Silvesterbilanz in NRW
Angriffe auf Einsatzkräfte in mehreren Städten – Krawalle in Solingen
In Duisburg und Solingen sind Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr mit Raketen und Böllern attackiert worden. Die Silvesterbilanz für NRW im Überblick.
- Obwohl die Silvesternacht vielerorts in NRW verhältnismäßig ruhig geblieben ist, gab es vereinzelt wieder heftige Angriffe auf Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst.
- In Solingen gab es schwere Krawalle. In Bonn wurden Polizisten durch Böllerwürfe verletzt.
- In Duisburg wurden Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst mit Feuerwerkskörpern beschossen.
Duisburg/Solingen – Die Silvesternacht ist nach bisherigen Erkenntnissen in den meisten NRW-Städten aus polizeilicher Sicht verhältnismäßig ruhig verlaufen. „Der überwiegende Großteil der Bürgerinnen und Bürger verhielt sich vorbildlich“, teilte beispielsweise die Polizei aus Dortmund am Neujahrsmorgen (1. Januar) mit. In einigen Städten gab es aber dennoch Ausschreitungen und Angriffe auf Einsatzkräfte in NRW, vor allem in Solingen und Duisburg.
Feuerwehr und Polizei in Solingen mit Raketen und Steinen attackiert
In Solingen war die Feuerwehr in der Nacht zunächst wegen einer brennenden Matratze zur Hasselstraße gerufen worden. Dabei kam es laut Angaben der Polizei zu massiven Übergriffen auf die Einsatzkräfte, berichtet wa.de. Die Feuerwehr zog sich daraufhin zunächst zurück, um auf die Polizei zu warten. Als diese eintraf, wurden auch die Polizisten mit Raketen, Böllern und Steinen attackiert. Es wurde Verstärkung aus den umliegenden Städten Wuppertal und Remscheid angefordert. Laut Angaben des WDR wurde der Wohnblock komplett abgeriegelt.
Bei den Angreifern soll es sich um eine Gruppe von 30 bis 40 Personen im Alter von 20 bis 30 Jahren gehandelt haben, teilte die Polizei am Morgen mit. Die Feuerwehr konnte die Brände schließlich löschen. Die Polizei suchte noch im Laufe der Silvesternacht im Bereich der Hasselstraße nach mutmaßlichen Täterinnen und Tätern. Man erwog offenbar auch, Wohnungen zu durchsuchen, berichtet die dpa. Festnahmen gab es bislang nicht. Es wird gegen Unbekannt ermittelt.
Zudem sei es gegen 1 Uhr in der Silvesternacht auch am Graf-Wilhelm-Platz zu einem Polizeieinsatz gekommen, hier wegen eines versuchten Tötungsdelikts. „Nach bisherigen Erkenntnissen hielt sich ein 33-jähriger Solinger mit seinen zwei Begleitern in Höhe der Bushaltestellen auf. Aus bislang noch ungeklärter Ursache kam es zu einer Auseinandersetzung mit einer größeren Personengruppe. In der Folge erlitt der Solinger Stichverletzungen. Der Rettungsdienst brachte ihn in ein Krankenhaus, wo der Mann notoperiert wurde“, erklärt die Polizei Wuppertal
Die unbekannte Personengruppe flüchtete und wird wie folgt beschrieben: circa 15 bis 20 männliche Personen, circa 15 bis 20 Jahre alt. Sie hatten dunkle Kleidung getragen sowie dunkle Haare gehabt. Hinweise bitte an 0202/2840.
Einsatzkräfte in Duisburg mit Feuerwerk beschossen
Auch in Duisburg gab es in der Nacht Übergriffe auf Einsatzkräfte. In den Stadtteilen Marxloh und Hochheide wurden um kurz nach Mitternacht Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst mit Feuerwerkskörpern beschossen, teilte die Polizei auf X mit. Es gab laut Polizeiangaben zwei Festnahmen und Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung.
