Zurück in den Wäldern
Begegnung mit einem Wolf: Bloß nicht weglaufen – im Zweifel sogar einen Schritt nähern
Der Wolf ist zurück in den deutschen Wäldern. Doch wie sollte man sich bei einer Begegnung – auch mit einem Hund – verhalten? Es gibt klare Empfehlungen.
Märkischer Kreis - Mittlerweile ist der Wolf wieder in den deutschen Wäldern heimisch. Das lange als ausgerottet gegoltene Tier erobert sich Stück für Stück die Wälder seines ehemaligen Wohnraums auch in Nordrhein-Westfalen zurück. Durch das immer größer werdende Vorkommen des Wolfes kommt es mittlerweile auch immer öfter zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Zuletzt traf beispielsweise in Plettenberg (Märkischer Kreis) eine verängstigte Wanderin auf einen Wolf. Doch wie verhalte ich mich in solch einer Situation? Genau darauf gibt das Bundesministerium für Umwelt- und Naturschutz eine Antwort.
Begegnung mit dem Wolf: Wie sollte ich mich verhalten?
Viele Menschen sehen in dem Wolf eine Bedrohung. Durch Kindermärchen und anderen Erzählungen hat der Wolf das Image eines blutrünstigen Räubers. Damit verbunden geht die Angst vor dem Großraubtier Hand in Hand. Doch genau hier gibt das Bundesministerium Entwarnung: Von den Wölfen gehe keine direkte Gefahr für den Menschen aus.
Grundsätzlich handelt es sich beim Wolf um ein vorsichtiges und eher menschenscheues Tier, welches sich bevorzugt im Schutz der Nacht fortbewegt. Doch ähnlich wie bei Rehen, Wildschweinen und Füchsen kann es auch immer wieder zu Sichtungen am Tag kommen. Das Ministerium beruft sich bei der Einschätzung des Gefahrenpotenzials auf eine Studie des Norwegischen Instituts für Naturforschung. Demnach seien Wolfsangriffe auf Menschen sehr selten. Zumeist ließen sich Wolfsangriffe auf drei Ursachen zurückführen. Die Wölfe seien entweder an Tollwut erkrankt, wurden provoziert oder durch vorhergegangene Futterkoordinierung an den Menschen gewöhnt.
Begegnung mit einem Wolf: Tier „sucht die Nähe zum Menschen nicht“
Dass sich der Wolf in einer Kulturlandschaft zwangsläufig ein bisschen an den Menschen gewöhnt, sei demnach unvermeidbar. Wichtig ist nur, dass der Wolf seine natürliche Scheu nicht verliert. Wie alle anderen Wildtiere muss der Wolf damit klarkommen, dass der Mensch sich hin und wieder in seinen Lebensraum begibt.
Aufgrund seines guten Geruchs- und Gehörsinnes bemerken die intelligenten Tiere Menschen meist schon sehr früh und gehen einer Begegnung prinzipiell erst einmal aus dem Weg. „Der Wolf sucht die Nähe des Menschen nicht“, ergänzt Daniela Beisemann, Wolfsberaterin im Regierungsbezirk Arnsberg, auf Nachfrage von come-on.de.
Das Ministerium erklärt, dass besonders bei jüngeren Tieren doch manchmal die Neugier überwiegen könne. Bei einer solchen Begegnung rät das Ministerium dazu, dringend Ruhe zu bewahren. In Panik verfallen oder gar weglaufen könne den natürlichen Jagdinstinkt des Wolfes ansprechen und sollte deshalb vermieden werden. Im Zweifel solle sogar eher ein Schritt auf das Tier zugemacht werden. Mit lauten Geräuschen wie Rufen oder Klatschen soll das Tier eingeschüchtert werden, sollte es nicht vorher schon von dannen gezogen sein. Sich dabei groß zu machen, verstärkt diese Wirkung noch einmal.
Begegnung zwischen Hund und Wolf – was dann?
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Hund und Wolf aufeinandertreffen. Als „Artgenossen“ können Hunde zwar sehr wohl mit ihren Vorfahren kommunizieren, aber ihr Verhalten unterscheidet sich doch grundlegend. Für Wölfe können Hunde, die ihr Gebiert passieren, als potenzielle Bedrohung gesehen werden und deshalb das Interesse der Raubtiere wecken. Der beste Schutz für den Hund ist in diesem Fall die Nähe zu seinem Besitzer.
„In Gebieten, in denen bereits Wölfe gesehen wurden, sollten Hunde grundsätzlich angeleint sein. Wenn der unwahrscheinliche Fall einer Begegnung eintritt, ruft man den Hund zu sich und hält in bei sich. Dann sollte alles gut gehen“, sagt Wolfsberaterin Beisemann.
Wenn der Wolf trotz lauter Geräusche und bestimmten Auftreten immer noch nicht vom Hund ablässt, soll laut Ministerium als letzte Maßnahme mit Stöcken oder anderen Gegenständen in Richtung des Tieres geworfen werden. Das Tier dabei absichtlich zu verletzen, sollte selbstverständlich nicht das Ziel sein.
In Gebieten, in denen bereits Wölfe gesehen wurden, sollten Hunde grundsätzlich angeleint sein.
Wolfssichtungen direkt melden
„Begegnungen mit dem Wolf meldet man am besten bei einem der zuständigen Wolfsberater oder direkt beim Landesamt für Natur- und Umweltschutz“, erklärt Beisemann. Im besten Fall fotografiert man das Tier oder oder nimmt ein Video auf. „Die Experten können daran oft erkennen, ob es sich um einen bereits bekannten Wolf handelt“. Außerdem gebe es immer wieder streunende Hunde, die bei flüchtigen Sichtungen fälschlicherweise für Wölfe gehalten werden. Auch dies könne durch einen Foto- oder Video-Beweis schnell aufgeklärt werden.
Besonders in der Landwirtschaft sorgt der Wolf immer wieder für Kontroversen. Bereits vergangenes Jahr bekundeten Schalksmühler Landwirte ihre Sorge bezüglich des Raubtiers. Währenddessen bietet derzeit der blutige Riss eines Rindes in Meinerzhagen für viel Gesprächsstoff.
Rubriklistenbild: © Christian Charisius/ dpa
