Vor allem in Soest und Paderborn

Masern in NRW wieder auf dem Vormarsch – „Zahlen sind deutlich höher“

In NRW gibt es einen deutlichen Anstieg der Masernfälle. Besonders betroffen sind die Kreise Soest und Paderborn. Aber wie gefährlich ist das?

Hamm - Es beginnt mit Fieber, Husten, Schnupfen und Entzündungen der Augenbindehaut. Wenige Tage später folgt dann der typische Hautausschlag mit bräunlich-rosafarbenen Flecken. Die Rede ist von den Masern. Die hochansteckende Krankheit soll es bereits seit 600 vor Christus geben, seitdem sind auch immer wieder Masern-Epidemien ausgebrochen. Sie zählt laut Bundesgesundheitsministerium zu den „ansteckendsten Infektionskrankheiten“ überhaupt. Doch seit den Massenimpfungen in den 1970er-Jahren galt die Viruserkrankung in Deutschland eigentlich als eingedämmt. Eigentlich.

Denn „in den letzten Jahren ist es in der europäischen WHO-Region und global zu einem erneuten massiven Anstieg der Masernfälle gekommen“, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Und auch in NRW steigen die Zahlen.

Mehrere Fälle in NRW: Was es mit „dynamischeren Maserngeschehen“ auf sich hat

Aktuell gibt es gleich mehrere Masern-Fälle in NRW. Allein im Kreis Euskirchen sollen sich laut WDR acht Kinder bei einer privaten Ferienfreizeit angesteckt haben. „Die Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz zeigen seit ca. Kalenderwoche 23 (Anm. d. Red: seit Anfang Juni) ein dynamischeres Maserngeschehen als in den Wochen davor“, sagt Melanie Pothmann, Sprecherin des Landeszentrums Gesundheit NRW (LZG), auf Nachfrage von wa.de. „Auch im Vergleich zu den Vorjahren sind die Zahlen deutlich höher.“

MeldejahrMasernfälle mit erfüllter RefDef in KW 1-34
2024134
20234
20222
202020
2019129
2018201
Datenstand: KW 34, 28.08.2024

„Aktuell gibt es Ausbruchskomplexe in verschiedenen Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen“, so die LZG-Sprecherin weiter. Dazu zählen vor allem der Kreis Soest mit 1,3 Fälle pro 100.000 Einwohnern und der Kreis Paderborn mit 1,27 Fällen pro 100.000 Einwohner. Der NRW-weite Durchschnitt liegt dabei lediglich bei 0,12. Auch im Kreis Unna (0,75), im Märkischen Kreis (0,24) und im Kreis Coesfeld (0,44) sind die Inzidenzen höher. Das geht aus dem wöchentlichen Infektionsbericht vom 26. August des LZG hervor. Die Inzidenzzahlen beziehen sich dabei auf den Durchschnitt der vergangenen vier Wochen.

Eine undatierte Abbildung, die mithilfe eines Transmissionselektronenmikroskops gemacht wurde, zeigt Teile eines Masernvirus.

Eine mögliche Erklärung für die erhöhten Fallzahlen nennt Pothmann auf Nachfrage von wa.de. „Masern-Erkrankungen treten dann auf, wenn Personen und Personengruppen nicht ausreichend geimpft sind.“ Konkret: Wenn Kinder und Erwachsene ausreichend gegen Masern geimpft sind, ist eine Erkrankung nahezu unmöglich, so das RKI. Das zeigt sich offenbar auch im Märkischen Kreis. Wie der Kreis am 28. August mitteilt, handelt es sich bei den drei aktuellen Masernfällen um Erkrankte ohne wirksamen Impfschutz.

Trotz erhöhter Inzidenzen: Masern-Erkrankungen in NRW noch in der Norm

Grund zur Panik bestehe bei den erhöhten Masern-Erkrankungen in NRW nicht. Es müsse bei den Zahlen nämlich auch das Coronavirus und die Auswirkungen der Pandemie berücksichtigt werden, so die LZG-Sprecherin. Denn die damaligen Pandemie-Maßnahmen haben auch für die Übertragungen der Masernviren beeinflusst. „Die Situation der Vorjahreszeiträume der Jahre 2020–2023 ist daher kaum mit diesem Jahr vergleichbar“, erklärt Pothmann weiter.

Vergleicht man die Zahlen mit den Werten der „vorpandemischen Jahren 2018 und 2019 in NRW“ im gleichen Zeitraum belaufen sich die Erkrankungen auf einem ähnlich hohen Stand. Außerdem betont sie: „Dank einer hohen Impfquote in der Bevölkerung insgesamt bleiben die Ausbrüche aktuell begrenzt.“ Diese soll unter anderem dadurch gesichert werden, dass es eine Impfpflicht gibt. „Das Gesetz sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen. Auch bei der Betreuung durch eine Kindertagespflegeperson muss in der Regel ein Nachweis über die Masern-Impfung erfolgen“, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium.

Rubriklistenbild: © Cynthia Goldsmith/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare