Trotz Impfung krank?

Grippewelle in NRW: „Super-Virus“ hat es wirklich in sich

In NRW breitet sich zum Jahresbeginn eine Grippewelle aus. Experten erklären, warum der Impfstoff diesmal nicht perfekt passt und was jetzt schützt.

Hamm/Düsseldorf – Eine ungewöhnliche Grippewelle rollt durch Nordrhein-Westfalen und stellt Ärzte sowie Krankenhäuser vor Herausforderungen. Das Problem: Der aktuelle Impfstoff wirkt nicht ganz so gut. Hauptverantwortlich ist eine neue Influenza-Variante: die Subklade K des H3N2-Virus.

Eine Grippeimpfung kann sinnvoll sein.

NRW wurde bislang zwar weitestgehend verschont und von einem Notstand kann keine Rede sein. Dennoch sollte man auf der Hut sein. „Wir sind in den hausärztlichen Praxen aktuell saisonbedingt noch mit zahlreichen akuten Atemwegserkrankungen, Influenza- und Coronainfektionen beschäftigt“, sagt Allgemeinmediziner Lars Rettstadt, Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, im Gespräch mit wa.de. Eine Beobachtung, die auch andere Mediziner machen.

Grippewelle in NRW: Impfstoff wirkt nicht optimal

Dr. Frank Hünger, Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Klinische Mikrobiologie am Klinikum Dortmund, beobachtet die Lage genau. „Aus anderen Regionen gibt es Berichte über eine stark steigende Epidemiekurve“, sagt er im Gespräch mit wa.de. Für NRW gibt er allerdings leichte Entwarnung: „Wir sehen hier zwar einen Anstieg, aber keinen, der das saisonale Bild sprengen würde.“ Also alles entspannt? Nicht ganz.

Das Robert Koch-Institut (RKI) weist in seinem aktuellen Lagebericht von Mittwochabend, 14. Januar, auf eine bundesweit steigende Zahl an Influenzaerkrankungen in allen Altersgruppen hin, auch wenn diese zusammen mit weiteren akuten Atemwegserkrankungen nur zu einer „moderaten“ Zahl an Arztbesuchen und Hospitalisierungen führe. Bei den über 80-Jährigen zeige sich allerdings bereits eine hohe Zahl an Krankenhauseinweisungen wegen schwerer akuter Atemwegsinfektionen. Und: Beim Impfstoff gibt es ein Problem.

Dr. med. Frank Hünger ist Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Klinische Mikrobiologie am Klinikum Dortmund.

„Eine Grippeimpfung ist grundsätzlich immer sinnvoll, wenn man eine Infektion vermeiden möchte“, sagt Dr. Frank Hünger. Doch wer jetzt noch ungeimpft ist, könnte Pech haben: Die Saison ist weit fortgeschritten – und regional werden die Impfstoffe bereits knapp.

Am besten wäre die Impfung zwischen Oktober und Mitte Dezember gewesen. Aber auch jetzt kann sie sich noch lohnen. „Der volle Impfschutz ist zehn bis 14 Tage nach der Impfung erreicht. Da die Grippesaison bis ins Frühjahr reicht, ist eine Impfung weiterhin sinnvoll“, betont Allgemeinmediziner Lars Rettstadt aus Dortmund.

Allerdings gibt es einen Haken: ausgerechnet die aktuell kursierende Influenza‑Variante. „Der Impfstoff wird ein Jahr im Voraus produziert“, erklärt Infektionsepidemiologe Hünger. Deshalb könne es passieren, dass er „nicht optimal gegen die derzeit zirkulierende Variante schützt“. Das Risiko, trotz Impfung zu erkranken, sei dadurch etwas höher. Wie stark dieser Effekt wirklich ist, wird erst die Entwicklung der nächsten Wochen zeigen.

Lars Rettstadt ist Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe.

Schutzlos ausgeliefert ist man dem fiesen Virus natürlich nicht. Auch andere Maßnahmen schützen effektiv vor einer möglichen Infektion und helfen, gesund durch den Jahresstart zu kommen. „Die Maßnahmen zur Verhinderung einer Grippeinfektion entsprechen weitgehend denen gegen COVID‑19: Abstand halten, regelmäßige Impfungen und klassische Hygieneregeln. Diese schützen allgemein vor Infektionserregern“, sagt Dr. Hünger vom Klinikum Dortmund. Sein Kollege Lars Rettstadt pflichtet ihm bei: „Die bekannten Hygieneregeln sind immer sinnvoll, gerade in Zeiten mit hohem Infektionsaufkommen. Also: Handdesinfektion, Niesetikette, das Meiden der Öffentlichkeit, wenn man selbst akut erkrankt ist, oder das Tragen von FFP-Masken zum Schutz vor Keimen.“ Dann hat auch die „Super-Grippe“ keine Chance.

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/imago

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