Die Polizei berichtet am Montagabend von Vorfällen, bei denen „Einsatzkräfte vorsätzlich mit Feuerwerkskörpern beworfen oder eschossen wurden“. Auf der Weseler Straße in Marxloh wurde ein Polizist leicht am Bein verletzt. Die Einsatzkräfte wurden dort laut Polizei mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen. Ein Tatverdächtiger wurde in Gewahrsam genommen. Auf der Weseler Straße wurden Kräfte der Feuerwehr mit Feuerwerkskörpern beworfen, während sie einen brennenden Müllcontainer löschten.
Auf der Moerser Straße in Hochheide wurden Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beschossen. Zwei Männer konnten von der Polizei identifiziert und in Gewahrsam genommen werden. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eingeleitet.
Feuerwehr in Bergheim mit Böllern beworfen
Während eines Einsatzes sind in Bergheim Kräfte der Feuerwehr mit Böllern beworfen worden. Die Einsatzkräfte löschten einen Brand auf einem Balkon. Das Feuer drohte bereits, auf andere Balkone überzugreifen. Während des Einsatzes musste die Feuerwehr durch Polizisten abgesichert werden.
Mehr als 1000 Polizisten in Köln im Einsatz
In Köln waren an Silvester mehr als 1000 Polizisten und Polizistinnen im Einsatz. Der Jahreswechsel wurde in Köln nach der Terrorwarnung unter hohen Sicherheitsmaßnahmen gefeiert. Durch starke Präsenz und das entschlossene Eingreifen unserer Polizistinnen und Polizisten ist es gelungen, frühzeitig gegen Randalierer vorzugehen und Straftaten durch Personengruppen weitestgehend zu verhindern“, wird Einsatzleiter Martin Lotz in einer Mitteilung der Polizei zitiert. In Bocklemünd wurden Einsatzkräfte mit Feuerwerkskörpern beschossen. Zudem gab es vier weitere Angriffe auf Polizisten mit pyrotechnischen Gegenständen, teilt die Polizei mit.
Feuerwehrmann in Erkrath von Rakete am Kopf getroffen
Bei einem Angriff auf Einsatzkräfte in Erkrath (Kreis Mettmann) wurde ein Feuerwehrmann von einer Rakete am Kopf getroffen. „Dank seines Schutzhelmes und dem geschlossenen Gesichtsvisier sowie seiner Flammschutzkleidung wurde er nicht verletzt“, berichtet ein Feuerwehrsprecher. Die Einsatzkräfte waren wegen brennenden Mülltonnen alarmiert worden. Schon beim Eintreffen von Feuerwehr und Polizei wurden sie mit Raketen und Böllern attackiert. Laut Polizeiangaben handelte es sich bei den Angreifern um „zehn junge Männer“. Sie flüchteten danach unerkannt.
Mann in Bottrop niedergestochen und lebensgefährlich verletzt
In Bottrop ermittelt seit der Silvesternacht eine Mordkommission. Dort ist ein 36 Jahre alter Mann von einer Gruppe junger Männer niedergestochen worden, berichtet wa.de. Er kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus und wurde notoperiert. Zuvor war ein Streit zwischen dem 36-Jährigen und der Gruppe eskaliert. Laut Polizeiangaben ging es um das Abbrennen von Feuerwerk. Die fünf Verdächtigen, alle zwischen 16 und 21 Jahren alt, wurden festgenommen.
Angriff auf Rettungssanitäter in Dülmen
In der Silvesternacht gab es in Dülmen eine Attacke auf einen Rettungssanitäter, der gerade im Einsatz war. Nach Angaben der Polizei hat ein 37 Jahre alter Mann gegen 5:50 Uhr „gezielt“ einen Böller auf den Rettungssanitäter geworfen. „Der gezündete Böller streifte die Jacke des Sanitäters und explodierte circa einen Meter neben ihm“, so die Ermittler. Gegen den Mann wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.
