Meranti-Halle
Allwetterzoo Münster nach Faultier-Todesfall überfordert: „Das ist sehr komplex“
Der Allwetterzoo Münster sorgt für weniger gute Schlagzeilen: Faultier Pauli ist wegen Hitzestress gestorben. Die Mitarbeiter wirken hilflos und überfordert.
Münster – Auch Tage nach dem Tod des Faultiers Pauli in der neu gebauten Meranti-Halle steht der Allwetterzoo Münster weiter heftig in der Kritik. „Wir müssen davon ausgehen, dass die hohen Temperaturen ausschlaggebend für den Tod des Tieres waren“, hatte der Zoo nach der pathologischen Untersuchung mitgeteilt. Das befeuerte die Gerüchte, dass es sich um menschliches Versagen gehandelt habe. Ein Besuch vor Ort bestätigt diese Eindrücke – der Zoo zeigt sich hilflos. Mitarbeiter waren offenbar mit der neuen Technik der Halle beziehungsweise der Situation überfordert.
Zoo-Besucher und Tierschützer nach Tod von Faultier Pauli in Münster erzürnt
Der Tod von Faultier Pauli ist nicht der einzige Fall, der Besucher und Tierschützer erzürnt. Zuletzt waren auch Jungstörche im Allwetterzoo Münster verendet, die über dem Geier-Gehege nisten. Anders als beim Faultier waren und sind den Mitarbeitern des Zoos hier aber die Hände gebunden. „Wir können den Störchen nicht helfen, weil wir ansonsten die Geier-Brut gefährden würden“, erklärt ein Mitarbeiter des Zoos im Gespräch mit wa.de. Namentlich möchte er nicht genannt werden – in letzter Zeit sei es zu üblen Beschimpfungen und Drohungen gekommen. Die Kritik, gerade in den Sozialen Medien, ist riesig.
Das Problem mit der Storchenbrut: Immer mal wieder fallen Jungtiere aus dem Nest oder werden von den Eltern aus dem Horst „gekickt“, weil sie krank oder zu schwach sind. Schnell verheddern sie sich dann im Gitter über dem Geier-Gehege. „Für die Geier bedeutet das Stress. Wir können nichts machen und auch keine Änderungen vornehmen, solange noch die Jungtiere in ihren Nestern sind“, sagt der Zoo-Mitarbeiter. Die Tierpfleger lasse das nicht kalt, es sei eben ein Dilemma. Er versichert: „Hier arbeitet niemand, um Tiere zu quälen. Uns allen geht das nah.“ Selbstredend auch der Tod von Faultier Pauli.
Mitarbeiter des Allwetterzoos Münster weicht aus
Zwei Jahre alt ist es nur geworden, aufgrund von Hitzestress weit unter seiner Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren – oder sogar darüber hinaus – geblieben. Alles ist in der Meranti-Halle, die für Pauli zur Todesfalle wurde, auf dem neuesten Stand der Technik – allerdings wurde diese offenbar falsch oder gar nicht bedient. Warum die Temperatur nicht überprüft worden sei und kein Mitarbeiter eingegriffen habe, wollte daher wa.de wissen. „Das alles ist sehr komplex“, antwortete der Mitarbeiter lediglich und wich aus. Stattdessen verwies er auf das offizielle Statement des Zoos.
Darin heißt es: „Bislang konnten wir die Temperaturen, auch an heißen Tagen, durch eine aktive Lüftung gut steuern. Daher war die Kühlung der Halle mittels Klimatechnik zu dem Zeitpunkt noch nicht in Betrieb. Aus heutiger Perspektive haben wir die Situation der Temperaturentwicklung falsch eingeschätzt. Aus diesem Fehler haben wir Rückschlüsse für die Steuerung der Klimatechnik gezogen und das Klimamanagement verbessert.“ Die neue Halle ist mit großen Fenstern ausgestattet, rundherum ist eine Lüftungsanlage installiert.
Faultier Pauli habe „normal Kot abgesetzt, gefressen und getrunken“
Zur Verteidigung der Tierpfleger lässt sich sagen: Faultier Pauli habe am besagten Tag „normal Kot abgesetzt, gefressen und getrunken“. Die Kontrolle durch Zoopersonal sei engmaschig – auch am Wochenende. „Uns sind in der Einschätzung der technischen und tierischen Situation Fehler passiert, unter denen wir leiden und die uns tief betroffen machen. Wir geben alles, um solch einen Vorfall nie wieder erleben zu müssen“, teilte der Zoo mit. Auf wa.de-Nachfrage erklärte der Mitarbeiter allerdings, dass keine Nachschulung der entsprechenden Mitarbeiter oder Ähnliches geplant sei. Personelle Konsequenzen werde der Tod des Faultieres auch nicht nachsichziehen.
Dennoch seien die Tierpfleger nun sensibilisiert. „Dem Zoo ist ein Fehler unterlaufen, den wir nicht mehr rückgängig machen können. Ich hoffe, dass uns so etwas nicht noch einmal passiert“, sagt der Mitarbeiter. Für Pauli, der sich seit seiner Geburt in der Obhut des Allwetterzoos Münsters befand und dort jetzt viel zu früh gestorben ist, kommt diese Einsicht allerdings zu spät.