Unglück

Schwere Vorwürfe: Faultier Pauli stirbt im Allwetterzoo Münster

Pauli aus dem Allwetterzoo Münster war erst zwei Jahre alt. Jetzt ist das Faultier tot. Tierschützer erheben schwere Vorwürfe. Nicht nur deswegen. Der Zoo wehrt sich.

Münster/Hamm – Die ersten Bilder wirken auf den ersten Blick gar nicht so schlimm. Die Tierschützer „Taubenfreunde Münster“ haben bei TikTok ein Video veröffentlicht, das ein Faultier in der neuen Meranti-Halle zeigt. Die Temperaturen scheinen hoch zu sein, immer wieder drückt das Faultier seinen Kopf in den Napf. Ein völlig normaler Trinkvorgang, sagt der Zoo. Tierquälerei, sagen die Aktivisten. Denn wenig später war Pauli tot. Sie erheben nicht nur wegen der Faultier-Szene schwere Vorwürfe.

Faultier stirbt im Allwetterzoo Münster – und schon wieder ein Storch

Bereits Ende Juni war ein Storch im Allwetterzoo Münster verendet. Weil direkt unter der Unglücksstelle Geier brüten, konnte der Zoo nach eigenen Angaben nicht eingreifen. Nun passierte es erneut. Am Sonntag, 9. Juli, stürzte wieder ein Storch ab und verendete qualvoll über dem Geier-Käfig.

„Es ist der gleiche Umstand wie vor drei Wochen“, sagt Allwetterzoo-Sprecher Jan Ruch auf Nachfrage von wa.de. Dem Zoo seien bei verunglückten Störchen die Hände gebunden, weil man die Geier-Brut nicht gefährden wolle. „So lange die Jungtiere der Geier noch in dem Gehege sind, können wir nichts machen“, sagt er. Handeln wolle der Zoo in Zukunft trotzdem. „Von einem Netz bis hin zu einem Neubau gibt es verschiedene Optionen – das muss aber eben erst alles umgesetzt werden“, erklärt Ruch – und bezieht Stellung zum Vorwurf der Tierschützer, dass Faultier Pauli aufgrund der Hitze und mangelnder Pflege gestorben sein soll.

„Das Video liegt uns natürlich auch vor. Unserer Meinung nach sieht man da kein atypisches Verhalten eines Faultieres. Man sieht ein Faultier, das trinkt“, sagt Ruch. Am Wochenende hätten Zoo-Mitarbeiter das Tier zudem regelmäßig beobachtet. „Das Faultier hat normal gegessen, normal getrunken und normal Kot abgesetzt“, sagt der Allwetterzoo-Sprecher. Am Montag haben Tierpfleger Pauli dann aber tot aufgefunden. Ob das die Folge der Hitze war, die auch Hunden gefährlich werden kann, ist noch nicht sicher. „Die Todesursache ist unklar, das Tier geht jetzt erst in die Pathologie“, erklärt Ruch. Mehr könne er dazu noch nicht sagen.

Todesursache noch unbekannt: Faultier Pauli stirbt im Allwetterzoo Münster

Die Tierschützer werfen unterdessen dem Zoo vor, dass Faultier Pauli an einem Hitzeschlag gestorben sei, weil die Temperatur in der neu gebauten Halle zu hoch gewesen sei. „Das“, sagt Ruch, „dürfte eigentlich nicht der Fall sein.“ Die Anlage sei schließlich neu und man könne die Temperatur händisch regeln. „Aber auch da müssen wir natürlich noch dazulernen“, ergänzt er. Die Messwerte vom Wochenende würden ihm nicht vorliegen. Menschliches Versagen werde — Stand jetzt – ausgeschlossen. „Wir müssen die Ergebnisse aus der Pathologie abwarten“, sagt Ruch.

Fest steht: An Altersschwäche ist Pauli nicht gestorben. Nach Angaben des Zoos war das Faultier ungefähr zwei Jahre alt. In der freien Wildbahn werden sie alleine schon bis 15 Jahre alt – und in Gefangenschaft noch älter. Die nächsten Tage dürften Aufschluss darüber bringen, was wirklich in der Meranti-Halle geschehen ist.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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