Mann beim Zünden von selbst gebasteltem Böller schwer verletzt
Ein 43 Jahre alter Mann wurde in Klein Reken (Kreis Borken) in der Silvesternacht bei der Explosion eines offenbar selbst gebauten Böllers schwer verletzt. „Zwischenzeitlich konnte Lebensgefahr nicht ausgeschlossen werden“, berichtet die Polizei. Der 43-Jährige kam in ein Krankenhaus. In der Nähe des Unfallortes fand die Polizei noch weitere mutmaßlich selbst gebastelte Böller, die noch ungezündet waren. Sie wurden von Entschärfern des LKA kontrolliert gesprengt.
Schwerer Unfall in der Silvesternacht in Wuppertal
Ein Peugeot-Fahrer hat um kurz nach Mitternacht drei Personen in Wuppertal angefahren und schwer verletzt. Bei den Verletzten handelt es sich um einen 44-jährigen Mann, eine 44 Jahre alte Frau und eine 15-jährige Jugendliche, berichtet wa.de. Der Fahrer flüchtete nach dem Unfall. Der Peugeot 106 wurde verlassen in einer Seitenstraße gefunden.
Gezielte Böllerwürfe in Bonn – zwei Polizisten verletzt
Die Silvesterbilanz der Polizei in Bonn fällt gemischt aus. Es habe zwar keine größeren Ausschreitungen wie noch im Vorjahr gegeben, dennoch wurden vereinzelt wieder Angriffe auf Einsatzkräfte gemeldet. In Bonn-Tannenbusch wurden zwei Polizisten durch Böllerwürfe leicht verletzt. Es habe sich um „gezielte“ Würfe mit Feuerwerkskörpern gehandelt, berichtet die Polizei. Ein Angreifer wurde in Gewahrsam genommen.
Polizistin in Herne durch Böllerwurf verletzt
Leichte Verletzungen erlitt in der Silvesternacht eine Polizistin in Herne. Sie wurde nach Angaben eines Sprechers bei einem Einsatz am Buschmannshof durch einen geworfenen Böller verletzt. Die Ermittlungen in dem Fall laufen.
Feuerwehr in Bergheim mit Böllern beworfen
In Bergheim (Rhein-Erft-Kreis) wurde die Feuerwehr beim Löschen eines brennenden Balkons kurz vor Mitternacht mit Böllern attackiert. „Während der gesamten Einsatzdauer musste die Feuerwehr durch starke Polizeikräfte abgesichert werden, da es immer wieder zu Böllerwürfen aus Personengruppen heraus in die Einsatzstelle kam“, berichtet ein Feuerwehrsprecher. Verletzte Einsatzkräfte gab es nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht.
Schüsse bei Familienstreit in Gelsenkirchen
Einen größeren Polizeieinsatz gab es um kurz nach Mitternacht zudem in Gelsenkirchen. Dort ist laut Polizeiangaben offenbar ein Familienstreit eskaliert, berichtet wa.de. Es kam zu einer Massenschlägerei. Zudem wurden auch Schüsse aus einer scharfen Waffe und einer Schreckschusswaffe abgefeuert, teilte die Polizei am frühen Morgen mit. Dabei wurden zwei Personen verletzt, einer von ihnen durch einen Schuss. Beide kamen in Krankenhäuser. „Kein Beteiligter befand sich in Lebensgefahr“, so die Polizei. Nähere Angaben zu den Hintergründen gab es bislang nicht. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise.
16 Verletzte bei Kellerbrand in Essen
Bereits am Silvesterabend war die Feuerwehr in Essen im Großeinsatz. Dort wurden bei einem Kellerbrand im Stadtteil Frohnhausen insgesamt 16 Personen verletzt, darunter neun Erwachsene und sieben Kinder. Die Feuerwehr musste laut eigenen Angaben mehrere Menschen über Drehleitern aus dem Gebäude retten, weil das Treppenhaus bereits stark verraucht war.
„Alle Patienten wurden nach Abstimmung mit dem leitenden Notarzt der Stadt Essen in verschiedene Kliniken transportiert“, berichtet ein Feuerwehrsprecher. Die Brandursache ist noch unklar. Die Polizei hat entsprechende Ermittlungen aufgenommen. Zudem seien laut WDR in Essen zwei Männer mit Knallkörpern beschossen worden, beide wurden vorläufig festgenommen. (bs/ots)
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