gehabt. „Das ist schon sehr selten“, so die Planetariums-Leiterin.

Vor allem in Regionen fernab großer Städte waren die Polarlichter gut zu erkennen, wie hier im Arnsberger Wald in Warstein (NRW).

„Sowas Ähnliches erlebt man vielleicht alle zehn Jahre“, erklärt Hüttemeister weiter. Wer also die Polarlichter über Deutschland am Wochenende gesehen hat, kann sich sehr glücklich schätzen. Dass sich hierzulande in der nächsten Zeit noch einmal Polarlichter in dieser Stärke zeigen werden, ist laut der Expertin aber nicht ausgeschlossen. „Die Sonne ist im Moment super aktiv. Es ist durchaus sinnvoll zu beobachten, was sich tut.“

Wie entstehen Polarlichter?

Ursprung von Polarlichtern sind Eruptionen auf der Sonne. Dabei werden Sonnenteilchen mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Erde geschleudert – das nennt man auch „Sonnensturm“. Die elektrisch geladenen Teilchen brauchen etwa zwei Tage, bis sie in der Erdatmosphäre ankommen. Treffen sie auf das Magnetfeld der Erde, entstehen die typischen leuchtenden Lichtfäden am Himmel.

Die Sonne durchlebt einen etwa elf Jahre währenden sogenannten Sonnenfleckenzyklus mit Phasen schwacher und starker Aktivität. Im Minimum können monatelang keine Flecken zu sehen sein, im Maximum Hunderte. Seit Dezember 2019 hatte die Aktivität der Sonne stetig zugenommen, aktuell befindet sie sich im Umfeld eines Maximums. Dadurch sei die Chance auf Polarlichter „in diesem und nächsten Jahr sicherlich größer als in fünf Jahren oder vor fünf Jahren“, so die Planetariums-Leiterin.

Prof. Dr. Susanne Hüttemeister rät, Internetseite wie „spaceweather.com“ im Auge zu behalten, um rechtzeitig informiert zu werden, wenn wieder ein besonderer Sonnensturm Richtung Erde zielt. Die Stärke eines Sonnensturms wird laut Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in drei fünfstufigen Kategorien angegeben, von denen Kategorie G geomagnetische Effekte beschreibt. Die NOAA beobachtete nach eigenen Angaben in der Nacht zu Samstag „G5-Konditionen“. Diese höchste Stufe sei zuletzt bei den sogenannten „Halloween-Stürmen“ im Oktober 2003 festgestellt worden, welche zu Stromausfällen in Schweden und zur Beschädigung von Transformatoren in Südafrika führten. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © Daniel Schröder

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