„ODIN Win_Hit“-Innovation

Spät reagiert: Putin regiert mit Shahed-Drohnen den Ukraine-Krieg

Mark Wallace von der gemeinnützigen Organisation United Against Nuclear Iran, hält neben einer Shahed-136-Militärdrohne eine Rede
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Bedrohung aus dem Iran: Mark Wallace, CEO der gemeinnützigen Organisation United Against Nuclear Iran, hielt im Mai neben einer Shahed-136-Militärdrohne eine Rede während einer Pressekonferenz auf dem Capitol Hill in Washington, D.C. Die iranische Waffe in russischer Produktion hält auch die Ukraine in Atem – bislang verfügen die Verteidiger nur über improvisierte Lösungen.



Angriffe aus unerreichbaren Höhen, Täuschkörper, gepanzerte Kapseln: Russland führt die ukrainische Luftabwehr mit Shahed-Drohnen vor. Trotz Patriots.

Kiew – „Es ist wirklich furchtbar. Es stockt einem das Herz, wenn man das Geräusch einer Shahed-Drohne hört , dann Schüsse und schließlich eine Explosion“, sagte Anastasiia Yatsenko – dem Kiyv Independent hat die Bewohnerin von Czernowitz erzählt, was sie von Wladimir Putins Invasionstruppen im Ukraine-Krieg am meisten fürchtet. Mit der „ODIN Win_Hit“-Abfangdrohne will die Ukraine jetzt dem Schrecken ihrer Zivilbevölkerung den Zahn ziehen.

Die Entscheidung der USA, der Ukraine weitere Patriot-Raketenbatterien zu liefern, sei zum Schutz vor russischen Raketen unerlässlich, schreibt David Hambling. Doch der Forbes-Autor ergänzt richtigerweise, dass ein Ende der massiven russischen Drohnenangriffe eine Aufgabe sei, „die weitaus mehr Abfangdrohnen erfordert“: Mit den „ODIN“ betitelten Waffen produziert die Ukraine eine projektilförmige Drohne, die aktuell in die Kampferprobung genommen wird und Moskaus Luftangriffe nachhaltig stoppen soll.

Putins Wunderwaffe: „Die Stärke der im Iran entwickelten Shahed-Drohnen liegt in ihrer enormen Anzahl“

Laut einer Veröffentlichung auf dem Social-Media-Kanal Telegram verfolge die „Drohne“ ein revolutionäres Konzept: Die Waffe erinnert in der Form an ein langgezogenes Projektil mit einem abgeflachten Kopf. Angetrieben wird dieses Projektil statt von einem Raketentriebwerk von vier an kleinen Flossen angebrachten Propellern, die wiederum dem Antrieb eines Quadrocopters ähneln. Wie der Hersteller angibt, könne die Waffe sowohl vom Boden als auch aus der Luft heraus gestartet werden – oder einfach aus der Hand wie ein Silvesterkracher.

Insbesondere wurde der Motorraum gepanzert, um Maschinengewehrfeuer besser standzuhalten. Zudem wurden die Treibstofftanks, die sich zuvor in den Flügeln befanden, in den Rumpf der Drohne verlegt. Bei früheren Versionen reichte oft ein einziger Treffer auf die Flügel oder den Motor aus, um die Drohne zum Absturz zu bringen.

David Hambling, Forbes

Laut dem Magazin Defense Express soll sie eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 220 Kilometern pro Stunde erreichen. Zudem soll sie mit maximal 300 Kilometern pro Stunde angreifen können, bis zu zehn Minuten in der Luft bleiben und das alles bei Tag, in der Dämmerung oder bei Nacht. Hohe Präzision bei der Bekämpfung von Luftzielen sollen die Waffe neben Mobilität und schneller Einsatzfähigkeit auszeichnen; und sie soll günstig sein.

Möglicherweise ist der Preis das gewichtigste Argument. Im Vergleich zwischen einer PAC 3-Rakete des Patriot-Systems für rund vier Millionen US-Dollar und einer Shahed-Drohne für rund 200.000 US-Dollar verliert die Ukraine immer – auch wenn sie militärisch mit den Patriots Erfolg haben sollte. Über den Preis einer ODIN-Waffe fehlen jegliche Angaben; unbekannt ist auch, inwieweit dieses Drohnen in Massen produziert werden können. „Die Stärke der im Iran entwickelten Shahed-Drohnen liegt in ihrer enormen Anzahl“, schreibt David Hambling. Insofern muss die Ukraine auch eine Waffe in Massen dagegensetzen – damit verbietet sich quasi jedes bis ins Detail ausgetüftelte Idee.

Trauriger Rekord im Ukraine-Krieg: Allein im Juni hat Moskau mit 5337 Shahed-Drohnen angegriffen

Eine Lösung ist dringend geboten, wie das Magazin Forbes aktuell nahe legt: Die Shaheds flögen inzwischen mindestens in 3000 Metern Höhe, befänden sich damit also oberhalb der Flugabwehrfeuergrenze und stürzten senkrecht auf ihr Ziel hinunter. Die Abschussquote sei im vergangenen Monat von mehr als 95 Prozent auf 86 Prozent gesunken, insofern sind deutlich mehr Shaheds durchgekommen als zuvor, so Forbes-Autor Hambling.

Allein im Juni habe Moskau die Ukraine mit 5337 Shahed-Drohnen angegriffen – ein trauriger Rekord im Vergleich zum Vorjahr, wie The Kyiv Independent meldet. Leidtragende seien überwiegend Zivilisten. Wie der Kyiv Independent deutlich macht, hat Russland im Mai 2024 mit rund 360 Shahed-Drohnen pro Monat den Terror begonnen. Diese geringen Zahlen sind Geschichte – genauso wie die früheren Erfolge gegen diese Bedrohung. Inzwischen nutzt Putins Invasionsarmee diese Waffe geschickter, und auch die Ukraine muss ihrer Abwehrbemühungen verstärken.

