Krankheitswelle

Gleichzeitig gegen Corona und Grippe impfen? Ja, aber mit einer Einschränkung

Gleichzeitig gegen Corona und Grippe impfen? Das geht, wenn man eine Einschränkung berücksichtigt. Die Doppel-Spritze kann aber stärkere Impfreaktionen verursachen.

Hamm - Der Herbst macht Menschen müde und Viren munter. Es ist Grippe-Saison, auch Corona kehrt mit Macht zurück. Überall hustet und schnieft jemand oder liegt mit Fieber und Halsschmerzen im Bett. Es ist die Zeit des Jahres, in der man sich mit Impfungen gegen Covid und Influenza befassen sollte. Einige Ärzte geben sogar beide Spritzen bei einem Besuch. Ist das sinnvoll? Was bedeutet die gleichzeitige Impfung für die Nebenwirkungen?

Gleichzeitig gegen Corona und Grippe impfen? STIKO sagt Ja

Grundsätzlich ist gegen eine simultane Impfung gegen Corona und Grippe nichts einzuwenden. Gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) muss zwischen Covid-19-Impfungen und der Verabreichung anderer sogenannter Totimpfstoffe, zu denen in der Regel auch die in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffe gehören, kein zeitlicher Abstand mehr eingehalten werden.

Eine Impfung schützt

„Impfungen zählen zu den wirksamsten Maßnahmen, um Infektionskrankheiten zu verhindern“, erklärt das Bundesgesundheitsministerium an. Die Schutzimpfungen funktionieren dabei wie folgt: Der Impfstoff ermöglicht dem Körper, eine speziell gegen ein entsprechendes Virus gerichtete Immunabwehr aufzubauen. Mit dieser kann der menschliche Körper den Virus dann bekämpfen, sobald er diesem ausgesetzt ist. Eine Impfung schützt also.

RKI gibt Empfehlung zu Impfungen ab

„Die Impfungen können [...] gleichzeitig verabreicht werden“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). Einzige Einschränkung: Die Injektion sollte jeweils „an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen“.

Wer sich für zeitsparende Doppelimpfung entscheidet, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass die Impfreaktionen stärker sein können. „Es ist möglich, dass es bei einer gemeinsamen Verimpfung der Influenza- und Corona-Impfstoffe zu vermehrten vorübergehenden lokalen und systemischen Impfreaktionen kommt“, sagt Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, betont aber: „Eine Impfreaktion ist keine Nebenwirkung. In der Regel werden Impfreaktionen durch die erwünschte Aktivierung des Immunsystems ausgelöst und klingen nach wenigen Tagen folgenlos ab.“

Gleichzeitige Impfungen gegen Grippe und Corona: Die Impfreaktionen

Diese Reaktionen auf die Impfungen gegen Corona beziehungsweise Grippe können auftreten:

  • Corona: Die häufigste lokale Reaktion auf die Impfung sind Druckschmerzen an der Einstichstelle. Hinzu können Rötung und Schwellung kommen. Als systemische Reaktionen sind Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen sowie in manchen Fällen Fieber möglich.
  • Grippe: Unabhängig von der Art des Impfstoffs treten gelegentlich vorübergehend Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auf (Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen). Es kann vorübergehend zu Lokalreaktionen (leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle) kommen.

Deutschlands Hausärzte machen sich sogar für eine Doppel-Impfung gegen Corona und Grippe aus nur einer Spritze stark. Einen Kombi-Impfstoff „würden wir uns in den Praxen sehr wünschen“, sagte Beier. Noch gibt es ihn nicht, doch er ist in Arbeit. Das Pharma-Unternehmen Moderna, weltweit bekannt für sein Corona-Vakzin, arbeitet an einem Kombi-Impfstoff mit dem Namen mRNA-1083. Er soll 2025 auf den Markt kommen. „Die Verbraucher sparen sich eine Spritze“, sagte Moderna-CEO Stéphane Bancel der WirtschaftsWoche.

Gegen das RS-Virus, das für Säuglinge bedrohlich werden kann, sind seit Mitte 2023 zwei Impfstoffe zugelassen. Die Spritze ist aktuell aber aus einem bestimmten Grund teuer.

Impfungen gegen Grippe und Corona: Für wen sind sie sinnvoll?

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Corona und Influenza derzeit für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das sind:

  • Personen ab 60 Jahren
  • Personen ab dem Alter von 6 Monaten mit relevanten Grundkrankheiten
  • Bewohnerinnen und Bewohner in Einrichtungen der Pflege

Darüber hinaus werden die Impfungen auch empfohlen für medizinisches oder pflegerisches Personal sowie Familienangehörige/enge Kontaktpersonen von Personen, die durch eine Impfung vermutlich keine schützende Immunantwort aufbauen können. Schwangeren wird eine Influenza-Impfung ab dem zweiten Schwangerschaft-Drittel beziehungsweise bei Grunderkrankungen bereits ab dem ersten Drittel empfohlen. Der Abstand der Corona-Impfung zur letzten Impfung oder Infektion sollte mindestens zwölf Monate betragen. Es gibt auch eine Empfehlung, wann man sich am besten gegen Influenza impfen lassen sollte.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare