Ärzte können Hand nicht retten

17-Jähriger verliert Hand nach Böller-Explosion – „Mit den Folgen muss er nun leben“

Ein Jugendlicher verliert bei einem Böller-Unfall seine Hand. Selbst Spezialisten können nichts mehr retten. Der 17-Jährige hat einen langen Genesungsweg vor sich.

Münster - Jahr für Jahr weisen Experten auf die Gefahren von Feuerwerk hin. Vor allem illegale Böller, die aus dem Ausland oder im Internet gekauft werden, können lebensgefährliche Folgen haben. Ärztinnen und Ärzte müssen sich in Deutschland trotz der zahlreichen Warnungen immer wieder um schwerwiegende Verletzungen kümmern, die durch Feuerwerk verursacht wurden. In NRW verlor an Silvester 2024 ein junger Mann sein Leben, als er einen selbstgebauten Böller zünden wollte. Glimpflicher ging ein Unfall auf einer Geburtstagsfeier Anfang Dezember aus. Ein 17-Jähriger verlor seine Hand. Im Universitätsklinikum Münster hatten Spezialisten noch alles versucht, um zumindest einen Daumen zu retten – ohne Erfolg.

Blick auf das Universitätsklinikum Münster (UKM). Hier haben Spezialisten versucht, die Hand eines Jugendlichen nach einem Böller-Unfall zu retten.

Der Unfall ereignete sich am späten Abend des 6. Dezember, ein Samstag. Ein 17-Jähriger feierte in Lingen im Emsland seinen Geburtstag. Laut Polizeimeldung zündete der Jugendliche einen Böller. Dieser sei in seiner rechten Hand explodiert und habe „irreversible Verletzungen“ verursacht. Laut Polizei zündete der 17-Jährige professionelle Feuerwerkskörper der Kategorie F4, die an Privatpersonen nicht verkauft werden darf.

Böller explodiert sofort: „Gesehen, dass meine Hand nicht mehr dran ist“

Das Universitätsklinikum Münster, wo der Jugendliche später zur Behandlung war, veröffentlichte kurz vor Weihnachten eine Mitteilung, in der unter anderem der 17-Jährige selbst seine Eindrücke schilderte. Es habe nach dem Knall etwa eine Minute gedauert, bis er realisierte, dass etwas nicht stimmt. „Die Zündschnur ist gar nicht richtig heruntergebrannt, es gab sofort eine Explosion“, erinnert sich der Jugendliche. Zuerst habe er deshalb gar nichts erkennen können. Er sei geblendet gewesen. „Dann hat es etwas gedauert, bis ich als erster gesehen habe, dass meine Hand nicht mehr dran ist.“

Zuerst kommt der 17-Jährige in ein Krankenhaus nach Lingen. Dort versucht eine Chirurgin, seinen Daumen zu retten. Ohne Erfolg. Dann ging es für den Jugendlichen ins Universitätsklinikum Münster. Dort befindet sich eine Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. „Bereits in der Notfallambulanz mussten wir feststellen, dass der Daumen nicht ausreichend durchblutet war“, schildert der Oberarzt Dr. Simon Oeckenpöhler, der zusammen mit Oberarzt Dr. David Kampshoff aus der Klinik für plastische Chirurgie versuchte, zumindest den Daumen des Jungen zu retten.

Dr. Simon Oeckenpöhler vom Universtitätsklinikum Münster.

Doch es sei nicht möglich gewesen, unter dem Mikroskop neue Gefäße und damit Durchblutung in den Daumen zu bringen. Er musste entfernt werden. Bei solchen Sprengverletzungen sei das Gewebe durch die Druckwelle häufig so schwer geschädigt, „dass der Blutstrom in den Gefäßen immer wieder gerinnt, was ein Überleben unmöglich macht“, so Dr. Oeckenpöhler.

17-Jähriger verliert Hand durch Böller: „Mit den Folgen muss und wird er nun leben“

Der Sprengkörper sei nicht per se illegal oder selbstgebaut gewesen, hätte aber nur von geschulten Personen abgebrannt werden dürfen. Das sei dem Jugendlichen im Grunde bewusst gewesen, schildert das Klinikum. „Doch der Reiz, es an diesem Abend etwas lauter knallen zu lassen, war größer. Mit den Folgen muss und wird er nun leben“, heißt es in der Mitteilung. Der Appell des 17-Jährigen: „Am besten sollte man sowas gar nicht erst benutzen, und wenn man es angeboten bekommt, einfach ignorieren.“

Das Universitätsklinikum Münster berichtet, dass meist junge Männer zum Jahreswechsel mit Verbrennung und Brüchen durch Feuerwerkskörper behandelt werden. Solch schwere Verletzungen wie die des 17-Jährigen aus Lingen würden die Mediziner jedoch größtenteils bei illegalen oder selbst gebastelten Sprengkörpern sehen.

Unterarm mit Hauttransplantat aus dem Oberschenkel verschlossen

Für Handchirurg Dr. Oeckenpöhler sei deshalb jeder Böller einer zu viel. Er spricht von „völlig unnötigen und leicht vermeidbaren Verletzungen an Armen, Händen, aber auch im Gesicht“. Dies würde bis zum Verlust des Augenlichts durch Raketen reichen. „Man kann Silvester auch prima ohne Knallen feiern, aber wenn es sein muss, dann bitte nur mit zugelassenen Feuerwerkskörpern, die mit ausreichendem Sicherheitsabstand gezündet werden“, mahnt der Mediziner.

Am 15. Dezember hatte der schwer verletzte Jugendliche eine vierstündige Operation, in der ihm mit einem Hauttransplantat aus dem Oberschenkel der Unterarm verschlossen wurde. „Erst wenn diese Haut stabil eingeheilt ist, kann eine weitere Versorgung mit einer elektrischen Prothese erfolgen“, sagt Oeckenpöhler. Der 17-Jährige könne dann eventuell sogar seine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker fortsetzen. „Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, den er mit den Medizinerinnen und Medizinern des UKM gehen wird“, heißt es.

Am Montag, 29. Dezember, startet der Feuerwerksverkauf. Feuerwerkskörper, Batterien und Böller können Privatpersonen nur im Laden kaufen. Ein Online-Verkauf ist in Deutschland nämlich nicht erlaubt – dieser bleibt Gewerbekunden vorbehalten.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Bihlmayerfotografie

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