Ukraine-Krieg

Drohnen gegen Drohnen: „Sting“ nimmt russische Shaheds ins Visier

Russland führt regelmäßig intensive Drohnenattacken auf die Ukraine durch. Das betroffene Land muss innovative Abwehrstrategien entwickeln.

Kiew – Im Ukraine-Krieg sticht kein Kriegsgerät so sehr hervor, wie die Kampfdrohnen. Beide Seiten setzten bereits tausende der unbemannten Flugobjekte gegen Ziele des Gegners ein. Und ebenso viele wurden im Verlauf des Krieges schon abgefangen. Seit Beginn der russischen Invasion hat die ukrainischen Streitkräfte laut eigener Aussage bereits mehr als 17.000 der ferngesteuerten Waffen aus Russland zerstört. Und trotzdem reicht die Luftverteidigung nicht aus, das Land vor den russischen Angriffen zu schützen.

Das soll sich nun aber ändern. Wie der britische Telegraph berichtete, arbeitet die Ukraine an einer neuen Lösung, die Drohnen von Russlands Autokrat Wladimir Putin zu zerstören. Dabei setzt ein Unternehmen wohl nicht wie bislang auf Luftabwehrgeschütze – sondern auf „Anti-Drohnen-Drohnen“.

„Sting“ – Ukraine entwickelt im Krieg wohl neue Kamikaze-Drohne gegen russische Shaheds

Die ukrainischen Bemühungen sollen vor allem darauf abzielen, die Städte vor Angriffen mit russischen Shahed-Drohnen iranischer Bauart zu schützen. Dafür habe man eine eigene Abwehrdrohne mit dem Namen „Sting“ (zu Deutsch „Stich“) entwickelt. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 KM/H und einer maximalen Einsatzhöhe von bis zu 3000 Meter, soll die mit vier Propellern betriebene Drohne Putins FPV-Drohnen den Garaus machen, wie der Telegraph unter Berufung auf die Hersteller, die „Wild-Hornet-Gruppe“, berichtete.

Die neuen Waffen sollen vom Boden aus mit einer VR-Brille gelenkt werden. Der Pilot werde den Flug der Anti-Shahed-Drohne mithilfe der in der Spitze verbauten Kamera verfolgen und so einen präzisen Angriff durchführen können.

Russland nutzt die iranischen Shahed-Drohnen für massive Angriffe auf die Ukraine. (Symbolbild)

Die Entwickler selbst äußerten sich nur bedingt zu der neuen Kamikaze-Drohne. „Die Zeitung The Telegraph berichtet über die neuen Wild Hornets ‚Sting‘ FPV-Drohnen, die die Ukraine vor den Shahed-Drohnen des Terrorstaats schützen sollen“, schrieb die Gruppe Wild-Hornets auf dem Kurznachrichtendienst X. „30-80 Shaheds werden jeden Tag gegen die Ukraine abgefeuert“, fügten sie hinzu.

Russland setzt der Ukraine mit Drohnen massiv zu – Luftwaffe berichtet von Treffern auf Infrastruktur

Wie wichtig neue Wege in der Luftverteidigung im Ukraine-Krieg sind, zeigen jüngste Meldungen russischer Drohnenangriffe. Wie die ukrainische Luftwaffe auf Telegram berichtete, griff Russland am Montag (21. Oktober) mit etwa 116 Drohnen verschiedene Regionen in der Ukraine an. 59 davon seien abgefangen worden, während 45 vom Radar verschwunden sein sollen. Die Armee berichtete zudem von mehreren Treffern auf die zivile Infrastruktur der Ukraine.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ob die neuen „Sting“-Drohnen die militärische Position der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland einen bedeutenden Vorteil verschaffen, bleibt abzuwarten. In jedem Fall sei die Zerstörung von Shaheds mithilfe der neuen Flugabwehr-Drohnen kostengünstiger als mit klassischen Flugabwehrraketen, so eine Quelle der Hornet-Gruppe gegenüber dem Telegraph. Die Sting soll sogar günstiger sein als die russische Kamikaze-Drohne.

Selenskyj setzt im Ukraine-Krieg auf massive Drohnenproduktion

Doch nicht nur Russland nutzt Drohnen für Angriffe im Krieg. Auch die Ukraine startet regelmäßig Angriffe mit FPVs auf russisches Territorium. Zuletzt berichtete die Armee davon, die größte Sprengstofffabrik Russlands mithilfe von Langstreckendrohnen zerstört zu haben.

Nicht verwunderlich also, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Drohnenproduktion weiter ausbauen will. In einer Ansprache am 15. Oktober sprach Selenskyj allen an der Herstellung der Drohnen Beteiligten seinen Dank aus. Insgesamt habe das Land bereits eine Million der unbemannten Kriegsgeräte hergestellt. „Und das ist nur das, was der Staat tut“, so Selenskyj. (nhi)

Rubriklistenbild: © Middle East Images/IMAGO

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