Geier-Gehege
Neubau im Allwetterzoo Münster: Störche sollen gerettet werden
Mehrere Jungstörche sind bereits im Allwetterzoo Münster qualvoll verendet. Die Mitarbeiter stehen vor einem Dilemma. Ein Neubau könnte die Lösung sein.
Münster – Eine fette, schwarze Krähe fliegt mit einem kleinen, gelben Küken im Maul durch das Geier-Gehege, landet auf einem Ast am Rand und verspeist die Mahlzeit noch an Ort und Stelle. „Die Vögel stellen auch ein Problem für uns dar. Sie stibitzen den Geiern das Futter“, erklärt ein Zoo-Mitarbeiter im Gespräch mit wa.de. Namentlich möchte er nicht genannt werden – weil es wegen des Todes von Faultier Pauli zu Bedrohungen und Anfeindungen gekommen sei. Die Küken stehlenden Krähen sind aber nicht das einzige und größte Problem im Geier-Gehege. Vielmehr machen die Störche Ärger – obwohl sie eher die Leidtragenden sind. Ihre Jungtiere sind nun schon öfter qualvoll verendet.
Ein Dutzend Storch-Nester auf dem Geier-Gehege im Allwetterzoo Münster
51 Storchennester sind über das komplette Areal des Allwetterzoos Münster verteilt. Alleine ein Dutzend befindet sich auf dem Geier-Gehege. „Da müssen wir aufpassen, dass wir keine Statik-Probleme bekommen. Sobald aber auch nur ein Ast da liegt, dürfen wir das Nest nicht mehr entfernen“, sagt der Zoo-Mitarbeiter. Die Störche würden eben unter besonderem Schutz stehen. Kein Wunder, hat sich die Population im Münsterland (NRW) in den vergangenen drei Jahrzehnten erst nach und nach erholt.
„Als die Großflugvoliere 1974 gebaut wurde, gab es nach unserer Recherche im Münsterland nur ein brütendes Storchenpaar. Dementsprechend wurde bei der Bauplanung der Anlage dieser Aspekt nicht berücksichtigt“, erklärt der Zoo. Jetzt aber strömen die Störche in Scharen zurück ins Münsterland – und einige haben sich ausgerechnet für Nistplätze über dem Geier-Gehege entschieden.
Jungstörche stürzen im Allwetterzoo Münster aus dem Nest und sterben
Nun ist es allerdings bereits mehrmals vorgekommen, dass Jungstörche aus dem Nest stürzen oder „gekickt“ werden, weil sie zu schwach oder krank sind. Landen Sie auf dem Gitternetz des Geier-Geheges, ist das meist das sichere Todesurteil. Das Problem: Die Pfleger des Allwetterzoos Münster können nicht zur Hilfe eilen, sie würden ansonsten die Geierbrut gefährden oder riskieren, dass andere Störche aus dem Nest fallen. Die Tierpfleger lasse das nicht kalt, es sei eben ein Dilemma. Der Zoo-Mitarbeiter versichert: „Hier arbeitet niemand, um Tiere zu quälen. Uns allen geht das nah.“ Längst werden daher im Hintergrund Überlegungen angestellt, wie sich das Problem lösen lässt. Die Situation ist verzwickt.
Die Geierbrut will der Zoo nämlich auf keinen Fall gefährden. „Der Verlust eines wilden Weißstorches ist traurig, vor allem der Todeskampf ist auch für uns schwer mit anzusehen. Demgegenüber steht die Chance auf eine erfolgreiche Auswilderung unserer Geiernachzuchten in Bulgarien, wie in den vergangenen Jahren bereits mehrfach geschehen“, erklärt der Zoo. Die Population brütender Geier in ganz Bulgarien sei dabei nämlich sogar kleiner als allein die Anzahl der brütenden Störche nur im Allwetterzoo.
Allwetterzoo Münster sucht „händeringend nach einer Lösung für die Problematik der nistenden Störche“
„Selbstverständlich suchen wir händeringend nach einer Lösung für die Problematik der nistenden Störche auf unserer Großflugvoliere. Gemeinsam mit dem Veterinäramt und anderen Sachverständigen sind wir, und waren es auch im Vorfeld der letzten Vorkommnisse, auf der Suche nach einer Lösung“, erklärt der Allwetterzoo Münster. Die bauliche Art der Großflugvoliere lasse aber kein einfaches Handeln zu. „Eine Überspannung mit engmaschigen Netzen, um ein Verfangen der Jungstörche in der Gitterkonstruktion der Voliere zu verhindern, kommt aufgrund statischer Probleme nicht infrage“, heißt es. Es sei auch fraglich, ob sogenannte Abweiser, die gegebenenfalls auf den Trägern der Voliere installiert werden können, sicher das Brüten der Störche an diesen Stellen verhindern.
Im Zweifel würden wohl alle diese Maßnahmen nicht helfen, sondern nur eine. „Wenn gar nichts mehr geht, müssen wir uns auch über einen Neubau verstärkt Gedanken machen“, sagt der Zoomitarbeiter im Gespräch mit wa.de. Bis das so weit ist, werden aber wohl noch viele weitere Störche über dem Geier-Gehege nisten. Ein konkreter Plan existiert nämlich noch nicht.
