Zwillbrocker Venn

Mitten im Münsterland brüten exotischen Vögel – dort laufen Flamingos umher

Im Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn wird es im Frühling meistens ziemlich farbenfroh: Flamingos kommen jährlich ins Münsterland, um dort zu brüten.

Vreden - Sie sind rosa, haben einen langen Hals und sind exotisch: Das Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn im Münsterland (NRW) bietet Vogelbeobachtern jedes Jahr ein besonderes Spektakel. Im Frühjahr kommt eine Kolonie Flamingos zum Brüten an den direkt an der niederländischen Grenze gelegenen See.

Freilebende Flamingos im Münsterland: Exotische Vögel brüten im Zwillbrocker Venn

Die rund 60 Tiere kommen zwischen Februar und März an die flachen Ufer der Insel, um zusammen mit einigen tausend Lachmöwen ihre Brutzeit im Zwillbrocker Venn zu verbringen. Mit etwas Glück lässt sich auch der eindrucksvolle Gruppenbalz der Flamingos beobachten. Ab Mitte Mai schlüpfen meist die ersten Jungen, in einigen Fällen auch schon Ende April und Anfang Mai – je nach Witterung und Ankunft der Flamingos in der Region.

Die ersten Tiere sind in diesem Jahr bereits am 1. Februar angekommen. „Inzwischen sind über 40 Tiere aus ihrem Winterquartier am See. Wir haben auch schon den ersten Paarungsversuch beobachtet“, sagt Helma Mensing, Mitarbeiterin an der biologischen Station Zwillbrock, auf Nachfrage von wa.de.

Viele Futterquellen und wenig Fressfeinde bieten den Flamingos gute Bedingungen zum Aufziehen der Jungtiere.

Insel im Lachmövensee bietet natürlichen Schutz vor Fressfeinden der Flamingos

Die Küken und Jungtiere halten sich zunächst auf der Insel im Lachmöwensee auf und sind später in den seichteren Uferbereichen des Sees zu finden. Da die Insel mitten im Gewässer liegt, bilde diese zudem einen natürlichen Schutz gegen Füchse und andere Fressfeinde des Flamingos, so Mensing. Die Herbst- und Wintermonate verbringen die Vögel hingegen in den etwas milderen Regionen in den Niederlanden, am Veluwe- und Grevelingenmeer.

Warum die Flamingos sich ausgerechnet im Zwillbrocker Venn aufhalten, sei nicht abschließend geklärt – einige Vermutungen gibt es aber dennoch: „Die große Lachmöwenpopulation produziert eine Menge Kot. Der ist wiederum reich an Nährstoffen für die Flamingos und bietet eine Futterquelle für die Tiere“, erklärt Mensing. „In dem See gibt es zudem keine Fische, die in Konkurrenz zu den Flamingos stehen.“

Flamingos sind schon seit den 1980er-Jahren im Münsterland

Die typische rosa Färbung bekommen die Tiere, indem sie etwa Algen oder kleine Organismen aus dem See fischen. Der Farbstoff Karotin befände sich nicht nur wie vielfach angenommen in Krebstieren, sondern sei überall in der Natur zu finden, so Mensing.

Weltweit gibt es sechs Flamingoarten, drei Arten konnten schon im Zwillbrocker Venn beobachtet werden.

Doch wie kommen Flamingos in das Münsterland? Die ursprüngliche Heimat der eleganten Vögel ist es jedenfalls nicht. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um Exemplare aus verschiedenen Tierparks und der Privathaltung. Schon seit den 1980er-Jahren brütet der Chileflamingo und später der aus der Karibik stammende Kuba-Flamingo im Zwillbrocker Venn. Seit einigen Jahren ist auch der europäische Rosa-Flamingo in der Region heimisch.

Flamingos im Münsterland: Beobachten ohne zu Stören

Ein sechs Kilometer langer Rundweg führt durch das Zwillbrocker Venn und bietet zwei Aussichtskanzeln und einen Aussichtsturm, von denen die Flamingos, Lachmöwen und anderen Bewohner des Naturschutzgebietes beobachtet werden können. Da die Tiere unter besonderen Schutz stehen und nur vom weiten zu bestaunen sind, empfiehlt es sich, ein Fernglas mitzubringen, weiß Mensing.

Auch die Beobachtungskanzel an der Remise des Sees bietet einen guten Blick auf die Tiere – mit etwas Glück aus nur 300 Metern Entfernung. Von den Feuchtwiesenschutzgebieten, wie dem Ellewicker und Krosewicker Feld, lassen sich die Flamingos in den Sommermonaten bei der Nahrungssuche beobachten.

Im Naturschutzgebiet leben außerdem eine Schafherde

Übrigens: Auch ohne die Flamingos ist das Naturschutzgebiet einen Besuch wert. Denn rund 60 Vogelarten und eine von der biologischen Station unterhaltenen Moorschnuckenherde mit etwa 450 Mutterschafen sind im Zwillbrocker Venn beheimatet. Die Station bietet außerdem geführte Touren durch das Zwillbrocker Venn an.

Und auch der Wolf ist wieder im Münsterland heimisch: In der Region um Münster gab es mehrere Meldungen zu möglichen Sichtungen. Gruseliger kann es hingegen auch werden: Detlef Muckel möchte mit dem Film „Our Darkness“ einen Psychothriller im Münsterland drehen.

Rubriklistenbild: © Imago / imageBROKER / Erhard Nerger

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