Rekordwert

Fast doppelt so viele NRW-Haushalte erhalten plötzlich Wohngeld

Neues Gesetz mit Folgen: In NRW ist die Zahl der Haushalte, die Wohngeld erhalten, stark gestiegen. Der bisherige Rekord wurde deutlich übertroffen.

Hamm - In Nordrhein-Westfalen hat sich die Anzahl der Haushalte, die Wohngeld beziehen, innerhalb eines Jahres um 76 Prozent erhöht. Das Statistische Landesamt in Düsseldorf sprach am Montag, 1. Juli, auch von einem deutlichen Anstieg des Wohngeldanspruchs.

Neues Gesetz: Hunderttausende NRW-Haushalte erhalten plötzlich Wohngeld

Ende 2023 betrug der durchschnittliche Wohngeldanspruch 319 Euro, was einer Steigerung von 114 Euro oder 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Anzahl der Haushalte, die Ende 2023 Wohngeld bezogen, belief sich auf 300.000, im Vergleich zu 171.000 Haushalten im Vorjahr. Im Jahr 2023 erhielten 3,4 Prozent aller privaten Haushalte in NRW Wohngeld, während es 2022 noch 2 Prozent waren.

Mit der Einführung des Wohngeld-Plus-Gesetzes zu Beginn des Jahres 2023 wurde der bisherige Höchststand in NRW seit der Sozialreform Hartz IV im Jahr 2005, damals 181.000, deutlich übertroffen. Die Gesetzesnovelle brachte Probleme mit sich: Die Auszahlung des Wohngeldes in NRW verzögerte sich deutlich.

Wohngeld: Einkommensschwächere Haushalte können es beantragen

Einkommensschwächere Haushalte können Wohngeld beantragen, wenn sie über ein eigenes Einkommen verfügen und durch das Wohngeld der Bezug von Grundsicherungsleistungen wie Bürgergeld oder Sozialhilfe vermieden werden kann.

Apropos Bürgergeld: Anfang des Jahres gab es ein dickes Plus für Empfängerinnen und Empfänger der Sozialleistung, allerdings drohen seit Juli 2024 vielen, die Bürgergeld beziehen und zur Miete wohnen, eine lange nicht vorhergesehene Kostensteigerung.

Wohngeld: Gesetz trifft Land NRW „mit voller Wucht“

„Die Bundes-Wohngeld-Novelle zum 1. Januar 2023 traf Kommunen und Länder mit voller Wucht“, teilte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) mit. Die Wohngeldreform führe zu erheblichen und schwer verkraftbaren Mehrkosten in den Länderhaushalten. Betrug der Anteil Nordrhein-Westfalens 2022 noch rund 218 Millionen Euro, habe sich die Summe 2023 auf rund 543 Millionen Euro mehr als verdoppelt. 

„Der Sinn des Wohngeld-Plus ist es, Berufstätigen und ihren Familien zu helfen, damit sie kein Bürgergeld oder Sozialhilfe beanspruchen müssen“, sagte Sebastian Watermeier, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW. Die neuen Zahlen für NRW zeigten, dass das von der SPD-geführten Bundesregierung in Berlin eingeführte Wohngeld-Plus wirke.

„Allerdings müssen wir auch die Ursachen klar benennen: Die soziale Schieflage in Nordrhein-Westfalen verstärkt sich weiter. Zu geringe Einkommen und gleichzeitig zu hohe Mieten, vor allem in den Ballungszentren, führen dazu, dass über 300.000 Haushalte diese Unterstützung notwendig brauchen“, so Watermeier. Der Mietpreisanstieg müsse gebremst werden. (dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Gstettenbauer

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