Russland verstärkt Drohnenangriffe

Shahed-Killerdrohnen: Russland ändert Taktik im Ukraine-Krieg

Die Kämpfe im Ukraine-Krieg gehen weiter. In mehreren Nächten setzte Russland eine Rekordzahl an Drohnenangriffen mit einer neuen Angriffstaktik ein.

Kiew/Moskau – In den letzten Wochen hat Russland seine Luftangriffe auf die Ukraine deutlich intensiviert. Nach Angaben aus Kiew starteten die russischen Streitkräfte in einer einzigen Nacht bis zu 479 Drohnen und Raketen – so viele wie nie zuvor seit Beginn des Ukraine-Krieges.

Eine Analyse von CNN zeigt, dass sieben der bisher größten Drohnenangriffe Moskaus innerhalb der vergangenen vier Wochen stattfanden. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die verstärkte Produktion der Shahed-Drohnen, die ursprünglich aus dem Iran stammen. Russland hat im vergangenen Herbst die eigene Herstellung dieser Drohnen ausgeweitet und produziert inzwischen täglich Hunderte davon.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Budapester Memorandum
Ukrainedemo, München
Orangene Revolution in der Ukraine
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Ukraine-Krieg: Russlands Drohnenoffensive setzt ukrainische Luftabwehr unter Druck

Die stetig wachsende Zahl der nächtlich gestarteten Drohnen stellt die ukrainische Luftabwehr vor enorme Herausforderungen. Christina Harward, Russland-Expertin am Institut für Kriegsforschung, schätzt, dass Moskau derzeit rund 2.700 Shahed-Drohnen und zusätzlich etwa 2.500 Täuschungsdrohnen pro Monat produziert.

Besonders problematisch ist, dass Russland seine Angriffe verstärkt auf strategische Ziele ausrichtet. Dadurch gerät die ukrainische Luftabwehr durch die Masse an Drohnen zunehmend an ihre Grenzen. Oleksiy Melnyk, ehemaliger Beamter im ukrainischen Verteidigungsministerium und heute Ko-Direktor für Außenbeziehungen und internationale Sicherheitsprogramme am Razumkov Center in Kiew, erklärte gegenüber CNN: „Anstatt hier und da ein bisschen zu zielen, konzentrieren sie die Schläge und können so eine maximale Wirkung erzielen, sowohl kinetisch als auch psychologisch.“

Laut CNN-Angaben wurden in den letzten vier Wochen landesweit mindestens 154 ukrainische Zivilisten durch Drohnen, russische Raketenangriffe und Artilleriebeschuss getötet. Weitere 900 Zivilisten wurden verletzt.

Die ukrainische Flugabwehr nimmt russische Drohnen am Himmel über Kiew unter Beschuss.

Russlands Drohnenoffensive im Ukraine-Krieg bringt die ukrainische Luftabwehr an ihre Grenzen

Mit dieser Taktik verfolgt Russland offenbar das Ziel, durch gezielte und gebündelte Angriffe sowohl materiellen Schaden als auch psychischen Druck zu maximieren. Einige der von Russland eingesetzten Shahed-Drohnen sind mittlerweile mit Jet-Triebwerken ausgestattet. Das ermöglicht höhere Fluggeschwindigkeiten und erlaubt den Einsatz schwererer Sprengköpfe. Laut einem Spiegel-Bericht bleibt der ukrainischen Luftabwehr dadurch teils nur ein Zeitfenster von fünf bis sechs Sekunden, um die Flugkörper zu erfassen und abzuschießen.

Zudem erreichen die weiterentwickelten Drohnen Flughöhen von bis zu zwei Kilometern. In dieser Höhe sind sie für bodengestützte Maschinengewehreinheiten schwer bis gar nicht zu treffen. Nach Angaben ukrainischer Stellen sind einige Drohnen außerdem mit Sensoren ausgestattet, die Scheinwerfer der Flugabwehr erkennen und daraufhin gezielte Ausweichmanöver einleiten können. Kyiv Independent berichtete unter Berufung auf ukrainische Soldaten, dass das Verhalten der russischen Drohnenschwärme zunehmend schwerer vorhersehbar sei.

IISS-Experte warnt: Ukrainische Luftabwehr kann kritische Infrastruktur nicht flächendeckend schützen

Douglas Barrie vom International Institute for Strategic Studies (IISS) in London erklärt gegenüber dem Spiegel: „Bemerkenswert an den jüngsten Angriffen ist auch, dass sie sich offenbar gegen mehrere Städte und Ortschaften richten.“ Er weist darauf hin, dass die Ukraine nur über eine begrenzte Anzahl bodengestützter Flugabwehrsysteme verfüge. „Angesichts der Größe des Landes ist es nicht möglich, die gesamte kritische nationale Infrastruktur angemessen zu schützen.“ Zudem setze Russland „wahrscheinlich auch elektronische Kriegsführung ein, um die Chancen zu erhöhen, dass eine Waffe die ukrainische Luftverteidigung durchdringt“, so Barrie. (jal)

Rubriklistenbild: © Patrick Muzart/ZUMA Press Wire/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare