Wölfe in NRW
Vier Sichtungen an einem Wochenende: Hinweise auf Wolf im Münsterland
Im Gebiet um Münster könnte ein Wolf unterwegs sein. An nur einem Wochenende gab es mehrere Meldungen zu möglichen Sichtungen. Sie werden nun von Experten geprüft.
Münster – Der Wolf ist deutschlandweit auf dem Vormarsch. Auch in Nordrhein-Westfalen häufen sich Meldungen über mutmaßliche Sichtungen der einst durch den Menschen ausgerotteten Raubtiere. Am Wochenende gingen beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) gleich drei Meldungen aus ländlich gelegenen Ortsteilen von Münster ein. Eine weitere gab es aus dem Raum Telgte.
Vier Sichtungen am Wochenende: Streift ein Wolf durchs Münsterland?
Womöglich handelt es sich bei den Sichtungen in Hiltrup, Handorf und Gremmendorf um ein und dasselbe Tier. Ob es sich dabei tatsächlich um einen Wolf handelt oder um einen entlaufenen Hund, wird derzeit von Experten untersucht. Dazu wurde privat aufgenommenes Videomaterial an das LANUV und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) gesendet. Zuerst hatten die Westfälischen Nachrichten über die Wolfs-Sichtung berichtet.
„Wenn wir die Nachricht über eine mögliche Sichtung bekommen, prüfen Fachleute das vorliegende Material und vergleichen es mit aktuellen Begebenheiten der Umgebung, wie zum Beispiel Jahreszeit und Wetter. Außerdem können sie am besten einschätzen, ob es sich wirklich um einen Wolf handelt oder nicht“, erklärt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher des LANUV, im Gespärch mit wa.de. Die Prüfung werde noch einige Tage in Anspruch nehmen.
Wölfe in NRW: Immer wieder Sichtungen
Erst im Februar waren Wölfe in den Kreisen Borken und Minden-Lübbecke gesichtet und per Fotofalle aufgenommen worden. Mit einer genetischen Überprüfung hatte sich ebenfalls der Verdacht bestätigt, dass einer der Wölfe – der ursprünglich dem Rudel „Noord-Veluwe“ in den Niederlanden entstammt – in der Nähe von Isselburg ein Schaf gerissen hatte.
Der Nachweis alleine genügt jedoch nicht, um festzustellen, wo sich ein Tier angesiedelt hat: „Die meisten der gesichteten Wölfe sind durchziehende, die sich nicht niederlassen. Erst wenn nach mehrfacher Sichtung und Prüfung der DNA durch das Senckenberg Institut nachgewiesen wurde, dass ein Tier sich mindestens sechs Monate in einem Gebiet aufgehalten hat, gilt es als ansässig“, so Deitermann.
Einige Gebiete in NRW als Lebensraum für Wölfe geeignet
Grundsätzlich seien Teile von NRW mit ihren landwirtschaftlichen Flächen und Waldgebieten mit hoher Rehwild-Population gut als Lebensraum für Wölfe geeignet. Anders als in Niedersachsen – dort leben inzwischen 30 Rudel mit insgesamt etwa 250 Tieren – haben sich laut einer Studie der DBBW bisher jedoch nur zwei Rudel und drei Einzeltiere in NRW angesiedelt. Sie leben auf fünf Territorien verteilt.
Ein Wolfsterritorium besteht aus einem rund 200 Quadratkilometer großen Gebiet, in dem höchstens ein Rudel lebt. Darum herum wird vom Land eine sogenannte „Förderkulisse“ (ehemals Wolfsgebiet genannt) abgesteckt, die sich auf bis zu 1.000 Quadratkilometer erstreckt. „Innerhalb einer Förderkulisse können mehrere Wolfsterritorien liegen, in denen die Rudel Tür an Tür leben. Im Bereich dieser Gebiete wird der Herdenschutz unter anderem für Tierhalter und Landwirte aktiv bezuschusst“, erklärt Deitermann.
Wölfe im Münsterland und NRW: Jede Sichtung melden
Wie viele Wölfe sich derzeit insgesamt in NRW aufhalten, kann noch nicht genau bestimmt werden. „Die Größe der Rudel variiert von Jahr zu Jahr. Einige Wölfe wandern ab, andere sterben, deshalb werden jährlich neue Daten gesammelt“, sagt Wilhelm Deitermann. Aktuelle Informationen wird es erst Ende April geben.
Bei Wolfs-Sichtungen durch Privatpersonen gilt jedoch grundsätzlich: „Der Wolf hat Angst vor Menschen. Sein natürliches Verhalten ist der Rückzug“, betont der Experte. Zieht ein Wolf sich nicht zurück, zeigt er also kein normales Verhalten. Jede Sichtung eines vermeintlichen Wolfs sollte, wenn möglich, dem LANUV gemeldet werden. „Hinweise sind wichtig. Im Zusammenhang mit einem Nachweis kann jede Sichtung Aufschluss über eine Wolfssituation geben.“
Verhalten bei der Begegnung mit einem Wolf
Wird ein Wolf gesichtet, ist das nicht gleich ein Grund zur Beunruhigung. Bei der Begegnung mit einem Wolf sollten Menschen sich wie folgt verhalten, erklärt das LANUV:
- Nicht versuchen, sich dem Wolf zu nähern, ihn anzufassen oder zu füttern!
- Nicht weglaufen, am besten stehen bleiben und abwarten, bis sich der Wolf zurückzieht.
- Wenn man selbst den Abstand vergrößern will, langsam zurückziehen.
- Man kann den Wolf auch vertreiben, indem man auf sich aufmerksam macht (laut ansprechen, in die Hände klatschen, mit den Armen winken)
Erst im vergangenen Sommer wurde auch in Lippetal, an der Grenze zu Hamm ein Wolf mittels Kot- und Urinspuren nachgewiesen.
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