Zwischenzeitlich hatte Russland seine Shahed-Schwärme mit Täuschkörpern durchsetzt, und die Verteidiger hatten einen Mix aus kinetischer und nicht-kinetischer Energie einzusetzen, um die Spreu vom Weizen zu trennen und der Drohnen-Angriffe Herr zu werden: Sie haben also Drohnen durch elektronische Kriegsführung genauso ausgeschaltet wie durch schiere Feuerkraft, wie Forbes berichtet hat. Dem Magazin zufolge sei Russland aber inzwischen einen Schritt in der Entwicklung der Waffe vorangekommen. „Strukturelle Veränderungen“ nennt David Hambling die Veränderungen zur Steigerung der Überlebensfähigkeit, von denen ukrainische Militärs berichten.

Ukraine setzt Hoffnung auf neues System: Allerdings stecken die ODIN-Drohnen im Stadium der Erprobung

„Insbesondere wurde der Motorraum gepanzert, um Maschinengewehrfeuer besser standzuhalten. Zudem wurden die Treibstofftanks, die sich zuvor in den Flügeln befanden, in den Rumpf der Drohne verlegt. Bei früheren Versionen reichte oft ein einziger Treffer auf die Flügel oder den Motor aus, um die Drohne zum Absturz zu bringen“, schreibt Hambling. Das scheint jetzt vorbei zu sein, und die ukrainischen Verteidigungsbemühungen müssen mehr kinetische Energie auf Flügel oder Rumpf der Drohnen aufbringen, um sie entweder von ihrem Kurs abzulenken oder vom Himmel zu holen. ODIN ist genau dafür entwickelt worden.

Allerdings stecken die ODIN-Drohnen im Stadium der Erprobung, wie Alya Shandra sagt. Die Autorin der Euromaidan Press schreibt klipp und klar, dass gegen die Shahed-Bedrohung viele Ideen und Ansätze kursierten, aber noch keine befriedigende Lösung existiere. Shandra zufolge schaffe Russland Fakten, während beispielsweise die Nato über Lösungen grüble, die letzten Endes teuer und komplex gerieten, während die Ukraine kostengünstig und schnell produziert, weil die Ideenfindung dezentralisiert verlaufe.

Allerdings hätten auch kostengünstige Lösungen mitunter ihre Tücken, weil Russlands Bürokratie inzwischen so eingefahren sei, dass die Entwicklung und Produktion der Shaheds inzwischen wie am Schnürchen laufe und Unmengen von Geld verbrauchen dürfe, wie Shandra berichtet. Die Ukraine hätte aber ebenfalls mit den Kosten zu kämpfen, weil manchmal bis zu fünf Drohnen zum Abfangen einer Shahed benötigt würden. Zudem explodierten auch die Kosten für die Verteidiger – mit entsprechenden Folgen für den gesamten Kriegsverlauf.

Putins Terror: Trotz erfolgreicher Abfangjäger steigt die Zahl der zivilen Opfer weiter an

„Der derzeitige Einsatz deckt nur die Frontgebiete und Kiew ab, wodurch Großstädte wie Charkiw, Odessa und Saporischschja gefährdet sind. Trotz erfolgreicher Abfangjäger steigt die Zahl der zivilen Opfer weiter an“, schreibt Shandra weiter. Der Prozess habe sich am Beispiel der Shahed-Drohnen umgekehrt, bedauert sie. Eingangs des Krieges war Russland von den Innovationen der Ukraine überrascht, hat sich dann angepasst und die Ukraine in die Defensive gezwungen; was bei anderen Techniken möglicherweise mit Cleverness behoben werden könne, so Shandra: „Abfangdrohnen hingegen stellen etwas anderes dar – eine Technologie, die sowohl Innovation als auch Industrialisierung erfordert.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ohne dass die neue ODIN-Drohne bereits beziffert werden könne, rechnet Forbes-Autor David Hambling mit Kosten zwischen 1000 und 5000 US-Dollar – je nach Geschwindigkeit, Reichweite und Flugzeit. Wie der Kyiv Independent Anfang Juli berichtet hatte, hat sich aus den verschiedenen Ansätzen von Abfangdrohnen noch keine Strategie herauskristallisiert. Bohdan Danyliv behauptet, die ukrainische Regierung hätte bereits im vergangenen Jahr ahnen müssen, dass die Shaheds die neue Kernkomponente in Russlands Zermürbungskrieg darstellten. Entsprechend hätte sich Kiew um die Modifikation eigener Abwehrmaßnahmen kümmern müssen, zitiert das Medium den Leiter der Militärabteilung des Serhiy Prytula Fund, einer ukrainischen Wohltätigkeitsorganisation, die auch militärische Entwicklungen, darunter die neuen Abfangdrohnen, finanziert.

Russland sei den ukrainischen Gegenspielern mit dieser Waffe in der Entwicklung vorausgeeilt, so Danyliv. Laut dem Verteidigungsministerium würden aktuell zehn Modelle von Abfangdrohnen auf ihre Wirksamkeit gegen Shahed getestet. „Danyliv schätzt, dass vier davon tatsächlich gegen Shaheds und Gerans funktionieren“, so Kyiv-Independent-Autor Kollen Post. Laut Danyliv sei jede funktionierende Waffe willkommen, aber die Entwicklung laufe zu spät an. „Es hätte gestern passieren müssen.“

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